Die beste Versorgung Pflegeheim: Für Mama nur das Beste

Redaktion PraxisVITA
Pflegeheim
In einem guten Pflegeheim werden verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten für die Bewohner angeboten © DGLimages/iStock

Wenn Pflege zu Hause keine Option mehr ist, muss eine Alternative her. Doch wem können wir vertrauen? Worauf müssen wir achten? So finden wir das beste Pflegeheim für unsere Lieben.

So gern wir unseren Lieben auch helfen, uns um sie kümmern, sie pflegen, wo es nur geht – unsere Möglichkeiten und vor allem Kräfte sind begrenzt. Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen, ein Pflegeheim ist oft die richtige und manchmal sogar die bessere Alternative. Aber wie finden wir das beste? Pflegeexpertin Verena Querling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen klärt uns auf.

 

Was kann ein Heim leisten, was wir als pflegende Angehörige nicht können?

Im Pflegeheim ist ständige Betreuung durch professionelle Fachkräfte vorhanden. Die pflegerische Versorgung rund um die Uhr ist damit sichergestellt. Zusätzlich gibt es Freizeitangebote, Versorgung mit Nahrung und, je nach Einrichtung, Therapien oder Dienstleistungen vor Ort, wie ein Friseur oder ein Podologe, der die Pflegebedürftigen betreut. Kurzum: Unsere Lieben hängen nicht im Zimmer herum, sondern haben verschiedene Möglichkeiten, an gesellschaftlichen Aktivitäten teilzunehmen, und sind auch mit Gleichgesinnten zusammen. Pflegeheim heißt Hilfe, nicht „letzte Station“. Davon müssen wir uns alle freimachen.

Pflegeheim
Pflege ist sehr zeitintensiv und kostet viel Energie. Manchmal kann nur durch ein Pflegeheim die optimale Betreuung sichergestellt werden  © FredFroese/iStock
 

Welche Fragen müssen wir stellen?

Die Pflegekräfte müssen sich Zeit nehmen, um auf die Bewohner einzugehen. Es nützt nichts, wenn der Bedarf unserer Lieben aus Zeit- und/oder Personalmangel nicht gedeckt werden kann. Also: Wie viele Kräfte kommen auf einen Pflegebedürftigen? Im Schnitt kann eine Vollzeitkraft vier Bewohner betreuen. Je nach Pflegegrad steigt aber auch der Pflegebedarf, wodurch dann auch mehr Kräfte gebraucht werden. Wie viele ein Pflegeheim haben muss, ist nicht gesetzlich geregelt. Wir sollten uns daher ein Bild vor Ort machen und im Zweifel nachfragen, wie viele im Einsatz sind, und das mit der Anzahl der Bewohner vergleichen. Wichtig ist auch die Größe des Zimmers und ob sich unsere Lieben dieses mit anderen Bewohnern teilen müssen. Mindestens genauso essenziell ist die Frage nach den gesellschaftlichen Aktivitäten. Denn gerade durch regelmäßige Ausflüge, Spiele und Lesegruppen blühen Pflegebedürftige noch mal so richtig auf, wenn sie vorher viel allein gewesen sind.

 

Was müssen wir noch checken?

Können die Profis auch auf die speziellen Bedürfnisse unserer Lieben eingehen? Demenzkranke und Bettlägerige stellen sehr hohe Anforderungen an die Betreuung. Wichtig ist, dass jemand zum Zuhören da ist. Nur so können sie ihre Wünsche und Bedürfnisse äußern. Es muss also jemanden geben, der Zeit hat, sich mit der Biografie unserer Lieben auseinanderzusetzen. Im Einrichtungskonzept ist in der Regel dargestellt, wie mit Demenzkranken umgegangen wird. Wird die Wohngruppe abgeschlossen und ist von innen nicht zu öffnen? Können die Bewohner sich nur auf einem begrenzten Areal bewegen oder im örtlichen Umkreis ohne Begleitung herumlaufen?

 

Wie sieht es mit der Infrastruktur aus?

Sind unsere Angehörigen noch mobil, ist es günstig, wenn gleich in der Nähe eine Bus- oder Bahnhaltestelle ist. Können sie auch den Tagesablauf im Pflegeheim selbst mitgestalten? Schließlich waren sie ihr ganzes Leben selbstständig. Vielleicht mögen sie auch Gottesdienste und Treffen, auf denen kirchliche Lieder gesungen werden. Meistens ist das in christlichen Häusern der Fall, oft auch in einer Kapelle in der Nähe. Tipp: Für die ganz Fitten ist vielleicht angeschlossenes betreutes Wohnen oder eine betreute Wohngemeinschaft die richtige Alternative. Aber egal, ob es sich um Zusatzangebote wie Krankengymnastik oder einen Fahrdienst handelt, essenziell ist die Frage, wie hoch der Eigenanteil ist, den unsere Lieben dafür leisten müssen.

 

Können Möbel und persönliche Gegenstände mitgenommen werden?

Die Frage sollten wir vor Vertragsabschluss klären. In einigen Heimen kann jeder das Zimmer komplett selbst einrichten. Nur das Pflegebett bleibt stehen. Bei anderen Einrichtungen sind die Möglichkeiten begrenzt. Persönliches wie Fotos oder die Lieblingsdeko sollte (im Rahmen) aber nie ein Problem sein.

Pflegeheim
Bevor Sie sich für ein Pflegeheim entscheiden, lohnt sich ein unangekündigter Besuch – um zu prüfen, ob die Heimbewohner wirklich rund um die Uhr betreut werden © TommL/iStock
 

Sind Pflegeheime im Ausland eine gute Option?

Diese Form wird immer beliebter. Oft sind sie günstiger, müssen aber nicht selten aus eigener Tasche finanziert werden. Grundsätzlich sollten wir uns über das Leistungsspektrum des Pflegesystems im jeweiligen Land informieren. Haben unsere Lieben ihren ständigen Wohnsitz dort, wird zwar ihre Rente weitergezahlt, die Leistungen aus der Pflegekasse ändern sich jedoch. Im EU-Ausland wird zum Beispiel nur das Pflegegeld gezahlt. Es ruhen daher die Ansprüche im Pflegeheim. Außerdem können wir sie seltener besuchen, die Umgebung ist ihnen fremd, was insbesondere für Demenzkranke stark irritierend sein kann. Schwierig kann die Kommunikation werden, wenn die Pflegekräfte keine Fremdsprachen beherrschen.

 

Was können wir tun, wenn die finanziellen Mittel begrenzt sind?

Wer Pflegegrad 2 bis 5 attestiert bekommen hat, kann Unterstützung beim Sozialamt beantragen. Hierfür gibt es besondere Voraussetzungen, zum Beispiel Vermögensgrenzen und die Anrechnung von Einkommen. Informationen dazu gibt es beim Sozialamt.

 

Das richtige Pflegeheim: Das soll sich 2019 ändern!

Das System der Pflegenoten für Heime hat sich nicht bewährt. Warum? Gute Noten bei unwichtigeren Kriterien, zum Beispiel schönes Ambiente, können schlechte Noten bei wichtigen Kriterien wie Hygiene ausgleichen. Übernächstes Jahr soll ein frischer Pflege-TÜV die Qualität der Heime neu bewerten.

 

Heimvergleich – was ist was?

Pflegeheim, Seniorenheim, Altenheim: Bei diesen Bezeichnungen handelt es sich im Grunde genommen um die gleiche Art von vollstationärer Einrichtung. Unsere Lieben wohnen auf einem Zimmer, das sie sich oft mit jemandem teilen. Daneben gibt es Gemeinschaftsräume und Pflegebereiche. Die Pflegebedürftigkeit der Bewohner ist ganz unterschiedlich.

Seniorenresidenz: Sie hebt sich preislich meist von den anderen Formen ab. Hier müssen unsere Lieben hohe Eigenleistungen tragen. Daher ist eine Residenz oft luxuriöser ausgestattet. Da hat dann jeder auch ein Zimmer für sich allein zur Verfügung.

Betreutes Wohnen: Der Begriff ist nicht geschützt. Dahinter verbergen sich verschiedene Konzepte. Die Angebote reichen von Wohnungen, die eng an ein Altenheim angegliedert sind, über seniorengerechte Wohnungen in einem normalen Wohnhaus, die nur einen Hausmeisterdienst bieten, bis hin zu hotelähnlichen Anlagen mit Wellness und Auslandsreisen. Meistens gibt es verschiedene kostenpflichtige Services wie Hausnotruf, Wohnungsreinigung, Pflege und Mahlzeitendienste.

 

Checkliste

Wann ist ein Heim absolut notwendig?

Wir denken an uns: Pflege ist sehr zeitintensiv. Im Schnitt dauert sie sieben Jahre. Und meistens übernehmen Frauen das für Eltern. Nicht vergessen: Auch als Pflegende haben ein Leben, einen Job und eine Familie. Bevor uns das Burnout droht, wissen wir Mama lieber in professioneller Obhut.

Mama allein zu Haus

Auch wenn sie allein wohnt und von einer Pflegekraft unterstützt wird, ihr aber sämtlicher Kontakt zur Außenwelt fehlt, vereinsamt sie mit der Zeit. Oft blüht sie im Pflegeheim wieder auf.

Grundversorgung geht nicht

Wer zunehmend Hilfe bei den alltäglichsten Aufgaben wie Zähneputzen, Kämmen oder dem Gang zur Toilette braucht, benötigt mehr Zuwendung als drei Stunden pro Tag.

Bettlägerigkeit und Demenz sind sehr zeitintensiv

Fragen wir uns: Können wir das leisten? Wollen wir uns aufopfern? Wenn auch Unterstützung durch einen Pflegedienst nicht mehr ausreichend ist, gibt es kaum eine Alternative zum Pflegeheim.

Die Gefahren werden größer

Wer an Demenz erkrankt ist, vergisst Dinge leichter als andere. So kann es auch passieren, dass er den Herd anlässt oder die Badewanne überläuft. Stehen diese Risiken im Raum, brauchen unsere Lieben rund um die Uhr Aufsicht. 24-Stunden-Pflegekräfte können da zwar helfen, aber ein Pflegeheim ist meist günstiger.

Mehrfamilienhaus, Mama wohnt ganz oben, kein Aufzug

Leider Realität. Und dass der Treppenlift bis ganz oben reicht, wäre selten. Sicher kann sie ins Erdgeschoss ziehen, aber ein Umzug ist stressig. Können wir absehen, dass die Pflege intensiver wird, sollten wir über einen direkten Umzug ins Pflegeheim nachdenken.

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