Pflegegrad 2 – Leistung und Voraussetzungen

Mona Trautmann Medizinredakteurin

Wem wird der Pflegegrad 2 zugewiesen? Wer erstellt ein Gutachten und nach welchen Kriterien wird bewertet? PraxisVITA erklärt, welche Leistungen Personen mit Pflegegrad 2 zustehen und welche Voraussetzungen sie erfüllen müssen.

Bei Pflegegraden handelt es sich um Kategorien zur Bewertung der Pflegebedürftigkeit eines Menschen. Entsprechend dieser Kategorisierung bekommen pflegebedürftige Personen Geld aus der Pflegeversicherung. Zum 01.01.2017 trat das neue Pflegestärkungsgesetz in Kraft. Die fünf neuen Pflegegrade ersetzen seitdem die drei Pflegestufen. Die Einteilung in die Pflegegrade richtet sich nach der Selbstständigkeit der Antragsteller.

 

Begutachtung zur Einstufung in einen Pflegegrad

Wer einen Antrag auf Pflegegrad stellt, wird begutachtet. Nach vorheriger Terminvereinbarung kommt ein Gutachter in die Pflegeeinrichtung oder die Wohnung des Antragstellers. Bei gesetzlich Versicherten führt der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) die Begutachtung durch, bei privatversicherten Personen MEDICPROOF. Die Gutachter prüfen, inwieweit der Antragsteller selbstständig ist in Bezug auf

  • körperliche
  • psychische,
  • und kognitive Beeinträchtigungen.

Idealerweise sind bei der Befragung Angehörige der pflegebedürftigen Person anwesend. Der Gutachter fragt nach der momentanen Pflegesituation, dem Gesundheitszustand und der Benutzung von Hilfsmitteln. Die anschließende Bewertung erfolgt mithilfe eines Punktesystems: Je unselbstständiger der Antragsteller ist, desto mehr Punkte bekommt er und desto höher ist der Pflegegrad. Die Punkteskala geht von 0 bis 100, wobei 100 der höchste Grad der Unselbstständigkeit ist.

 

Kriterien für den Pflegegrad 2 – Bewertung mit 6 Modulen

Mithilfe von sechs Modulen wird die Selbstständigkeit des Antragstellers bewertet. Pro Modul vergibt der Gutachter je nach Grad der Einschränkung Punkte, die unterschiedlich gewichtet werden:

  1. Mobilität (10 Prozent Gewichtung)
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (15 Prozent Gewichtung der Punkte aus Modul 2 oder 3. Der höhere Wert fließt in die Bewertung ein)
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung (40 Prozent Gewichtung)
  5. Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen (20 Prozent Gewichtung)
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (15 Prozent Gewichtung)

Anhand dieser Bewertung und Gewichtung erfolgt die Zuordnung in einen der fünf Pflegegrade.  

Wer vor der Umstellung auf die Pflegegrade die Pflegestufe 0 oder 1 hatte, dem wird nun automatisch und ohne erneute Begutachtung der Pflegegrad 2 zugewiesen.

Frau hilft altem Mann beim Kochen
Pflegebedürftige haben Anspruch auf Entlastungsgeld. Mit diesem Zuschuss können sie zum Beispiel eine Haushaltshilfe mitfinanzieren.
 

Voraussetzungen für die Einstufung in den Pflegegrad 2

Für die Einstufung in den Pflegegrad 2 muss der Gutachter zwischen 27 und unter 47,5 Punkte ermitteln. Diese Einordnung bestätigt eine „erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ des Antragstellers. 

Zum Vergleich:

 

Leistungen für Personen mit Pflegegrad 2

Personen mit Pflegegrad 2 bekommen monatlich 316 Euro Pflegegeld, wenn sie zu Hause von Angehörigen gepflegt werden. Werden sie von einem Pflegedienst versorgt, stehen ihnen Pflegesachleistungen von 689 Euro im Monat zu.

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2, die vollstationär im Pflegeheim betreut werden, erhalten monatlich 770 Euro stationäre Leistungsbeiträge von der Pflegekasse.

Wenn Pflegebedürftige sowohl durch Angehörige als auch von einem ambulanten Pflegedienst versorgt werden, ist eine Kombinationsleistung aus Pflegegeld und Pflegesachleistungen möglich. Dabei verringert sich der Anspruch auf Pflegegeld um den Prozentsatz der nicht in Anspruch genommenen Pflegesachleistungen.

Zusätzlich steht Pflegebedürftigen aller Grade, die zu Hause gepflegt werden, ein einheitlicher Entlastungsbeitrag von bis zu 125 Euro im Monat zu. Diese Leistung ersetzt die bisherigen Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Der Betrag ist zweckgebunden und steht Pflegebedürftigen deshalb nur für bestimmte Ausgaben zur Verfügung. Dazu gehören:

  • Teilnahme an einer Betreuungsgruppe
  • Beschäftigung einer Einkaufshilfe
  • Anstellung einer Haushaltshilfe/Putzhilfe
  • Vorübergehende vollstationäre Kurzzeitpflege
  • Mitfinanzierung von Tages- und Nachtpflege
  • Alltagsbegleiter für Spaziergänge und Gespräche
Frau hilft älterem Mann beim Einkaufen
Vom Entlastungsbeitrag dürfen Pflegebedürftige unter anderem eine Einkaufshilfe beschäftigen© iStock/FredFroese
 

Zuschuss für die Wohnraumanpassung

Personen mit dem Pflegegrad 2 haben außerdem Anspruch auf einen Zuschuss zum Umbau für die Barrierefreiheit der Wohnung. Diese einmalige Leistung in Höhe von bis zu 4.000 Euro kann für Umbaumaßnahmen wie den Einbau eines Treppenlifts oder einer behindertengerechten Dusche genutzt werden.

 

Verhinderungspflege

Einen Zuschuss von 1.612 Euro im Kalenderjahr für bis zu sechs Wochen bekommen Personen mit Pflegegrad 2, wenn die private Pflegeperson wegen Urlaub oder Krankheit verhindert ist und vertreten werden muss. Die Ersatzpflege muss durch professionelle Pflegekräfte oder entfernte Verwandte (nicht bis zum zweiten Grad verwandt oder verschwägert) erfolgen, um den Zuschuss zu erhalten.

 

Leistungen bei der Tages- und Nachtpflege

Monatlich 689 Euro erhalten Personen mit Pflegegrad 2 für Tages- und Nachtpflege als teilstationäre Pflegeleistung. Teilstationär bedeutet, dass die pflegebedürftige Person zu bestimmten Zeiten (tagsüber oder nachts und weniger als 24 Stunden) in einem Krankenhaus, Pflegeheim oder einer ähnlichen Einrichtung betreut, jedoch nicht stationär aufgenommen wird.

 

Zuschüsse bei der Kurzzeitpflege

Wenn ein Pflegebedürftiger nach einem Krankenhausaufenthalt Kurzzeitpflege in einem Pflegeheim benötigt, stehen ihm bis zu 1.612 Euro im Kalenderjahr für bis zu acht Wochen zu.

 

Medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel

Die Pauschalförderung von zum Verbrauch bestimmten Hilfsmitteln beträgt monatlich 40 Euro. Dazu gehören zum Beispiel Einmalhandschuhe, Mundschutz und Desinfektionsmittel. Für Einrichtung und Betrieb eines Hausnotrufsystems (technisches Pflegehilfsmittel) erhalten Personen mit Pflegegrad 2 monatlich 18,36 Euro für den Betrieb und einmalig 10,49 für den Anschluss. Außerdem haben sie Anspruch auf Pflegehilfsmittel, die im Hilfsmittelkatalog gelistet sind.

 

Kostenlose Pflegeberatung

Gesetzlichen Anspruch auf Pflegeberatung haben Versicherte, die Leistungen der Pflegeversicherung bekommen oder einen Antrag darauf gestellt haben. Pflegende Angehörige oder ehrenamtliche Pflegepersonen steht ebenfalls Pflegeberatung zu. Angehörige können außerdem an kostenlosen Pflegekursen teilnehmen, die die Pflegekasse  anbietet.

 

Bewohner von WGs

Wenn Versicherte in einer ambulanten Wohngruppe oder einer Senioren-Wohngemeinschaft leben, bekommen maximal vier der Personen mit Pflegegrad 2 bis zu 4.000 Euro Förderung. Außerdem stehen maximal vier Bewohnern ein Gründungszuschuss von jeweils 2.500 Euro und ein Zuschuss für die Anstellung einer Organisationskraft von monatlich 214 Euro zu.

 
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