Plasma-Wundheilung: Lila Blitze gegen Hautverletzungen

Redaktion PraxisVITA
Plasma
Diese Blitze bestehen aus Plasma – mit seiner Hilfe ist es deutschen Medizinern gelungen, Wunden schneller heilen zu lassen © Corbis

Offene Wunden, die schlecht heilen – vor allem ältere Menschen sind davon betroffen. "Plasma-Wundheilung" heißt die moderne Form der Wundbehandlung. Wissenschaftler der Fraunhofer-Gesellschaft entwickelten ein Gerät, das die Heilung beschleunigt. Wie das funktioniert, erklärt PraxisVITA.

"Plasma-Wundheilung" ist die modernste Form der Wundbehandlung: „Es ruft ein kaum spürbares leichtes Kribbeln auf der Haut hervor“, sagt Professor Wolfgang Viöl vom Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik (IST), während er mit einem Apparat in Form und Größe einer Taschenlampe in kleinen Kreisbewegungen über seinen Handrücken fährt. An der Spitze des Apparats, den er nur knapp über der Haut hält, sieht man kleine lila Blitze, die aus Plasma bestehen – eine Art elektrisch geladenes Gas.

 

Das passiert bei der Plasma-Wundheilung

„Plasma ist der vierte Aggregatzustand der Materie“, erklärt Professor Viöl in einem Video des Fraunhofer-Instituts. „Neben fest, flüssig, gasförmig gibt es noch den hochenergetische Zustand Plasma. Plasma kommt in der Natur vor in Form von Gewitterblitzen. Und wir erzeugen nun ganz kleine, kalte, gezähmte Gewitterblitze auf der Haut, um damit Hautkrankheiten zu heilen.“ Die Plasma-Wundheilung gehört damit zur inovativsten Form bei der Versorgung von Verletzungen.

Video: Youtube/Fraunhofer

 

Plasma-Wundheilung bei Diabetes und Hauterkrankungen

Die Wissenschaftler des IST entwickelten mit „PlasmaDerm“ ein Gerät, das die Heilung von Wunden beschleunigt. Die Wirksamkeit der Plasma-Wundheilung wurde in einer Studie der Universität Göttingen nachgewiesen.

Und darum funktioniert das „Heilen mit Blitzen“: Plasma reduziert die Zahl von Keimen und Pilzen auf der Oberfläche der Haut und erhöht durch seine elektrische Spannung gleichzeitig die Durchblutung kleinster Blutgefäße. Dadurch wird die Haut besser mit Sauerstoff versorgt. Beides sind entscheidende Faktoren zur besseren Heilung von Wunden.

In Deutschland haben laut Schätzungen etwa fünf Millionen Menschen chronsiche Wunden. Zu ihnen gehören vor allem Diabetiker, die häufig auch unter dem sogenannten "diabetischen Fußsyndrom" leiden. Wenn sämtliche therapeutische Mittel ausgeschöpft sind, muss ihnen das betroffene Bein ambutiert werden. Die Plasma-Wundheilung kann einer Amputation zuvorkommen und dabei helfen, dass sich chronische Wunden schneller schließen.

Eine Mücke auf der Haut eines Menschen
Mückenstiche zukünftig ganz einfach mit Plasma behandeln? Forscher arbeiten bereits daran, dass Plasma-Geräte bald im Handel erhältlich sind© Ihor-photograf/iStock

Doch Plasma kann noch viel mehr: Mediziner haben es bereits bei einer Vielzahl von kleineren und größeren Beschwerden erfolgreich eingesetzt:

  • Mückenstiche: Nach nur 90 Sekunden lässt das Plasma-Gerät in Versuchsreihen den lästigen Juckreiz verschwinden.
  • Kopfläuse: Kindergartenkinder leiden häufig unter Kopfläusen. Auch hier kann zukünftig womöglich Plasma eingesetzt werden. Forscher haben mit einem "Plasma-Kamm" die Eier sowie Kopfläuse von der Kopfhaut entfernen können ohne die Kopfhaut oder Haare zu beschädigen.
  • Hausstaubmilben: Forscher haben einen sogenannten "Plasma-Staubsauger" entwickelt, der effizient Hausstaubmilben und Bettwanzen tötet. Damit versprechen sich die Wissenschaftler vor allem Hilfe für Allergiker.
  • Zahnmedizin: Bei der Desinfektion von Zahnwurzelkanälen wurde Plasma erfolgreich eingesetzt.
  • Neurodermitis: Plasma lindert Hautleiden wie Neurodermitis oder auch Akne, da es u.a. antibakteriell wirkt. Die Behandlung ist schmerzfrei und hat keine Nebenwirkungen für den Patienten.
 

Plasma-Geräte noch nicht im Handel erhältlich

Auch wenn es bereits große Erfolge bei der Behandlung mit Plasma gibt - verkäuflich sind die Geräte ("Plasma-Pen") bislang nicht. Wer eine entsprechende Behandlung bei sich durchführen lassen möchte, sollte zunächst seinen Hausarzt darauf ansprechen. Dieser kann seinem Patienten Fachzentren empfehlen. Die Kosten werden überwiegend nicht von den Krankenkassen übernommen.

 

Plasma bald auch bei der Behandlung von Krebserkrankungen?

Internationale Wissenschaftler arbeiten bereits an einer Methode, um Plasma bei Krebserkrankungen einsetzen zu können. Bisher verlaufen die Untersuchungen erfolgreich - allerdings nicht bei allen Probanden. Die Forscher haben bislang keine Erklärung, warum Plasma bei Menschen mit Krebserkrankungen unterschiedlich gut wirksam ist. Mediziner sind dennoch optimistisch, da Plasma Krebszesseln dazu bringt, Selbstmord zu begehen. Gesunde Zellen rücken anschließend exakt auf die Position, auf der sich zuvor noch die Krebszellen befanden. Für Ärzte ist diese Form der Plasmabehandlung jetzt schon ein großer Erfolg - obwohl sie noch im Anfangsstadium steht.

 

Plasma-Wundheilung: keine Nebenwirkungen für den Patienten

Ein Mädchen schaut sich im Spiegel an
Endlich schöne Haut: Plasma kann Akne und Neurodermitis lindern© Peopleimages/iStock

Die Herausforderung für die Wissenschaftler lautete vor der Entwicklung von PlasmaDerm: eine sichere und schmerzfreie Anwendung des Plasmas am Menschen zu ermöglichen. Ihre Lösung lautete „nicht-thermisches“, also kaltes Plasma, das ungefähr so warm ist wie die Körpertemperatur des Menschen.

Bei dem neuen Verfahren wird eine Elektrode nahe an die Haut herangeführt. Die Haut wirkt elektrisch als Gegenelektrode. Schließlich werden Hochspannungspulse aktiviert und elektrische Felder wandeln die Luft zwischen Elektrode und Haut in kaltes Plasma um.

Mit PlasmaDerm verbindet Prof. Viöl eine Vision. „Wenn ein Kind mit dem Skateboard stürzt, dann stell ich mir vor, dass die Mutter die Wunde in Zukunft zuhause mit einem kleinen PlasmaDerm-Stick behandelt. Oder, dass das Gerät selbst misst, was mit der erkrankten Haut nicht in Ordnung ist, um anschließend die Dosis einzustellen und die physikalische Therapie zu starten.“

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