Polyneuropathie: Nur zwei Spritzen verbannten meine Schmerzen

Eine Frau hält sich den Fuß
Chronische Nervenschmerzen erschweren Patienten mit Schmerzhafter Diabetischer Polyneuropathie das Leben – ein neu entwickeltes Medikament gibt Hoffnung © Shutterstock

Die Schmerzhafte Diabetische Polyneuropathie kann die Lebensqualität Betroffener stark einschränken. Ein neues Mittel könnte das bald ändern.

Viele Diabetiker leiden an der sogenannten Diabetischen Polyneuropathie. Dabei handelt es sich um eine Schädigung der peripheren Nerven – das sind diejenigen Nerven, die außerhalb von Gehirn und Rückenmark liegen und eine Verbindung zu den unterschiedlichen Körperregionen herstellen.

Meist treten die Beschwerden zunächst an den Füßen auf. Typische Symptome sind ein Kribbeln und Taubheitsgefühl sowie ein fehlendes Schmerzempfinden in den Füßen. Zum Problem wird das, wenn Betroffene beispielsweise in spitze Gegenstände treten, ohne daraus folgende Verletzungen zu bemerken – so können chronische Wunden entstehen, Mediziner sprechen dann von einem diabetischen Fuß.

 

Schmerzhafte Diabetische Polyneuropathie

Ein Teil der Betroffenen leidet an der sogenannten schmerzhaften Diabetischen Polyneuropathie: Die Nervenschädigungen verursachen bei ihnen starke chronische Schmerzen, meist als stechend, brennend oder einschießend beschrieben.

So ging es bis vor kurzem auch Keith Wenckowski aus Chicago, der seit mehr als 20 Jahren an Typ-I-Diabetes leidet. Ein Barfuß-Spaziergang im Sand fühlte sich für ihn an „wie auf Glas zu laufen“.

Jetzt hat er diese Zeit hinter sich gelassen – seit über einem Jahr hat er keine starken Beschwerden mehr. Als ein Teilnehmer einer neuen Studie der US-amerikanischen Northwestern University bekam er ein neues Medikament verabreicht, dass seine Schmerzen deutlich verringerte.

 

VM202: Neue Hoffnung für Patienten

84 Patienten mit Schmerzhafter Diabetischer Polyneuropathie nahmen an der Studie teil. In einer Serie von Injektionen in den Unterschenkel bekamen sie geringe Dosen des VM202 genannten Mittels verabreicht. Nach zwei Wochen wurden die Injektionen wiederholt. Die Folge: Ihre Schmerzen gingen im Durchschnitt um 50 Prozent zurück. Dieser Effekt hielt auch bei Kontrolluntersuchungen nach neun Monaten noch an. Bei Probanden in einer Placebogruppe trat diese Verbesserung nicht ein.

VM202 enthält ein spezielles Protein, den sogenannten Wachstumsfaktor, der natürlich im menschlichen Körper vorkommt und Gesundheit und Funktion von Nervenzellen stärkt. In einer weiteren Studie soll das Medikament an einer größeren Zahl von Probanden getestet werden.

Keith Wenckowski freut sich: Er kann wieder barfuß durch den Sand laufen – ohne Schmerzen.

Hamburg, 6. März 2015

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