Polio – kommt die Seuche zurück nach Europa?

Ein kleiner Junge wird geimpft
Die erste Polio-Impfung erfolgt bei Kindern im dritten Lebensmonat. Dann folgen zwei weitere Impfungen im ersten Lebensjahr und eine vierte zu Beginn des zweiten Lebensjahres. Im Alter von 9 bis 17 Jahren sollte außerdem eine Auffrischungsimpfung durchgef © Fotolia

In der Ukraine sind zwei Fälle von Kinderlähmung (Polio) aufgetreten. Damit kehrt eine Seuche nach Europa zurück, die als fast ausgerottet galt. Wie akut ist die Gefahr für Deutschland?

Vor rund zwei Monaten traten bei zwei Kleinkindern (zehn Monate und vier Jahre) im Südwesten der Ukraine Lähmungen auf, die mit der Zeit immer stärker wurden. Inzwischen bestätigte die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass sie an Kinderlähmung (Polio) erkrankt sind.

 

Seit 2010 war Europa frei von Polio

Damit ist Polio nach fünf Jahren nach Europa zurückgekehrt – seit 2010 gab es keine bekannten Fälle der hochansteckenden Infektionskrankheit mehr. Das Risiko eines Ausbruchs war laut WHO-Angaben in der Ukraine wegen geringer Impfquoten erhöht – so waren 2014 nur rund 50 Prozent der ukrainischen Kinder vollständig gegen Polio und andere Krankheiten geimpft.

Die geringen Impfquoten erhöhen auch die Gefahr einer weiteren Ausbreitung der Seuche in der Ukraine – denn die Erkrankten sind bereits ansteckend, bevor sie erste Symptome zeigen. Eine Ausbreitung in die Nachbarländer halten Experten jedoch für unwahrscheinlich. Mitarbeiter der WHO planen derzeit Impfaktionen zur Eindämmung des Virus in der Ukraine.

Dank globaler Impfkampagnen ist das Virus auf großen Teilen der Welt ausgerottet – zwischen 1988 und 2013 gingen die weltweiten Fälle von 350.000 auf 406 zurück. In diesem Jahr wurden lediglich in Afghanistan und Pakistan Fälle gemeldet. WHO-Experten sprechen angesichts der neuen Fälle darum von einem Rückschlag im weltweiten Bestreben, die Krankheit auszurotten.

 

Ist Deutschland gefährdet?

In Deutschland gilt Polio als ausgerottet. Theoretisch besteht zwar ein Risiko der Einschleppung der Viren durch Einreisende, doch Experten sehen die Gefahr einer Ausbreitung wegen der hohen Impfquoten hierzulande als sehr gering an.

 

Wie wird Polio übertragen?

Meist erkranken Kinder unter fünf Jahren an dem Virus, daher rührt auch der Name Kinderlähmung. Polio-Viren befallen das Rückenmark und können so Lähmungen und Muskelschwund verursachen, vor allem in Armen und Beinen.

Nach der Infektion mit Polio-Viren kann es bis zu 35 Tage dauern, bis die Erkrankung ausbricht. Etwa 36 Stunden bis zu einer Woche nach der Infektion können an Polio Erkrankte andere über eine Tröpfcheninfektion anstecken. Darüber hinaus wird das Virus bis zu sechs Wochen lang über den Stuhl ausgeschieden – besonders in Gegenden mit schlechter sanitärer Hygiene kann es sich so weiter ausbreiten.

Kinderlähmung ist nicht heilbar, die Behandlung besteht darum ausschließlich in der Linderung der Symptome. Dazu gehören die Verabreichung von Schmerzmitteln und krankengymnastische Übungen, um den Lähmungen entgegenzuwirken.

Hamburg, 4. September 2015

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