„Pille danach“ – die Verhütung für den Notfall

Redaktion PraxisVITA
Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Wirkung der "Pille danach"
  3. 3. Wie lange nach dem Sex wirkt die "Pille danach"
  4. 4. Eisprung und die "Pille danach"
  5. 5. Schwanger trotz "Pille danach"?
  6. 6. "Pille danach" ohne Rezept
  7. 7. Kosten der "Pille danach"
  8. 8. "Pille danach" aus der Apotheke
  9. 9. Nebenwirkungen der "Pille danach"

Kondom verrutscht, Pille vergessen oder schlicht nicht an Verhütung gedacht – es gibt viele Gründe, warum Frauen die „Pille danach“ einnehmen. Auf dem Markt gibt es zwei gängige Präparate, die eine Schwangerschaft verhindern sollen: „PiDaNa“ und „ellaOne“. Sie verhindern in der überwiegenden Zahl der Fälle zuverlässig eine ungewollte Schwangerschaft, indem sie den Eisprung um bis zu fünf Tage verschieben. Warum einige Frauen dennoch schwanger werden - PraxisVITA gibt die wichtigsten Infos.

Eine Frau hält ein Medikament und ein Glas Wasser in der Hand
Die „Pille danach“ kann eine Schwangerschaft verhindern, wenn sie rechtzeitig eingenommen wird © iStock

Die „Pille danach“ hat einen simplen Wirkmechanismus: Sie enthält Hormone, die die Reifung einer Eizelle hemmen oder verzögern. Für gewöhnlich reift jeden Monat in einem der beiden Eierstöcke ein Ei heran. Der Follikel, der das Ei enthält, platzt und gibt das Ei frei. Dieses wandert in den Eileiter und kann dort von einem Spermium befruchtet werden. Die „Pille danach“ verhindert diesen Vorgang, die Spermien sterben rechtzeitig ab.

 

„Pille danach“: Das Risiko einer Schwangerschaft bleibt

Die „Pille danach“ verhindert eine Befruchtung der Eizelle zu 95 Prozent in den ersten 24 Stunden. Frauen haben somit ein Restrisiko von fünf Prozent. Etwa eine bis drei Frauen von 100 werden trotz der „Pille danach“ schwanger. Ohne Verhütung sind es acht von 100 Frauen. „Ist der Eisprung schon erfolgt und befindet sich die Eizelle bereits in Eileiter oder Gebärmutter, kann die „Pille danach“ die Befruchtung der Eizelle und die Einnistung in der Gebärmutter nicht mehr verhindern“, erklärt Prof. Dr. Dr. Elisabeth Merkle, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe im PraxisVITA-Interview.

Eine Frau liegt im Bett und hält sich die Hände vor das Gesicht
Böses Erwachen: Nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr sollten Frauen schnell handeln und einen Gynäkologen aufsuchen, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern© iStock

Frauen sollten sich an einen wichtigen Rat der Expertin halten: Je früher die „Pille danach“ eingenommen wird, desto sicherer ist ihre Wirkung. Hierbei gibt es Unterschiede zwischen den zwei gängigsten Pillen-Arten: „ellaOne“ (Wirkstoff: Ulipristalacetat) kann bis zu fünf Tage nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden, während bei „PiDaNa“ (Wirkstoff: Levonorgestrel) ein zeitliches Fenster von drei Tagen gilt.

Mehr als fünf Tage nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr ist die Einnahme der „Pille danach“ nicht sinnvoll. Das liegt an einer einfachen Rechnung: Spermien überleben maximal fünf Tage im Körper der Frau. Wenn die Frau ungeschützten Sex hatte und fünf Tage keine „Pille danach“ nimmt, gibt es zwei Möglichkeiten: Das Spermium hat die Eizelle befruchtet, damit wäre die Frau schwanger. Oder: Es ist zu keiner Befruchtung gekommen, sodass folglich kein Embryo heranwächst.

 

Nach Einnahme der „Pille danach“ sollte weiter verhütet werden

Die „Pille danach“ besitzt einen rückwirkenden Effekt, d.h. für den weiteren Verlauf des Zyklus sollte mit einem anderen Präparat verhütet werden. Das gilt insbesondere für Frauen, die die Anti-Baby-Pille nutzen: Sie sollten die Pille weiterhin einnehmen, um ihren Hormonhaushalt nicht durcheinander zu bringen. Zusätzlich bis zur nächsten Monatsblutung sollte mit einem Kondom verhütet werden, da die Pille bis dahin ihre Wirkung verliert.

Beide Präparate, „ellaOne“ und „PiDaNa“, werden üblicherweise gut vertragen. Entgegen der weit verbreiteten Meinung handelt es sich nämlich nicht um „Hormonbomben“. Dennoch sind einige Nebenwirkungen möglich: Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Brustbeschwerden, allergische Reaktionen und eine verspätete Regelblutung. Sofern sich Frauen drei Stunden nach der Einnahme der „Pille danach“ übergeben müssen, sollte eine weitere Tablette eingenommen werden. Gleiches gilt bei Durchfall. Sofern die Regelblutung nicht spätestens eine Woche nach dem erwarteten Termin eintritt, sollte ein Schwangerschaftstest gemacht werden oder ein Frauenarzt aufgesucht werden. Gleiches gilt, wenn die Blutung deutlich schwächer als gewohnt ausfällt.

 

Die „Pille danach“ sollte eine Ausnahme bleiben

Die „Pille danach“ ist für den Notfall gedacht und sollte daher nicht regelmäßig angewendet werden. Sie wirkt nicht so sicher wie die Anti-Baby-Pille oder ein Kondom, weil sie bei einem Eisprung zum Zeitpunkt des Geschlechtsverkehrs mit hoher Wahrscheinlichkeit wirkungslos bleibt. Darüber hinaus hat sie für gewöhnlich stärkere Nebenwirkungen als gängige Verhütungsmittel. Einige Wissenschaftler vertreten zudem die These, dass die Wirkung bei häufiger Einnahme innerhalb eines kurzen Zeitraums abnimmt.

Die Preise für die „Pille danach“ variieren: „ellaOne“ kostet etwa 35 Euro, während „PiDaNa“ mit 18 Euro deutlich günstiger ist. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bis zum 20. Lebensjahr der Frau die Kosten, sofern ein Gynäkologe ein entsprechendes Rezept ausgestellt hat.

Ein Apotheker hält ein Rezept in der Hand
Die „Pille danach“ ist mittlerweile rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Frauen sollten sich vom Apotheker ausführlich beraten lassen© iStock

Frauen erhalten die „Pille danach“ rezeptfrei in Apotheken oder bei einem Gynäkologen. Letzteres hat den klaren Vorteil, dass die betroffene Frau ausführlich beraten wird, ob in ihrem individuellen Fall tatsächlich die Einnahme der „Pille danach“ sinnvoll ist oder ob es sich vielmehr um eine Kurzschlussreaktion handelt. Am Wochenende können Frauen den ärztlichen Bereitschaftsdienst aufsuchen oder am Notfallschalter der Apotheken nachfragen.

 

Die "Pille danach" ist kein Abtreibungsmittel

Vereinzelt wird nach wie vor darüber diskutiert, ob es sich bei der „Pille danach“ um ein Abtreibungsmittel handelt. Die Mehrheit der Mediziner verneint diese These deutlich. Allerdings gibt es Stimmen, die auf die Wirkweise der Substanz „Ulipristal“ hinweisen, der in der „ellaOne“ enthalten ist. Demnach verändert Ulipristal die Gebärmutterschleimhaut dahingehend, dass sich der Embryo nicht mehr einnisten kann. Zu diesem Zeitpunkt hat also bereits eine Befruchtung der Eizelle stattgefunden, aus der sich nun der Embryo, ein menschlicher Organismus, entwickelt. Kritiker weisen außerdem darauf hin, dass Mediziner die Substanz ebenfalls bei der Entfernung von Myomen (gutartige Gebärmutterwucherungen) nutzen. Daraus gehe klar hervor, dass der Wirkstoff „unerwünschte Anlagerungen“ in der Gebärmutter entfernen könne.

Kritiker halten diese Thesen für medizinisch nicht haltbar. Die „Pille danach“ sei kein Abtreibungsmittel. Um als Abtreibungsmittel zu fungieren, wäre eine deutlich höhere Konzentration des Wirkstoffs Ulipristal notwendig. Die in der „Pille danach“ verabreichte Dosierung könne allein den Eisprung hinauszögern. Auf eine bereits befruchtete Eizelle, die sich in der Gebärmutter einnistet, hat sie keinen Einfluss. Daher gäbe es laut Wissenschaftlern trotz der Einnahme der „Pille danach“ ungewollte Schwangerschaften unter Frauen.

 

Die „Pille danach“ schädigt nicht das ungeborene Kind

In den fünf Prozent der Fälle, in denen trotz der Einnahme der „Pille danach“ eine Schwangerschaft entsteht, hat die „Pille danach“ laut der WHO keinen negativen Einfluss auf die Entwicklung der befruchteten Eizelle im Mutterbauch. Allerdings sollten Frauen, die aktuell ein Kind stillen, auf die Einnahme der „Pille danach“ verzichten oder zumindest ihr Kind nicht stillen. Denn über die Muttermilch werden Inhaltsstoffe der Tablette an das Kind weitergegeben. Die konkreten Auswirkungen auf das Kind sind wissenschaftlich noch nicht untersucht.

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Die „Spirale danach“ wirkt deutlich zuverlässiger als die „Pille danach“. Sie kann die nächsten fünf Jahre in der Gebärmutter verbleiben und somit langfristig als Verhütungsmittel genutzt werden© iStock

Eine Alternative zur „Pille danach“ ist die sogenannte „Spirale danach“. Bis zu fünf Tage nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr wird sie vom Frauenarzt in die Gebärmutter der Patientin eingelegt. Das enthaltene Kupfer verändert den Muttermund sowie die Gebärmutterschleimhaut, sodass sich die Eizelle nicht einnisten kann. Spermien können nicht mehr in die Gebärmutter aufsteigen.

Im Gegensatz zur „Pille danach“ kommt die „Spirale danach“ gänzlich ohne Hormone aus. Sie ist darüber hinaus auch deutlich sicherer als die „Pille danach“. Sie verhindert eine Schwangerschaft zu 99,9 Prozent. Mit einem Preis von 120 bis 300 Euro ist sie deutlich teurer als die „Pille danach“, allerdings kann sie bis zu fünf Jahre in der Gebärmutter verbleiben. Somit eignet sie sich auch nach der Verhütungspanne für eine langfristige Verhütung. Das Einsetzen der „Spirale danach“ verläuft deutlich schmerzhafter als bei der herkömmlichen Spirale. Die "Spirale danach" führt der Frauenarzt nämlich nicht wie bei der herkömmlichen Spirale während der Periode ein, wenn der Muttermund geöffnet ist und das Einführen leichter funktioniert.

 

"Pille danach": An welchen Ansprechpartner kann ich mich wenden?

Sowohl bei der „Spirale danach“ als auch bei der „Pille danach“ gilt, dass schnelles Handeln gefragt ist. Frauen sollten ihren Frauenarzt telefonisch kontaktieren und bereits am Telefon erwähnen, dass es sich um eine Notfallsituation handelt. In der Regel erhalten Frauen am selben Tag einen Termin, bei dem ihnen die „Pille danach“ ausgestellt bzw. die „Spirale danach“ eingesetzt wird. Am Wochenende können Frauen die gynäkologischen Abteilungen von Kliniken aufsuchen oder sich telefonisch an den ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden, den sie unter der bundesweit einheitlichen und kostenlosen Rufnummer 116117 erreichen.

Wirkung der "Pille danach"
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