Pflegegrad 3 – Leistung und Voraussetzung

Carolin Banser

Der Pflegegrad 3 ist einer von fünf Pflegegraden. Wann er vergeben wird und welche Leistungen Ihnen im Pflegegrad 3 zustehen – PraxisVITA klärt auf.

 

Wie wird der Pflegegrad 3 definiert?

Seit dem 1. Januar 2017 gibt es keine Pflegestufen (0 bis 3) mehr, sondern fünf Pflegegrade. Der Pflegegrad 3 wird definiert als „schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“. Die Bewertung erfolgt nach einem Punkte- und Gewichtungssystem. Vergibt der Gutachter mindestens 47,5 und weniger als 70 Punkte, erhält eine versicherte Person den Pflegegrad 3 und den Anspruch auf entsprechende Pflege- und Betreuungsleistungen.

Zum Vergleich:

 

Wer erhält nach der Umstellung den Pflegegrad 3?

Versicherte Personen, die zum 31.12.2016 bereits die Pflegestufe 1 mit eingeschränkter Alltagskompetenz oder die Pflegestufe 2 erhalten haben, erlangen automatisch den Pflegegrad 3 und sind dabei nicht schlechter gestellt als vorher. Das heißt, alle Versicherten mit den Pflegestufen 1 oder 2 behalten ihre bisherigen Leistungen und müssen nicht erneut begutachtet werden.

Pflegegrad 3
Personen mit schweren Beeinträchtigungen erhalten den Pflegegrad 3© istock/shironosov

Die Feststellung der eingeschränkten Alltagskompetenz ist die Voraussetzung für zusätzliche Leistungen der Pflegekasse. Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz sind nicht mehr in der Lage, alltägliche Dinge zu verrichten und sinnvoll auszuüben. Es ist nicht nur ein hohes Maß an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung erforderlich, sondern auch im Bereich der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung besteht Hilfebedarf. Davon betroffen sind vor allem Menschen mit einer Demenzerkrankung oder geistiger Behinderung.

 

Pflegegrad 3 – Grundvoraussetzungen

Um den Pflegegrad 3 und die damit verbundenen Pflege- und Betreuungsleistungen zu erhalten, müssen versicherte Personen zunächst einen Antrag auf Pflegegrad bei ihrer Pflegekasse einreichen.

Die Einteilung in einen Pflegegrad erfolgt anschließend durch Gutachter des Medizinischen Notdienstes der Krankenversicherung (MDK, bei gesetzlich Versicherten) und MEDICPROOF (medizinischer Dienst der privaten Krankenversicherungen). Zur Erhebung des Pflegegrades wird seit Anfang des Jahres das „Neue Begutachtungsassessment (NBA)“ herangezogen. Mithilfe eines Fragebogens wird in sechs verschiedenen Modulen der Grad der Selbstständigkeit beurteilt.

Folgende 6 Bereiche werden untersucht:

  • Mobilität (Wie gut kann sich ein Mensch alleine fortbewegen oder Treppen steigen),
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (Verstehen, Reden, Erkennen von Risiken),
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (Ängste und Aggressionen),
  • Selbstversorgung (Selbst essen, sich selbst waschen),
  • Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen (Selbstständig Medikamente einnehmen, Erkennen von Risiken),
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (Gestaltung des Tagesablaufs und soziale Kontakte pflegen)
  • Pflegegrad 3 – Leistungen im Überblick
  • Pflegegeld: 545 €
  • Pflegesachleistungen: 1298 €
  • Tages- und Nachtpflege: 1298 €
  • Vollstationäre Pflege: 1262 €

Während der Begutachtung vergibt der Gutachter für jeden der Aktivitätsbereiche zwischen 0 und 100 Punkten, wobei 100 Punkte dem höchsten Grad der Unselbstständigkeit entsprechen.

Sind mit Auswertung der Gesamtpunktzahl die Bedingungen erfüllt, erhalten die Versicherten einen Bescheid ihrer Kasse mit der Anerkennung des Pflegegrads 3.

 

Leistungen im Pflegegrad 3

Wurde einer pflegedürftigen Person der Pflegegrad 3 zugesprochen, erhält sie durch die Pflegeversicherung folgende Leistungen:

  • 545 Euro Pflegegeld monatlich, wenn sie von Angehörigen oder Freunden gepflegt wird
  • 1298 Euro Pflegesachleistungen monatlich, wenn die Pflege von einem ambulanten Pflegedienst übernommen wird,
  • 1298 Euro teilstationäre Pflege, privat oder gewerblich, mit Pflegegeld/ Pflegesachleistung kombinierbar oder
  • 1262 Euro monatlich, wenn die Pflege stationär, also in einem Heim, erfolgt.
Barierrefreies Zuhause im Pflegegrad 3
Versicherte mit Pflegegrad 3 haben Anspruch auf ein barrierefreies Zuhause, z.B. durch die Installation eines Treppenlifts© istock
 

Wie viel Geld mehr ist das?

Betroffene, die bisher Pflegestufe 2 waren und nun Pflegegrad 3 sind, erhalten so 87 Euro mehr pro Monat. An Demenz erkrankte Personen, die professionelle Hilfe von ambulanten Pflegediensten bekommen, erhalten sogar bis zu 609 Euro mehr monatlich.

Nimmt die Pflegebedürftigkeit zu, kann jederzeit eine erneute Begutachtung zur Einstufung in einen höheren Pflegegrad beantragt werden.

 

Kurzzeitpflege bei Pflegegrad 3

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 haben Anspruch auf Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege.

Ist ein Hilfsbedürftiger mit Pflegegrad 3 nach einem Krankenhausaufhalt noch auf eine professionelle Kurzzeitpflege (z.B. in einem Pflegeheim) angewiesen, erhält er von seiner Pflegekasse einen Zuschuss von maximal 1.612 Euro (bis zu acht Wochen).

 

Verhinderungspflege bei Pflegegrad 3

Pflegende gehen oft an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit. Dank der Verhinderungspflege können sie sich Erholungspausen gönnen. Versicherte bekommen einen Zuschuss von bis zu 1.612 Euro für höchstens vier Wochen im Jahr. Außerdem bietet die Pflegekasse Schulungen für Pflegepersonen an, die auch zu Hause stattfinden können.

 

Betreuungen und Entlastungsleistungen im Pflegegrad 3

Den neuen „Entlastungsbeitrag“ von monatlich 125 Euro für Betreuungs- und Entlastungsleistungen können Pflegebedürftige mit dem Pflegegrad 3 ebenfalls beanspruchen.

Zum Vergleich: Bisher lag der Betrag bei 104 Euro, in Sonderfällen bei 208 Euro.

Leistungen, die den Pflege- und Hilfsbedürftigen mit dem Entlastungsbeitrag zustehen:

  • Teilnahme an Betreuungsgruppen
  • Besuchsdienste, einen Alltagsbegleiter oder Einkaufshilfen
  • Haushaltshilfen
 

Weitere Leistungen bei Pflegegrad 3

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 haben zusätzlich Anspruch auf:

Medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel

  • Zuschüsse für ein Hausnotrufsystem (einmalig 10,49 Euro Anschlussgebühren und monatlich 18,36 Euro für den Betrieb)
  • Pflegehilfsmittel im Wert von maximal 40 Euro (Desinfektionsmittel, Handschuhe, Bettschutzeinlagen)
  • Pflegehilfsmittel (Gehhilfen, Inhalations- und Atemtherapiegeräte, Hörhilfen, Mobilitätshilfen, Toilettenstühle ect.) Ein vollständiges Hilfsmittelverzeichnis finden Sie hier.

Zuschüsse für Wohnraumanpassung

Für einmalig 4000 Euro gewährleistet die Pflegekasse ein barrierefreies Zuhause, bspw. durch die Installation eines Treppenlifts und den Umbau einer Badewanne in eine Dusche.

Wohngruppenförderung

Bis zu vier Bewohner haben Anspruch auf einen einmaligen Gründungszuschuss von jeweils 2500 Euro sowie einen monatlichen Zuschuss zur Beschäftigung einer Organisationskraft von jeweils 214 Euro.

Beratung- und Beratungsbesuche

Zum Leistungsumfang bei Pflegegrad 3 gehören außerdem die Übernahme der Kosten für die Beratung von Menschen zu ihrer besseren pflegerischen Versorgung oder zum altersgerechten Wohnraumumbau. Auch Beratungsbesuche durch geschulte Pflegekräfte sind inbegriffen.

Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen

Seit 2017 sind Pflegekassen dazu verpflichtet, den Angehörigen und ehrenamtliche Pflegepersonen von Hilfsbedürftigen kostenlose Pflegekurse anzubieten.

Haushaltshilfe im Pflegegrad 3
Mit dem Pflegegrad 3 können Pflege- und Hilfsbedürftige eine Haushaltshilfe bezahlen, die beim Putzen oder sonstiger Hausarbeit hilft© istock
 

Wie legt man Widerspruch gegen Pflegegrad 3 ein?

Angehörige von Pflegebedürftigen haben das Recht, Widerstand gegen Pflegegrad 3 einzulegen. Dieser muss innerhalb von vier Wochen nach Erhalt des Bescheids der Pflegekasse erfolgen.

 
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