Phallische Phase nach Freud: Wenn Kinder mit den Eltern konkurrieren

Michael van den Heuvel Medizin- und Wissenschaftsjournalist

Während der phallischen Phase nach Freud entwickeln Kinder ihre Identität als Jungen oder Mädchen. Sie projizieren ihre Sexualität auf die Eltern. Aber was genau bedeutet das?

Die phallische Phase gehört zu einer gesunden Entwicklung von Kindern
Die phallische Phase gehört zu einer gesunden Entwicklung von Kindern dazu Foto:  Aleksandar Nakic
Inhalt
  1. Was ist die phallische Phase bei der psychosexuellen Entwicklung?
  2. Was ist die phallische Phase nach Freud?
  3. Wie wirkt sich die phallische Phase auf die Entwicklung des Kindes aus?
 

Was ist die phallische Phase bei der psychosexuellen Entwicklung?

In der phallischen Phase beginnen Jungen und Mädchen, Unterschiede der Geschlechter zu entdecken und ihre Geschlechtsidentität auszubilden. Eventuelle Defizite führen dazu, dass sich Kinder nicht von ihren Eltern lösen. Unter diesem „Ödipus-Komplex“ können noch Erwachsene leiden.

Die phallische Phase geht auf den österreichischen Arzt und Psychiater Sigmund Freud (1856 bis 1939) zurück. Er ging davon aus, dass die kindliche Sexualität schon mit der Geburt beginnt. Die phallische Phase folgt als dritter Abschitt der psychosexuellen Entwicklung nach der oralen Phase im ersten Lebensjahr und der analen Phase im zweiten bis dritten Lebensjahr. Die phallische Phase geht vom dritten bis zum fünften Lebensjahr.

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Baby & Kleinkind Wie verläuft die orale Phase nach Freud bei Babys?

 

Was ist die phallische Phase nach Freud?

Der Begriff „phallische Phase“ leitet sich vom männlichen Glied, dem Phallus, ab. Dieser Zeitraum ist trotz des etwas irreführenden Namens für Jungen und Mädchen gleichermaßen von Bedeutung. Kinder beginnen, ihren Körper stärker als vorher zu erforschen. Nach Freud konzentriert sich der Trieb auf den Penis beziehungsweise die Klitoris. Kinder beginnen, die Unterschiede wahrzunehmen.

Um ihre spätere Rolle zu finden, identifizieren sich Kinder mit dem Elternteil ihres Geschlechts. Gleichzeitig projizieren sie ihre Sexualität in den Elternteil des anderen Geschlechts. Deshalb bezeichnete Freud diesen Entwicklungsabschnitt auch als „ödipale Phase“.

Der Begriff geht auf die griechische Mythologie zurück. Ödipus hatte unwissentlich seinen Vater getötet und über Jahre hinweg ein sexuelles Verhältnis mit seiner Mutter. Freud selbst beschreibt so den gedanklichen Wettbewerb zwischen Sohn und Vater um die Mutter, der im Grunde mit der phallischen Phase beginnt und mit dem Abschluss dieser Phase endet.

Für Mädchen prägte der Freud-Schüler Carl Gustav Jung (1875 bis 1961) den Begriff „Elektra-Komplex“. Elektra, eine weitere mythologische Figur, plante Rache an ihrer Mutter wegen des Mordes an ihrem Vater. Jung beschreibt so die mögliche Konkurrenz eines Mädchens mit ihrer Mutter um den Vater.

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Baby & Kleinkind Die Freud-Phasen der psychosexuellen Entwicklung

 

Wie wirkt sich die phallische Phase auf die Entwicklung des Kindes aus?

Im Zuge ihrer Entwicklung gelingt es laut Freud den meisten Kindern, ihren Ödipus- oder Elektra-Konflikt zu überwinden. Für ihre eigene Geschlechterrolle übernehmen sie Normen und Werte der Eltern. Nach der Theorie wird dadurch das „Über-Ich“ geprägt – verinnerlichte Gebote und Verbote.

Gelingt dies nicht, bleibt ein Konflikt bestehen, der bis ins Erwachsenenalter reichen kann. Frauen oder Männer können einen Elternteil nicht loslassen. Das kann zu Egoismus, zu geringem Selbstwertgefühl, Schüchternheit und einem Gefühl der Wertlosigkeit führen. Eltern sollten es also akzeptieren, dass Kinder im Rahmen der phallischen Phase ihren Körper erkunden und sich von ihnen ablösen, damit eine gesunde Entwicklung ermöglicht wird.

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Baby & Kleinkind Trotzphase: Was ist mit meinem Kind los?

Quellen:

Berg, Laura (2011): Entwicklungspsychologie, München: Pearson.

Trautner, Hans (1997): Lehrbuch der Entwicklungspsychologie in 2 Bänden, Göttingen: Hogrefe Verlag.

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