Pilzinfektionen bei Säuglingen

Dr. med. Nadine Hess

Viele Säuglinge leiden ein- oder mehrfach daran: Eine Pilzinfektion im Mund (Mundsoor), teilweise auch im Windelbereich (Windelsoor). Woran erkannt man eine solche Infektion? Ist das schlimm und was kann man therapeutisch tun? Und was sollten stillende Mütter beachten?

Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Bei Windelsoor sollten Sie unbedingt auf Feuchttücher verzichten, da sie die Haut nur noch mehr reizen. Stattdessen klares Wasser verwenden“ © privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Nach einer Milchmahlzeit haben viele Säuglinge eine weißlich belegte Zunge, das ist ganz normal. Wenn aber auch längere Zeit nach der Still- oder Flaschennahrung die Zunge oder auch die Lippen und Wangenschleimhaut weiße Flecken aufweisen, die sich mit einem Löffelchen oder ähnlichem nicht abstreifen lassen, dann handelt es sich wahrscheinlich um eine Infektion mit Pilzen der Sorte Candida albicans.

 

Wie äußern sich die Pilzinfektionen Mundsoor und Windelsoor bei Säuglingen?

Im Windelbereich kann zusätzlich die Haut gerötet und „pickelig“ aussehen, längerer Kontakt mit Urin oder Stuhl, die zusätzlich reizen, kann auch schmerzhaft sein.

Normalerweise kommt eine Infektion des Mundes mit Candida albicans nur bei jungen Säuglingen vor, da das Schleimhautmilieu noch nicht voll aufgebaut und darum infektanfälliger ist. Bei größeren Kindern und Erwachsenen kommt ein Mundsoor eigentlich nur noch vor, wenn eine Abwehrschwäche besteht: Dies kann etwa bei einer (vielleicht noch unerkannten) Diabetes mellitus-Erkrankung („Zuckerkrankheit“) der Fall sein. Sehr selten, eigentlich nur, wenn Vorerkrankungen bestehen, kann sich ein Mundsoor auf die Speiseröhre ausbreiten oder gar über das Blut als Sepsis (Blutvergiftung) eine lebensbedrohliche Erkrankung auslösen.

Baby Schnuller
Durch verunreinigte Schnuller können Säuglinge Pilzinfektionen im Mund bekommen© Fotolia

In der Regel bleibt die Pilzinfektion auf den Mund und gegebenenfalls den Windelbereich beschränkt. In der Windelregion fühlen sich Candidapilze aufgrund des feucht-warmen Milieus besonders wohl, vor allem die Hautfalten, wo wenig Luft herankommt, sind gefährdet.

Anstecken können sich die Säuglinge beispielsweise bei der Geburt über das Vaginalsekret der Mutter oder durch nicht genügend abgekochte Sauger, verunreinigte Schnuller (aus diesem Grund bitte die Schnuller nicht ablecken, wenn sie auf den Boden gefallen sind, sondern mit klarem Wasser abwaschen, noch besser abkochen).

 

Was muss ich beim Stillen beachten, wenn mein Baby eine Pilzinfektion im Mund hat?

Oft kommt es bei gestillten Kindern zu einer Mitinfektion der mütterlichen Brust, die recht schmerzhaft sein kann. Darum sollte bei einer Behandlung des Kindes die mütterliche Brust mituntersucht und gegebenenfalls ebenfalls therapiert werden. Allerdings eignen sich dafür die antimykotischen (gegen Pilze wirksamen) Mundgele oder Lösungen, die für die Behandlung des Mundsoors bei Säuglingen eingesetzt werden, nicht. Sie trocknen die Brustwarze zu sehr aus. Es sollten antimykotische Cremes verwendet werden, ihr Kinderarzt kann Sie diesbezüglich beraten. Die Cremes werden drei Mal täglich nach dem Stillen auf die Brustwarze aufgetragen, die dann vor der nächsten Stillmahlzeit mit klarem Wasser abgewaschen werden sollte. Die Mundgele oder Lösungen werden drei Mal täglich nach den Mahlzeiten im Mund verteilt oder vorsichtig eingeträufelt.

 

Was muss ich beim Wickeln beachten, wenn mein Baby Windelsoor hat?

Bei Windelsoor sollten Sie unbedingt auf Feuchttücher verzichten, da sie die Haut nur noch mehr reizen. Stattdessen klares Wasser verwenden, bei starker Rötung können Sie dem Wasser auch einen beruhigenden, entzündungshemmenden Zusatz beifügen. Sitzbäder darin können auch hilfreich sein. Des Weiteren ist auch hier ein Antimykotikum in Form einer Paste (keine Salbe!) notwendig. Durch die Pastenform wird die Haut vor dem reizenden Stuhl und Urin geschützt.

Baby wickeln
Wenn Ihr Baby eine Pilzinfektion im Windelbereich hat, sollten Sie die Windeln wechseln, sobald sie feucht sind und beim Wickeln eine antimykotische Paste auftragen© Fotolia

In der Regel muss die Paste dreimal täglich aufgetragen werden. Die Windeln sollten gewechselt werden, sobald sie feucht sind, um die Kontaktzeit der Haut mit Stuhl und Urin so kurz wie möglich zu halten. Bei den Windelwechseln in der Zwischenzeit können Sie die Haut schützen, indem Sie messerrückendick weiche Zinkpasate (gibt es rezeptfrei in der Apotheke) auftragen.

Insgesamt dauert die Behandlung sieben bis zehn Tage, keinesfalls sollte aufgehört werden, bevor die betroffenen Stellen nicht zwei Tage in Folge völlig unauffällig aussehen. Sonst droht ein Wiederaufflammen der Infektion. Zu allem kann Ihr Kinderarzt Sie beraten und Ihnen geeignete Präparate rezeptieren.

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