PMDS: Was ist das und welche Behandlung hilft?

Daphne Sekertzi

Man schätzt, dass mindestens fünfzehn Prozent der gebärfähigen Frauen an einer Form vom PMDS, dem prämenstruellen dysphorischen Syndrom, leiden. Zu den typischen körperlichen Symptomen kommen vor der Periode noch psychische Beschwerden hinzu. In schweren Fällen werden Betroffene jeden Monat für vier bis vierzehn Tage schwer depressiv oder aggressiv. Was sind die Ursachen und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

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Inhalt
  1. Was ist PMDS?
  2. PMDS-Symptome: Depressionen, Angst und Aggressionen
  3. Überempfindlichkeit auf Hormone löst PMDS aus
  4. Stimmungstagebuch erleichtert die PMDS-Diagnose
  5. PMDS-Behandlung: Nicht immer sind Medikamente notwendig
 

Was ist PMDS?

Das prämenstruelle dysphorische Syndrom, kurz PMDS, ist eine Anlehnung an PMS, dem prämenstruelllen Syndrom. Zu den typischen körperlichen Beschwerden, wie Brustspannen, Wassereinlagerungen oder Verdauungsproblemen, kommt noch eine psychische Dimension hinzu – der sogenannte dysphorische Zustand. Die Dysphorie beschreibt eine gedrückte, ängstlich-depressive oder gereizte Grundstimmung, die etwa vier bis vierzehn Tage vor Einsetzen der Periode entsteht. Schätzungen zufolge sind die Beschwerden bei etwa fünf bis sieben Prozent der Frauen so stark, dass der Alltag nicht mehr bewältigt werden kann.

 

PMDS-Symptome: Depressionen, Angst und Aggressionen

Es lassen sich zwei verschiedene Ausprägungen von PMDS unterscheiden. Der dysphorische Zustand führt dazu, dass die Betroffenen entweder depressiv und weinerlich oder aggressiv und impulsiv werden. Trotz verschiedener Symptome handelt es sich jedoch um ein und dieselbe Störung. Charakteristisch für PMDS ist eine vorübergehende Wesensveränderung. In schweren Fällen erscheinen die Betroffenen wie eine völlig andere Person. Sobald allerdings die Periode beginnt, spätestens einige Tage danach, normalisiert sich das Verhalten wieder.

Das Fatale: Bei starker Ausprägung können die Symptome des PMDS ernsthafte Folgen haben. Nicht selten lassen die Stimmungsschwankungen die Betroffenen handgreiflich werden. Depressive Verstimmungen erschweren zudem die Konzentration und mindern so die Leistungsfähigkeit im Job und im Alltag. Da die Symptome bis zu zwei Wochen im Monat anhalten können, kann PMDS mitunter die Lebensqualität stark einschränken. Im schlimmsten Fall können Beziehungen und Beruf schweren Schaden nehmen.

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Überempfindlichkeit auf Hormone löst PMDS aus

Auch wenn die Bezeichnung danach klingt und es zu Wesensveränderungen kommen kann: Beim prämenstruellen dysphorischen Syndrom handelt es sich weder um eine Persönlichkeitsstörung noch um eine andere psychische Erkrankung. Allerdings sind psychisch vorerkrankte Frauen anfälliger, PMDS zu entwickeln. Leidet man bereits an einer Depression oder an einer anderen Affektstörung, wie an der bipolaren Störung, können die Symptome während der zweiten Zyklushälfte zunehmen.  

Man vermutet, dass Progesteron und Östrogen hinter dem prämenstruellen dysphorischen Syndrom stecken. Das sind Hormone, die in der zweiten Zyklushälfte verstärkt vom Körper ausgeschüttet werden. Ein hormonelles Ungleichgewicht könnte kurz nach dem Eisprung biochemische Veränderungen im Gehirn auslösen, darunter Störungen des Serotonin-Haushalts. Liegt ein Mangel dieses auch als Glückshormons bezeichneten Neurotransmitters vor, schlägt sich das meist in Depressionen und Angststörungen nieder. Zudem konnte eine Studie vor rund drei Jahren zeigen, dass eine Überempfindlichkeit auf Sexualhormone ursächlich für PMDS ist.

 

Stimmungstagebuch erleichtert die PMDS-Diagnose

Wer den Verdacht hat, an PMDS zu leiden, für den gibt es zwei Anlaufstellen: den Frauenarzt oder einen Psychiater, der auf Hormon- und Stoffwechselstörungen spezialisiert ist. Neben den Blut- und Hormonwerten ist das sogenannte Stimmungstagebuch ein wichtiger Bestandteil der Anamnese. Denn es kann den Zusammenhang zwischen Verhaltensveränderungen und dem Zyklus nachzuweisen.

Betroffene sollten mindestens drei Monate lang täglich ihre Beschwerden zusammen mit einer Bewertung ihrer Stimmung in einer Liste dokumentieren. Auf diese Weise lassen sich Muster leichter erkennen: Zeichnet sich etwa immer ein Tief in der Mitte des Monats ab, deutet das stark auf PMDS hin.

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PMDS-Behandlung: Nicht immer sind Medikamente notwendig

Welche Art von Therapie bei PMDS eingesetzt wird, hängt von der Schwere der Symptomatik ab. Sind die psychischen Beschwerden so stark ausgeprägt, dass der Alltag nicht mehr bewältigt werden kann oder Probleme in Beziehungen und Beruf auftreten, werden spezielle Hormonpräparate verschrieben oder – zur Behandlung von schweren Depressionen – selektive Serotonin-Wiederaufnehmer-Hemmer (SSRI).

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In weniger schweren Fällen können auch natürliche Mittel und Wege einen positiven Einfluss auf den Hormonhaushalt und auf biochemische Prozesse im Gehirn haben:

Die richtige Ernährung bei PMDS

Bei depressiven Verstimmungen fehlt den Betroffenen oft die nötige Energie, frische Mahlzeiten zuzubereiten und sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Zudem kommen vor der Periode oft Heißhungerattacken auf Süßes und Ungesundes hinzu, was Entzündungsprozesse im Körper fördert – und das kann dem Wohlbefinden zusätzlich schaden.

Daher sollte man bereits vor den kritischen Tagen Vorkehrungen treffen: Gesunde Mahlzeiten mit viel Gemüse und Ballaststoffen vorkochen und einfrieren sowie ungesunde Snacks aus den Schränken verbannen und durch gesunde Alternativen ersetzen, wie etwa Kekse aus Dinkel-oder Vollkornmehl, Nuss-Riegel oder dunkle Schokolade mit einem hohen Kakaoanteil. Solche Snacks setzen Glückshormone frei und versorgen den Körper gleichzeitig mit vielen wichtigen Nährstoffen.

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Entspannungsmethoden und Sport heben die Stimmung

Stress kann die Psyche zusätzlich belasten – bei PMDS umso mehr. Daher sollten Betroffene Entspannungsmethoden anwenden, mit denen sie Stress auf gesunde Weise abbauen können. Als besonders wirksam haben sich hierfür Yoga, Meditation und autogenes Training erwiesen. Auch regelmäßiger Sport kann wahre Wunder bewirken, da er die Bildung der beiden Glückshormone Serotonin und Dopamin ankurbelt.

Heilpflanzen: Mit Lavendel, Mönchspfeffer und Co. gegen PMDS

Lavendel, Baldrian, Melisse und Johanniskraut – es gibt viele Heilpflanzen, die gegen depressive Verstimmungen, Unruhezustände und Ängste helfen. Als Tablette, Tropfen, Tee oder ätherisches Öl angewendet, wirken sie beruhigend, angstlösend und stimmungsaufhellend. Hoch dosiert soll Johanniskraut sogar bei leichten bis mittel-schweren Depressionen eine Wirkung zeigen.

Auch Mönchspfeffer kann bei PMDS Abhilfe schaffen, indem es den Hormonhaushalt auf natürliche Weise unterstützt und Disbalancen ausgleichen kann. Die Einnahme von Heilpflanzenextrakten zur Behandlung psychischer Beschwerden bei PMDS sollte jedoch immerzu ärztlich abgeklärt werden.

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Quellen:

Prämenstruelles Syndrom (PMS) & Prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS), in: Frauenärzte im Netz

Biologische Ursache der prämenstruellen dysphorischen Störung gefunden, in: Ärzteblatt

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