Das sollten Sie beachten Pflegegrad beantragen: Gut vorbereitet beim MDK-Besuch

Redaktion PraxisVITA
Pflegegrad beantragen
Wenn Sie einen Pflegegrad beantragen, sollten Sie für die Prüfung des MDK einiges vorbereiten © Halfpoint/iStock
Inhalt
  1. Pflegegrad beantragen: Welche Leistungen brauche ich?
  2. Gut vorbereitet für den Gutachter
  3. Die Selbstständigkeit entscheidet
  4. Statistik: So fielen die Gutachten 2017 aus
  5. Rechte und Pflichten während des MDK-Besuchs
  6. Was unzumutbar ist
  7. Unser Tipp
  8. Empfehlenswert: Das Pflegetagebuch
  9. Sonderfall Krankenhaus
  10. Pflegetagebuch
  11. Wichtige Fragen
  12. Befunde und Co.
  13. Medikation
  14. Hilfsmittel
  15. Pflegedokumentation

Sie wollen einen Pflegegrad beantragen? Das Pflegegutachten entscheidet darüber, welche Leistungen Hilfsbedürftige erhalten. So geht beim Besuch des Gutachters alles glatt.

Seit Januar 2017 gibt es statt der bisherigen drei Pflegestufen fünf Pflegegrade. Bei diesen werden nicht mehr nur körperliche, sondern auch seelische Einschränkungen sowie Demenz stärker berücksichtigt. Die Höhe des Pflegegrades bestimmt, auf wie viel Geld und Sachleistungen der Pflegebedürftige Anspruch hat. Entscheidend dafür, ob man einen Pflegegrad erhält und wie hoch dieser ausfällt, ist das Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK, bei Privatversicherten MEDICPROOF). Wenn man einen Pflegegrad beantragen will, sollte man sich auf den Besuch des Gutachters also gut vorbereiten.

 

Pflegegrad beantragen: Welche Leistungen brauche ich?

Das fängt schon damit an, dass man bereits bei der Antragstellung überlegt, welche Leistungen erwünscht sind, wie Raquel Reng, Beraterin für Sozialversicherungsrecht bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD), erklärt: „Die meisten Antragsteller beantragen Pflegegeld, wenn von Angehörigen gepflegt wird. Es gibt aber auch die Möglichkeit, Pflegesachleistungen (Pflegedienst) oder eine Kombination aus Pflegegeld und Sachleistungen zu beantragen.“

 

Gut vorbereitet für den Gutachter

Ist der Antrag gestellt, mit dem man den Pflegegrad beantragen will und der Gutachter kommt ins Haus, sollte die Pflegeperson beziehungsweise alle Pflegepersonen auf jeden Fall anwesend sein. Ist dies nicht möglich, den Termin lieber verschieben, keinesfalls sollte der Pflegebedürftige allein dastehen. Sinnvoll ist es auch, mindestens eine bis zwei Wochen vor dem Termin ein Pflegetagebuch zu führen, in dem man alle pflegerischen Tätigkeiten notiert, die nötig sind. „Dabei darf man Tätigkeiten wie Begleitung, Anleitung und Beaufsichtigung nicht vergessen“, betont Reng. „Beispielsweise können viele Menschen mit Demenz zwar bewegungstechnisch gesehen noch selbst essen, vergessen es aber ohne Anleitung einfach.“

Pflegegrad beantragen
Ein gut geführtes Pflegetagebuch erleichtert dem Gutachter die Einschätzungd der Hilfsbedürftigkeit © Obencem/iStock

Natürlich sollten auch wichtige Unterlagen wie ärztliche Befunde, Bescheinigungen über Schwerbehinderung und benötigte Hilfsmittel vorliegen. Alle Medikamente, die eingenommen werden, sollten auf dem Tisch stehen. In anderer Hinsicht ist dagegen zu viel Vorbereitung nicht ratsam: „Der Pflegebedürftige sollte sich in einer typischen Alltagssituation befinden und sich nicht extra ,fein‘ machen“, rät die Expertin. Wenn also der Termin morgens um acht stattfinde und der Antragsteller dann normalerweise im Bademantel auf dem Sofa liegt, solle das auch genau so sein, um ein realistisches Bild zu zeigen. „Das ist manchmal etwas schwer zu vermitteln, weil die Pflegebedürftigen natürlich ihren Stolz haben. Aber der ist in diesem Fall kontraproduktiv. Man sollte auch nicht speziell putzen oder aufräumen.“ Wollen Sie einen Pflegegrad beantragen, sei es insgesamt wichtig, alle Angaben so korrekt wie möglich zu machen.

 

Die Selbstständigkeit entscheidet

Ein Problem, das häufig auftaucht, ist laut Raquel Reng ein falsches Verständnis des Begriffs Pflegebedürftigkeit und die Abgrenzung zu Krankheit oder Behinderung: „Viele Betroffene verweisen auf ärztliche Befunde oder ihren festgestellten Behinderungsgrad und wundern sich, dass sie keinen Pflegegrad bekommen“, weiß die UPD-Beraterin. „Doch es kommt nicht auf die Einschränkung der Lebensqualität, sondern auf den Grad der Selbstständigkeit an. So braucht zum Beispiel ein fitter Rollstuhlfahrer mit behindertengerechter Wohnung, der sich selbst versorgen kann, keine Pflege – trotz starker Behinderung.“

Man sollte deshalb bei der Begutachtung nicht nur auf bestehende Probleme hinweisen, sondern den Fokus darauf legen, welche Hilfe von Dritten wegen dieser Probleme nötig wird. Das ist besonders bei den Begutachtungsmodulen wichtig, in denen es um die geistigen Fähigkeiten und die Psyche geht. Hat ein Hilfsbedürftiger beispielsweise starke Ängste, sollte man dies nicht nur sagen, sondern auch erklären, dass er deswegen nachts aufwacht und beruhigt werden muss, wenn man den Pflegegrad beantragt.

Insgesamt gibt es bei der Begutachtung sechs Module, wenn ein Pflegegrad beantragt wird – Mobilität, geistige und kommunikative Fähigkeiten, Verhalten und Psyche, Selbstversorgung, Umgang mit Krankheit und Therapie sowie Alltagsleben und soziale Kontakte. „Eine sehr gute Vorbereitung ist es, sich die Internetseite des MDK unter pflegebegutachtung.de anzusehen. Da ist besonders der Expertenbutton interessant, wo erklärt wird, wie die Begutachtung nach dem neuen Recht abläuft“, meint die Pflegeexpertin. Dort gibt es auch alle im Gutachten gestellten Fragen zum Download. So weiß man genau, was auf einen zukommt.

 

Statistik: So fielen die Gutachten 2017 aus

In den ersten fünf Monaten des Jahres 2017 haben die MDK insgesamt 349 337 Erstgutachten erstellt. Dabei wurden fast der Hälfte der Antragsteller keine Leistungen oder nur der Entlastungsbetrag von 125 Euro monatlich zugesprochen.

  • kein Pflegegrad: 20,1 Prozent
  • Pflegegrad 1: 25,5 Prozent
  • Pflegegrad 2: 34 Prozent
  • Pflegegrad 3: 14,4 Prozent
  • Pflegegrad 4: 4,6 Prozent
  • Pflegegrad 5: 1,5 Prozent

Bei den 31 895 Gutachten von MEDICPROOF (für die Privatversicherten) sah die Verteilung so aus:

  • kein Pflegegrad: 10 Prozent
  • Pflegegrad 1: 17 Prozent
  • Pflegegrad 2: 37 Prozent
  • Pflegegrad 3: 26 Prozent
  • Pflegegrad 4: 8 Prozent
  • Pflegegrad 5: 2 Prozent
 

Rechte und Pflichten während des MDK-Besuchs

Kooperieren: Bei der Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit ist zunächst einmal Kooperation gefragt, wenn Sie einen Pflegegrad beantragen. Das bedeutet, dass es dem Gutachter ermöglicht werden muss, sich ein Bild von den Räumlichkeiten zu machen und Fragen zum Gesundheitszustand des Antragstellers zu stellen. Diese sollten dann ehrlich beantwortet werden. Ebenso muss dem Besuch gestattet werden, einfache Untersuchungen und Tests durchzuführen und bei einer typischen Pflegesituation zuzuschauen.

Pflegegrad beantragen
Um dem Gutachter ein realistisches Bild des Pflegealltags zu gewähren, sollte der Tag auch wie im Normalfall ablaufen. Bereiten Sie also beispielsweise das Essen zur gleichen Zeit wie immer zu © CasarsaGuru/iStock
 

Was unzumutbar ist

Nicht hinzunehmen ist dabei allerdings eine Verletzung der Intimsphäre – beispielsweise durch vollständiges Entkleiden. Ebenso steht dem Gutachter kein Einblick in die finanziellen Verhältnisse des Pflegebedürftigen zu. Andererseits haben Antragsteller beziehungsweise die pflegende Person das Recht, den Gutachter Verschiedenes zu fragen, etwa aus welchen Gründen er bestimmte Tests durchführt. Besonders wichtig ist es, den Besucher auf die entscheidenden Schwierigkeiten hinzuweisen, damit nicht Wesentliches übersehen wird. Außerdem sollte man darauf bestehen, dass diese Angaben im Gutachten notiert werden.

 

Unser Tipp

Es ist sinnvoll, sich schon während des Besuchs und auch danach eigene Notizen zum Ablauf zu machen – beispielsweise über Dauer, Umfang und Gründlichkeit der Begutachtung. Das kann später wertvolle Hinweise auf mögliche Ungenauigkeiten liefern, wenn Sie den Pflegegrad beantragen.

 

Empfehlenswert: Das Pflegetagebuch

Um die erbrachten Pflegeleistungen deutlich und übersichtlich darzustellen, ist ein Pflegetagebuch eine sinnvolle Sache. Denn ansonsten werden oft die vielen kleinen, selbstverständlichen Hilfestellungen übersehen, die zur Feststellung und Einstufung der Pflegebedürftigkeit wichtig sind. Am einfachsten ist es, wenn man dafür einen Vordruck verwendet. Viele Pflegekassen geben einen solchen aus, ansonsten findet man auch Vordrucke im Internet unter dem Suchwort Pflegetagebuch.

 

Sonderfall Krankenhaus

Nicht selten stellt sich eine Pflegebedürftigkeit nach Unfällen oder Erkrankungen ein. Wenn der Betroffene sich im Krankenhaus, in der Reha oder einem Hospiz befindet, wenn Sie den Pflegegrad beantragen, erfolgt oft zunächst eine vorläufige Festlegung des Pflegegrades nach Aktenlage. Denn in diesen Fällen kann die Begutachtungsfrist auf eine Woche begrenzt sein. Die Einstufung muss dann nachträglich durch eine endgültige Begutachtung untermauert werden.

Checkliste für den MDK-Besuch

 

Pflegetagebuch

Liegt das Pflegetagebuch vor, eventuell ein Ess- oder Trinkprotokoll, falls hier Schwierigkeiten bestehen?

 

Wichtige Fragen

Ist ein „Spickzettel“ mit Dingen, die der Gutachter unbedingt mitgeteilt bekommen sollte, vorhanden? Oder auch ein Ausdruck der Gutachten-Fragen mit entsprechenden Anmerkungen.

 

Befunde und Co.

Sind alle ärztlichen Unterlagen wie z. B Befunde, Bescheide über Behinderungen zur Einsicht bereit? Gibt es einen Überblick, wie viel Zeit für Arztbesuche und Therapien aufgewendet wird?

 

Medikation

Stehen alle regelmäßig oder gelegentlich verwendeten Medikamente inklusive der Dosisangaben bereit?

 

Hilfsmittel

Sind alle vom Arzt verordneten und selbst gekauften Hilfsmittel (zum Beispiel Inkontinenzeinlagen, Rollator) aufgelistet oder vor Ort aufgebaut?

 

Pflegedokumentation

Wenn bereits ein professioneller Pflegedienst bei der Betreuung mitarbeitet: Steht die Pflegedokumentation zum Termin zur Verfügung?

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