Pilz im Ohr: Was ist das und wie wird die Infektion behandelt?

Michelle Kröger

Eine Pilzinfektion im Ohr kommt häufiger vor als gedacht. Ohrenschmerzen und unangenehmes Jucken weisen nicht immer auf Bakterien als Ursache hin. Ja, eine Entzündung kann auch durch einen Pilzbefall entstehen. Mit mangelnder Hygiene hat ein Ohrenpilz übrigens nichts zu tun. Wir erklären Ihnen, was sich hinter dieser Pilzinfektion verbirgt und wie Pilze im Ohr behandelt werden. Als Experte stand uns der Hamburger HNO-Arzt Dr. Ingo Teudt Rede und Antwort.

Inhalt
  1. Was genau versteht man unter einem Ohrenpilz?
  2. Wie entsteht eine Pilzinfektion im Ohr?
  3. Welche Symptome äußern sich dabei?
  4. Pilz im Ohr – wann sollte ich zum Arzt?
  5. Wie wird ein Pilz im Ohr behandelt?
  6. Pilze im Ohr vermeiden – was hilft?
 

Was genau versteht man unter einem Ohrenpilz?

Eine Pilzinfektion im Ohr wird auch als Otomykose bezeichnet. Die Pilzinfektion befällt hauptsächlich das Außenohr des Betroffenen und führt zu einer Entzündung des Trommelfells und äußeren Gehörgangs. “Neben einer Entzündung des Gehörgangs durch Bakterien, können auch verschiedene Pilzsporen zu Ohrproblemen führen. Im Ohr wachsen dann wie auf einem alten Schulbrot, haarige Pilzsprossen”, sagt Dr. Ingo Teudt. In den meisten Fällen kommt es durch die Pilzspezies Candida und Aspergillus zu einer solchen Pilzinfektion in den Ohren. 

Beginnende Pilzinfektionen im Ohr können leicht mit bakteriellen Ohrinfektionen verwechselt werden. Antibiotische Ohrentropfen sind jedoch bei Otomykosen im Ohr wirkungslos.

 

Wie entsteht eine Pilzinfektion im Ohr?

Viele Menschen denken jetzt vielleicht, dass eine durch einen Pilz verursachte Ohrenentzündung ein Zeichen für mangelnde Hygiene ist. Doch ist aber nicht richtig, denn jeder kann eine Pilzinfektion bekommen, mit mangelnder Hygiene hat das nichts zu tun. Der Erkrankungsverlauf einer Infektion durch einen Pilz ist ähnlich wie bei einer bakteriell bedingten Infektion.  

 

Welche Symptome äußern sich dabei?

“Ohrentzündungen durch Pilze fangen häufig mit Ohrenjucken an und können sich zu schmerzhaftem Ohrenlaufen entwickeln. Das Hören wird schlechter, weil der Gehörgang zuwächst und sich häufig der Gehörgang und das Trommelfell entzündlich verdicken”, erklärt HNO-Arzt Dr. Teudt.

  • Ohrenschmerzen: Stärkere Ohrenschmerzen (auch: Otalgie) sind eines der häufigsten Symptome eines Pilzes im Ohr. Allerdings äußern sich die (Druck-)Schmerzen nur in einem der beiden Ohren, denn eine Infektion durch einen Pilz tritt nur lokal auf. Typischerweise wird der Schmerz stärker, wenn man das jeweilige Ohr anfasst oder Druck ausübt.
  • Starkes Jucken: Bei einer Pilzinfektion kommt es meistens zu einem unnormal starken Jucken der Ohren (auch: Pruritis). Sollte das Ohr ununterbrochen jucken und kein Reiben dagegen helfen, könnte es sich um einen Ohrenpilz handeln.
  • Ausfluss: Wichtig zu wissen: Ohrenschmalz ist nicht gleich Ausfluss (auch: Otorrhoe). Eine Pilzinfektion kann sich auch durch einen dicken und faul riechenden Ausfluss aus dem Ohr äußern. Diese Flüssigkeit reicht von transparent, weißlich, gelblich bis blutig. Sollten Sie beim Ohrensäubern also eine abnormal hohe Menge und/oder ungewöhnliche Farbe des vermeintlichen Ohrenschmalzes feststellen, kann es sein, dass Sie eine pilzartige Ohrinfektion in sich tragen.
  • Hörverlust: Ein weiteres Symptom einer Pilzinfektion der Ohren: Hörverlust. Möglich sind nicht nur eine Dämpfung der Geräusche, sondern auch Probleme damit, ganze Worte zu verstehen.

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Pilz im Ohr – wann sollte ich zum Arzt?

Laut Dr. Teudt helfen Hausmittel hier nicht. “Das Aufsuchen eines HNO-Arztes ist wichtig, um den Pilzbefall mikroskopisch zu entfernen und Pilzmedikamente zu erhalten”, sagt er. “Eine Otomykose ist hartnäckig und bedarf oft mehrerer Therapiesitzungen. Eine Nichtbehandlung kann das Trommelfell zerstören.”

Sollten Sie also eines oder mehrere der oben beschriebenen Symptome und Anzeichen bei sich feststellen, suchen Sie lieber einen Arzt auf. Besonders bei starken Schmerzen, Austritt von Flüssigkeit und akutem Hörverlust. Der Arzt kann mit dem Untersuchungsmikroskop schnell eine Diagnose erstellen und Sie bestmöglich behandeln.

 

Wie wird ein Pilz im Ohr behandelt?

Eine Pilzinfektion im Ohr wird immer lokal behandelt – bis zu 10 Tage lang kann eine solche Therapie dauern. Zu Anfang der Pilzbehandlung werden Beläge durch vorsichtiges Absaugen entfernt. Hinterher erfolgt die lokale Behandlung im Ohr durch Salben oder Tropfen mit speziellen Wirkstoffen, die gegen Pilze helfen. Besonders häufig kommen folgende Medikamente zum Einsatz (einige davon als Offlabel use – also nicht primär für das Ohr zugelassen):

  • Clotrimazol: Sehr häufig wird das antimykotische Medikament Clotrimazol verschrieben. Als 1%ige Lösung vernichtet es sowohl Candida- als auch Aspergillus-Pilzstämme. Das Präparat hindert die Pilze am Wachstum, indem es den Anteil an Ergosterol dezimiert. Das ist der Stoff, der von den Pilzen zur Erhaltung ihrer Membranfunktionen benötigt wird. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören etwa reizendes Brennen oder ein unangenehmes Gefühl in den Ohren.
  • Fluconazol: Handelt es sich um eine ernste Pilzinfektion im Ohr, so verschreiben Ärzte häufig das Medikament Fluconazol (meistens in Tablettenform). Die Wirkungsweise ist ähnlich wie bei Clotrimazol. Mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit oder Hautausschlag.
  • Nystatin
  • Ciclopirox-Tropfen

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Pilze im Ohr vermeiden – was hilft?

Am besten ist natürlich, wenn man den Pilzen erst keine Chance gibt, sich im Ohr einzunisten. Wie das geht? Achten Sie darauf, dass es in Ihren Ohren nicht zu feucht ist. Verwenden Sie nach dem Duschen oder Baden keine Wattestäbchen, denn durch sie kann die Haut im Ohr verletzt und Ohrenschmalz tiefer in den Gehörgang geschoben werden. Entfernen Sie Wasser und Feuchtigkeit am besten mit einem sanften Tuch aus dem Ohr.

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