Plastikflaschen: Schadet BPA Kinderzähnen?

Sarah Schwiete Medizinredakteurin
Kind trinkt aus PET-Flasche
Greifen die Inhaltsstoffe einer PET-Flasche den Zahnschmelz von Kindern an? Forscher kamen jetzt zu einem erstaunlichen Ergebnis © Fotolia

Egal ob in Kosmetik, Getreide oder sogar im Meerwasser – Umweltgifte sind mittlerweile allgegenwärtig. Und obwohl wir um ihre Präsenz wissen, kennen wir bislang nur einen kleinen Bruchteil der Schäden, den diese Gifte verursachen. Forscher konnten jetzt mögliche Langzeitschäden durch die Chemikalie BPA belegen.

Auf dem European Congress of Endocrinology stellten Forscher eine Studie vor, nach der bestimmte Chemikalien in Kunststoffen oder sogenannte Fungizide (pilz- oder sporenabtötende Stoffe), Schäden an den Zähnen von Kindern hervorrufen können.

In ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler die Zähne von Ratten, denen täglich entweder eine Dosis der Industrie-Chemikalie Bisphenol A (BPA), wie sie u.a. in PET-Flaschen enthalten ist, oder zusätzlich noch das Fungizid Vinclozolin gegeben wurde. Die verabreichten Dosen waren äquivalent zu der Dosis, die ein Mensch vom Tag seiner Geburt an bis etwa 30 Tage später allein durch sogenannte hormonaktive Substanzen in seiner Umwelt aufnimmt.

 

Bisphenol A und Vinclozolin weichen den Zahnschmelz auf

Bei der Untersuchung der Rattenzähne zeigten Zellproben, dass sich durch die Einnahme der BPA und Vinclozolin-Dosen die Darstellung von zwei Genen verändert hatte, die für die Härtung des Zahnschmelzes verantwortlich sind.

In einem zweiten Teil der Studie wurden den Ratten sogenannte Ameloblast-Zellen, die den Zahnschmelz bilden, verabreicht. Im direkten Vergleich konnte so gezeigt werden, dass Geschlechtshormone wie Östrogen und Testosteron die Zahnschmelzentwicklung fördern, während Bisphenol A und Vinclozolin den Zahnschmelz schwächen.

Demnach haben Kinder, deren Zähne sich noch in der Entwicklung befinden, und die in ihren ersten Lebenstagen mit Bisphenol A und Vinclozolin in Berührung kommen, ein höheres Risiko an einer sogenannten Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) zu erkranken.

Dabei entstehen bereits vor dem Durchbruch der betroffenen Zähne gelblich-bräunliche oder weißlich-cremefarbene Flecken auf einem oder mehreren der ersten bleibenden Backenzähne.

Kinder, die MIH-Zähne aufweisen, leiden oftmals unter Temperatur- und Berührungsempfindlichkeit. Zähneputzen oder das Essen und Trinken heißer oder kalter Nahrungsmittel und Getränke ist sehr schmerzhaft. Hinzu kommt, dass MIH-Zähne deutlich kariesanfälliger sind als gesunde Zähne.

Obwohl die Erforschung der gesundheitlichen Auswirkungen von hormonaktiven Stoffen noch nicht abgeschlossen ist, scheinen sie doch das größte Risiko während der pränatalen oder frühen Entwicklung des Kindes darzustellen.

 

Schwangere sollten auf das Trinken aus PET-Flaschen verzichten

Die Entwicklung des Zahnschmelzes beginnt bereits in der Gebärmutter und ist etwa mit dem fünften Lebensjahr abgeschlossen. Zur Vermeidung einer Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation sollten Schwangere daher ab dem dritten Trimester auf das Trinken von Wasser aus PET-Flaschen verzichten. Ebenso ist es ratsam, auf die Produktinhalte von Waschmitteln oder Kosmetika zu achten. Kinder sollten in den ersten Lebensmonaten kein Wasser aus PET-Flaschen zu trinken bekommen und nur mit Spielzeugen spielen, die keine Weichmacher enthalten. Laut der Studien-Autorin Dr. Katia Jedeon sind „diese Vorsichtsmaßnahmen ein Weg, um das Risiko einer Zahnschmelz-Schwächung zu reduzieren.“

Hamburg, 04. Juni 2016

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