Phonophobie: Wenn Geräusche zur Qual werden

Benjamin Müller Medizinredakteur

Menschenmengen, Straßenverkehr, schreiende Kinder: Der Alltag kann ganz schön laut werden. Wer bestimmte Geräusche aber kaum ertragen kann, der leidet möglicherweise an einer Phonophobie – der „Angst vor Geräuschen“.

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Bestimmte Geräusche belasten Phonophobiker extrem. Foto:  iStock LaylaBird
Inhalt
  1. Woher kommt die Angst vor Geräuschen?
  2. Welche Symptome sind typisch?
  3. Was tun bei Geräuschangst?

Dabei geht die Bezeichnung „Phobie“ in den meisten Fällen zu weit und trifft auf Ablehnung von vielen Betroffenen. Der Grund: Zumeist besteht keine wirkliche Angst vor Geräuschen, sondern eine aus anderen Emotionen gespeiste Abneigung gegen sie.

Von Experten wird diese Abneigung heutzutage häufig als „Misophonie“ identifiziert. Dieser Überbegriff umfasst auch die echte, angstbedingte Phonophobie.

 

Woher kommt die Angst vor Geräuschen?

Eine Abneigung bis hin zur Angst vor bestimmten Geräuschen entsteht in den meisten Fällen durch negative Erfahrungen, die mit dem spezifischen Geräusch in Verbindung gebracht werden. Beispiele dafür sind etwa Kinder streitender Eltern die eine generelle Abneigung gegen laute Stimmen entwickeln, oder eine überarbeitete Sekretärin, die den Klang von Computertastaturen nicht mehr erträgt.

Bleibt das Problem unerkannt und die Belastung aufrecht, kann sich diese Abneigung mit der Zeit zu einer waschechten Angst vor dem jeweiligen Geräusch entwickeln. Schreitet die Phonophobie unbehandelt voran, lösen schon bald weitere und immer leisere Geräusche die Angstreaktion aus. 

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Welche Symptome sind typisch?

Werden Betroffene plötzlich mit dem gefürchteten Geräusch konfrontiert, können die typischen Symptome einer Angststörung auftreten: Schweißausbrüche, Schwindel, extreme Stimmungsschwankungen bis hin zur Panikattacke.

Daher kommt es häufig zu Vermeidungsverhalten: Die Betroffenen beginnen, Situationen in denen das gefürchtete Geräusch auftreten kann zu vermeiden, bleiben in der Folge der Arbeit fern oder schränken ihr Sozialleben ein.

Spätestens dann ist eine Behandlung ratsam, denn eine spezifische Phonophobie kann sich mit der Zeit zu einer krankhaften Empfindlichkeit gegen allen Schall weiterentwickeln – einer sogenannten Hyperakusis.

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Was tun bei Geräuschangst?

Da Phonophobie und Hyperakusis verwandte Probleme sind, gestaltet sich auch die Behandlung ähnlich. Sobald die Geräuschangst als solche identifiziert worden ist, können ihre Ursprünge mithilfe einer Gesprächstherapie ergründet werden.

Dann gilt es, die Angst nach und nach zu überwinden. Das kann durch den gezielten Abbau von Vermeidungsverhalten sowie eine behutsame Konfrontationstherapie geschehen. Dabei werden Betroffene mit professioneller Hilfe an die gefürchteten Geräusche herangeführt. So wird die Furcht allmählich abgebaut und ein Weg aus der Stille aufgezeigt.

Quellen:

Wie behandelt man eine Hyperakusis? (Stand: 22.11.19), TRIAS Verlag
Jastreboff, Margaret M. und Jastreboff, Pawel J. (2001): Components of decreased sound tolerance: hyperacusis, misophonia, phonophobia, ITHS Newsletter 02.07.2001
Asha'ari ZA, Mat Zain N, Razali A. (2010) Phonophobia and hyperacusis: practical points from a case report, Malays J Med Sci 2010

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