Pflegegrad: So legen Sie erfolgreich Widerspruch ein

Redaktion PraxisVITA
Ältere Frau sitzt am Tisch und schreibt auf Papier
Wird der Antrag auf einen Pflegegrad abgelehnt, darf Widerspruch eingelegt werden. © iStock/shapecharge
Inhalt
  1. Richtig Widerspruch einlegen
  2. Sich Unterstützung holen
  3. Vorsicht bei Widerspruch

Wurde der Antrag auf einen Pflegegrad abgelehnt oder ist man mit dem zugeteilten Pflegegrad nicht einverstanden, besteht die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen. Hier gilt: Fristen wahren, sachlich bleiben!

 

Richtig Widerspruch einlegen

Der Widerspruch richtet sich formal gegen den Bescheid der Pflegekasse, nicht gegen das Gutachten. Er muss innerhalb einer Frist von einem Monat eingelegt werden. Hierfür genügt zunächst ein kurzes Schreiben mit der Aussage, dass man dem Bescheid widerspricht. Es sollte als unterschriebenes Einschreiben mit Rückschein oder als Fax versendet werden. Die Begründung kann nachgereicht werden. Bei der Begründung sollte man trotz persönlicher Betroffenheit nie emotional argumentieren, sondern sich nüchtern an die Fakten halten. „Dafür sollte man das Gutachten genau durchgehen“, rät Raquel Reng von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). „Ärztliche Atteste können beigefügt werden, wichtiger ist aber der Pflegeaspekt. Hier sollte in einzelnen Punkten gut begründet werden, warum mehr Pflege erforderlich ist, als im Gutachten steht.“

Pflegekraft füllt mit älterem Herrn Papiere aus
Kostenlose Hilfe gibt es bei zahlreichen Pflegestützpunkten und -organisationen. © iStock/Fred Froese
 

Sich Unterstützung holen

Wer unsicher ist, ist oft gut beraten, sich fachliche Unterstützung zu holen. Helfen können die UPD (Unabhängige Patientenberatung Deutschland), der Hausarzt, der örtliche Pflegestützpunkt, Selbsthilfeorganisationen oder Verbraucherzentralen. Honorarpflichtige und abhängige Hilfe bieten Beratungsfirmen wie beispielsweise Familiara oder Medilex an. Kommen Pflegekasse und Gutachter allein durch die Begründung zu keiner neuen Bewertung, wird ein Zweitgutachten erstellt, in dem besonders auf die Widerspruchsgründe eingegangen werden muss. Wird der Widerspruch dennoch abgelehnt, kann innerhalb eines Monats Klage vor dem Sozialgericht eingereicht werden. Das kostet nichts und es besteht auch kein Anwaltszwang. Ein anwaltlicher Beistand ist aber für bessere Erfolgsaussichten oft sinnvoll. Gewinnt man das Verfahren, trägt die Pflegekasse auf Antrag die Kosten. Zudem besteht für Betroffene mit geringem Einkommen die Möglichkeit, Prozesskostenhilfe zu beantragen.

 

Vorsicht bei Widerspruch

Noch ein Tipp von der Expertin: „Wenn ein Erstantrag gestellt wurde und wegen eines zu niedrigen Pflegegrades Widerspruch eingelegt wurde, wird teils vorgeschlagen, den Widerspruch in einen Höherstufungsantrag umzuwandeln. Das ist nur sinnvoll, wenn sich der Zustand des Pflegebedürftigen erst in der Zwischenzeit verschlechtert hat. Wenn der Widerspruch erfolgreich ist, gilt der neue Pflegegrad rückwirkend ab Antragstellung, und das kann bei den langen Bearbeitungszeiten eine Menge Geld ausmachen.“ Wer sich seiner Sache sicher ist, sollte also den Widerspruch aufrechterhalten. Vorsicht ist auch geboten, wenn die Pflegekasse zur Rücknahme des Widerspruchs auffordert! Wer darauf eingeht, dem sind weitere Rechtsmittel versperrt.

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.