Plötzlicher Kindstod: So vermindern Sie das Risiko

Dr. med. Nadine Heß

Ist plötzlicher Kindstod vermeidbar? Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte gibt neue Empfehlungen, wie sich das Risiko vermindern lässt. Kinderärztin Dr. Nadine Hess fasst die Ergebnisse zusammen.

Plötzlicher Kindstod
Expertin Dr. Hess: „Plötzlicher Kindstod tritt in Deutschland nur noch sehr selten auf. Trotzdem sollten Eltern sich über Risiken umfänglich aufklären lassen.“ © Privat
 

Das sagt Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Zum Glück ist das Risiko für einen plötzlichen Kindstod in Deutschland vergleichsweise gering. Im Durchschnitt sterben von 1.000 Babys zwei daran – und die Fälle werden jährlich weniger, dennoch ist es immer noch der dritthäufigste Grund für Säuglingssterblichkeit in Deutschland. Und die Eltern sollten für Risiken sensibilisiert werden, wie der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) fordert. Der Verband beruft sich außerdem auf einen neuen Fachbeitrag in der „Monatszeitschrift Kinderheilkunde“ und gibt anhand dessen neue Empfehlungen, um das Risiko zu vermindern.

 

Plötzlicher Kindstod: Bei Neugeborenen ist die Gefahr am höchsten

Plötzlicher Kindstod tritt, anders als bisher vermutet, auch innerhalb der ersten beiden Lebenstage auf. Bis vor Kurzem herrschte nämlich die Meinung, dass der plötzliche Kindstod so gut wie nie im ersten Lebensmonat vorkommt, sondern innerhalb des zweiten Monats bis zum ersten Geburtstag, mit einem Gipfel zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat. Nur sehr wenige Fälle ereignen sich noch danach.

Plötzlicher Kindstod
Plötzlicher Kindstod lässt sich am ehesten vermeiden, wenn Risiken vermindert werden. Beispielsweise sollte das Baby immer in seinem eigenen Bettchen schlafen © iStock

Es gibt Risikofaktoren, die Eltern vor allem anfangs nicht bewusst sind oder die sie nicht richtig einschätzen können, wenn sie nicht vollumfänglich darüber aufgeklärt werden. Darum gehört die Aufklärung zur SIDS-Prophylaxe (SIDS=Sudden Infant Death Syndrome=plötzlicher Kindstod) auch zur Vorsorge U2, bevor die Kinder aus dem Krankenhaus entlassen werden und sollten auch noch mal bei der U3 thematisiert werden.

Laut dem Beitrag sollten Eltern vor allem darauf achten, dass die Atemwege des Kindes nicht blockiert werden – dies sei eine der häufigsten Ursachen für den plötzlichen Kindstod. Denn das Baby selbst kann noch nicht angemessen auf Atemnot reagieren – also den Kopf zum Beispiel einfach vom Teddy, der zu nah am Köpfchen liegt, wegdrehen (darum gehören weder Kissen, noch Kuscheltiere oder auch die so beliebten Bettumrandungen oder Decken ins Kinderbett!).

Warnsignale sind plötzliches Erbleichen, eine blaue Hautverfärbung, wenn das Baby schlaff wirkt oder würgt. In diesen Fällen rufen Sie sofort den Notarzt und versuchen dann, die Atemwege freizumachen. Legen Sie das Kind dazu auf den Rücken, halten Sie mit einer Hand seine Stirn und unterstützen Sie mit der anderen Rücken und Nacken. Drücken Sie den Kopf sanft nach hinten – häufig reicht das, um die Atmung zu normalisieren. Erste Hilfe-Maßnahmen bei Babys müssen allerdings sehr vorsichtig durchgeführt werden. Genaue Anleitungen dazu finden Sie auf der Seite vom Deutschen Roten Kreuz. Die Experten empfehlen Eltern außerdem, einen speziellen Erste-Hilfe-Kurs für Rettungsmaßnahmen bei Babys und Kindern zu belegen. Auch für solche Kurse können Sie sich über das Deutsche Rote Kreuz einschreiben.

 

Welche Risiken gibt es?

Ein häufig unterschätztes Risiko, durch das ein plötzlicher Kindstod eintreten kann, ist das Schlafen des Babys in Bauchlage, insbesondere auch die Bauchlage auf der Mutter. Durch die Brust der Mutter kann die Atmung des Säuglings beeinträchtigt werden. Gefährlich wird das vor allem dann, wenn die Mutter ebenfalls einschläft und dann nicht bemerkt, dass das Kind Atemnot hat. Auch die Körpertemperatur kann eine Rolle spielen, da Neugeborene schnell überhitzen. Der BVKJ rät, dass Babys immer in Rückenlage (übrigens die Maßnahme die zum drastischsten Absinken der Zahlen für plötzlichen Kindstod überhaupt geführt hat!) in einem Schlafsack und in ihrem eigenen Bettchen mit fester Unterlage schlafen sollten. Das Bett steht dabei idealerweise im Elternschlafzimmer. Verzichten Sie außerdem auf unnötige Utensilien im Kinderbettchen, die den Kopf des Säuglings bedecken könnten, beispielsweise Kissen oder Stofftiere. Generell lässt sich ein plötzlicher Kindstod außerdem eher vermeiden, wenn Eltern auf eine rauchfreie, gut temperierte Umgebung für das Kind achten. Laut Experten liegt die optimale Temperatur für Babys tagsüber bei 20 Grad, nachts sollte sie zwischen 16 und 18 Grad betragen.

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