Leistungen aus der Pflegeversicherung: So dokumentieren Sie Ihre Bedürftigkeit

Redaktion PraxisVITA
Pflegeversicherung
Um Leistungen aus der Pflegeversicherung zu erhalten, ist es wichtig, zu dokumentieren, wie viel Unterstützung der Pflegebedürftige im Alltag benötigt © iStock/shapecharge

Wer Leistungen bei der Pflegeversicherung beantragt, sollte möglichst sofort mit dem Führen eines Pflegetagebuchs beginnen. VitaCare erklärt, worauf dabei zu achten ist

Der Besuch des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) ist nur eine kurze Momentaufnahme. Mit einem Pflegetagebuch kann sich der Gutachter einen besseren Gesamteindruck verschaffen, um zu überprüfen, ob Leistungen aus der Pflegeversicherung gewährt werden können. Daher sollte mindestens sieben Tage lang Protokoll über sämtliche Hilfestellungen, die am Tag und in der Nacht erbracht wurden, geführt werden.

 

Der Aufwand für die Grundpflege entscheidet

Maßgeblich für Leistungen aus der Pflegeversicherung ist die Grundpflege. Diese umfasst die drei Bereiche:

  • Körperpflege (Waschen/Duschen/Baden, Kämmen, Rasieren/Gesichtspflege, Darm- und Blasenentleerung)
  • Mobiliät (Aufstehen/Zubettgehen, An- und Auskleiden, Gehen/Stehen/Treppensteigen, Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung)
  • Ernährung (mundgerechte Zubereitung/Aufnahme der Nahrung)

„Der tägliche Zeitaufwand für diese Punkte muss mindestens 46 Minuten betragen“, sagt Bernhard Fleer vom MDS. Hinzu müssen noch mindestens 44 Minuten für die Hauswirtschaft (Einkaufen, Kochen, Putzen) kommen.

Hilfe beim Anziehen
Wie viel Zeit benötigt der Pflegebedürftige, um sich anzuziehen? Braucht er dazu Hilfe? All das interessiert den Gutachter des Medizinischen Dienstes zur Bestimmung der Pflegeleistungen© iStock/Celiaaa
 

Wie lange benötigen Sie für die Pflege?

Für die Pflegezeitbemessung können Sie sich an den vom Gesetzgeber angegebenen Zeitkorridoren orientieren. Beispiele: Ganzkörperwäsche (20 bis 25 Minuten), Duschen (15 bis 20 Minuten), Baden (15 bis 25 Minuten), Zahnpflege (5 Minuten). Einige Faktoren wie ein Körpergewicht von mehr als 80 Kilogramm, steife Gelenke oder eine eingeschränkte Belastbarkeit infolge schwerer Atemnot, können die Pflege erschweren, wodurch die Zeiten nach oben steigen können.
Neben den Zeiten sollten Sie auch die „Art der Hilfe“ angeben. Unterschieden wird dabei zwischen Anleitung, Beaufsichtigung, Unterstützung, teilweiser sowie vollständiger Übernahme.

Seniorengruppe
Auch soziale Kontakte und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben spielen bei der Einstufung der Pflegegrade eine Rolle© iStock/oneinchpunch
 

Neue Begutachtungs-Richtlinien

Seit Januar 2017 gibt es für die Begutachtung der Pflege und die Gewährung von Leistungen aus der Pflegeversicherung keine Minuteneinteilung mehr. „Stattdessen dreht sich alles um die Frage: Was kann ein Mensch noch alleine und was nicht“, erklärt Fleer. Der Gutachter betrachtet dann sechs Lebensbereiche, sogenannte Module, die unterschiedlich stark gewichtet werden: Mobilität (10%), kognitive und kommunikative Fähigkeiten (15%), Selbstversorgung (40%), Umgang mit krankheitsspezifischen Anforderungen (20%) sowie Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte (15%). Für jedes Modul werden mehrere Fähigkeiten beschrieben, die auf einer Skala von 0 = selbstständig bis 3 = unselbstständig bewertet werden.

 

Wenn der Antrag auf eine Pflegestufe abgelehnt wird

Wessen Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung abgelehnt wird, kann innerhalb von vier Wochen Widerspruch einlegen. Falls Sie es noch nicht getan haben, sollten Sie spätestens jetzt das vollständige Gutachten vom MDK anfordern. „So können Sie nachprüfen, ob aus Ihrer Sicht alles berücksichtigt wurde“, rät Fleer. Ein formloses Schreiben genügt. Schicken Sie es per Einschreiben mit Rückschein an die Pflegekasse.

 
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