So sehr erhöht Popeln das Demenz-Risiko!

Kann Popeln und das Zupfen von Nasenhaaren das Risiko erhöhen, an Alzheimer und Demenz zu erkranken? Eine australische Studie deutet darauf hin.

Viren wandern über die Nase ins Gehirn
Viren und Bakterien können über den Riechnerv ins Gehirn wandern Foto: iStock/Design Cells

Popeln ist vielleicht mehr als eine unappetitliche Angewohnheit: Neueste Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Nasebohren gefährlich für das Gehirn ist. Gleiches gilt für das Zupfen von Nasenhaaren. Beides könnte das Demenz- und Alzheimerrisiko erhöhen.

Das hat Popeln mit Alzheimer zu tun

Weder durch Nasebohren noch durch gezupfte Nasenhaare kann man das Gehirn direkt verletzen. Allerdings erleichtern beide Angewohnheiten das spätere Eindringen von Bakterien in den Nasengang. Genau hier liegt das Risiko.

Das Team um den Neurobiologen James St. John von der Griffith University in Australien hat herausgefunden, dass ein bestimmtes Bakterium über den Riechnerv ins Gehirn wandern kann. Dort hinterlässt es Spuren, die "wie Alzheimer aussehen", erklärte James St. John in einer Mitteilung seiner Universität.

An Mäusen bewiesen, bei Menschen möglich

Die Forscher:innen wiesen in Laborversuchen an Mäusen nach, dass das Bakterium Chlamydia pneumoniae "direkt in die Nase und ins Gehirn gelangen kann, wo es Pathologien auslöst, die wie Alzheimer aussehen." Neurobiologe James St. John betonte: "Die Beweise sind möglicherweise auch für Menschen beängstigend."

Chlamydia pneumoniae ist ein weit verbreiteter Erreger, der über die Luft übertragen werden kann. Die Krankheit verläuft meist symptomlos oder mit nur leichten Halsschmerzen. In schweren Fällen kann Chlamydia pneumoniae eine Lungenentzündung hervorrufen.

In ihrer Studie verdeutlichen die Forscher:innen, dass das Bakterium heutzutage in 80 Prozent aller post-mortem untersuchten Gehirne von Demenz-Erkrankten nachgewiesen werden konnte. In der Vergleichsgruppe von nicht an Demenz erkrankten Menschen fand man den Erreger lediglich in 11 Prozent der post-mortem untersuchten Gehirne.

Mehr Bakterien im Gehirn durch Popeln

Hat Chlamydia pneumoniae das Gehirn erreicht, beginnt der Körper mit der Ablagerung des Eiweißes Amyloid-Beta-Protein, dem Hauptbestandteil der für die Demenz-Erkrankung typischen Plaques.

Alles also, was es Bakterien – egal welcher Art – erleichtert, über den Riechnerv ins Gehirn vorzudringen, sei "keine gute Idee", wie James St. John unterstrich. Wenn man die Nasenschleimhaut beschädigt, haben es Bakterien leichter, ins Gehirn zu wandern.

Die Forscher:innen der Griffith University wollen nun in weiteren Studien untersuchen, ob sich die Beobachtungen der Mäuseversuche auch beim Menschen zeigen. Damit wäre dann endgültig bewiesen, dass Popeln gefährlich für das Gehirn sein kann.

Quellen:

Chlamydia pneumoniae can infect the central nervous system via the olfactory and trigeminal nerves and contributes to Alzheimer’s disease risk, in: Scientific Reports

New research suggests nose picking could increase risk for Alzheimer’s and dementia, in: Griffith University