Pflegebett – alles was Sie wissen müssen

Redaktion PraxisVITA
Auf den ersten Blick unterscheiden sich viele Pflegebetten kaum noch von herkömmlichen Einzelbetten
Auf den ersten Blick unterscheiden sich ein Pflegebett meist kaum noch von einem herkömmlichen Einzelbett Foto:  iStock/CasarsaGuru

Neben mehr Komfort, den auch gesunde Menschen gerne an ihren Betten hätten, soll ein Pflegebett vor allem den Alltag von Hilfebedürftigen und Pflegenden erleichtern. Zusätzlich ermöglichen diese Funktionen ein gesünderes Liegen.

 

Welche Funktionen hat ein Pflegebett?

Die Ausstattung eines Pflegebetts hängt von den Einschränkungen des Pflegebedürftigen ab.
Zur Grundausstattung gehören:

  • Gestell/Bettrahmen
  • Verstellbarer Lattenrost (verstellbares Rücken- und Fußteil, Möglichkeit zum Aufrichten)
  • Regulierbare Liegefläche 
  • Sicher feststellbare Rollen (für ein flexibles Verschieben)
 

Wer übernimmt die Kosten für ein Pflegebett?

Pflegebetten gehören zu den sogenannten technischen Pflegehilfsmitteln. Laut GKV-Spitzenverband werden die Kosten übernommen von den Kassen übernommen, wenn der Pflegebedürftige über weite Teile des Tages im Bett liegen und ganz oder teilweise im Bett gepflegt werden muss. Wenn bereits ein Pflegegrad vorhanden ist, ist die Pflegeversicherung zuständig. Falls dieser nicht vorliegt, gibt es die Möglichkeit ein Pflegebett über eine entsprechende Verordnung vom Arzt bei der Krankenkasse zu beantragen.

Das Pflegebett ermöglicht durch die verstellbare Höhe einen besseren Ein- und Ausstieg aus dem Bett
Das Pflegebett ermöglicht durch die verstellbare Höhe einen besseren Ein- und Ausstieg aus dem Bett Foto: iStock/alvarez

 

Pflegebett leihen oder kaufen?

Generell genehmigen die Kassen Leihbetten. Dabei sind die Kosten für Anlieferung, notwendige Änderungen, die Instandhaltung sowie die Einweisung in den Gebrauch ebenfalls enthalten. Werden spezielle Funktionen benötigt, die ein vorhandenes Bett nicht bietet, können in diesen Fällen auch Neuanschaffung genehmigt werden.
Generell gilt: Volljährige Versicherte müssen zehn Prozent der Kosten, höchstens aber 25 Euro pro Pflegehilfsmittel zahlen. Eine Ausnahme besteht, wenn der Betrag die sogenannte (finanzielle) Belastungsgrenze überschreitet. In diesem Fall ist der Pflegebedürftige von der Zuzahlung befreit.

 

Welche Voraussetzungen für welche Bett-Funktionen?

Welches Pflegebett-Modell die Kasse genehmigt, hängt von Zustand des Hilfebedürftigen ab. Generell sollte dieser nicht mehr spontan mobil und über weite Teile des Tages bettlägerig sein, wodurch die Pflege ganz oder teilweise am Bett vorgenommen werden muss.
 

BettenartZustand des PflegebedürftigenZieleAusstattung

Pflegebett-Modelle

Manuell verstellbar

Pflegebedürftiger kann seinen Oberkörper noch selbst anheben

Entlastung des Pflegenden

Erleichterung beim Verlassen des Bettes in den Stand oder Rollstuhl und umgekehrt
  • Liegehöhe sowie Kopf- und Fußteil unabhängig voneinander verstellbar
  • Rollen
  • Höhenverstellbar
Motorisch höhenverstellbar

Fehlende Kraft und Mithilfefähigkeit nicht mehr ausreichend

Zusätzlich: Mobilisation und Pflege des Patienten wird erleichtert

Zusätzlich:

  • Motorisch höhenverstellbar
  • Mehrfach motorisch verstellbare Liegefläche (Einstellmöglichkeit von Kopf- und Fußteil)
Sitz-und Aufrichtefunktion

Zusätzlich: Sitzfunktion erforderlich

Zusätzlich: Mobilisierung zur Vermeidung von ruhebedingten Muskelatrophien (Muskelabbau)

Zusätzlich:

  • Sesselähnliche Sitzposition möglich
Motorisch verstellbar mit erhöhter Tragfähigkeit

Zusätzlich: Körpergewicht zu hoch oder höherer Platzbedarf als bei „normalem“ Pflegebett

 

Zusätzlich:

  • Höhere Tragfähigkeit (mind. 250kg) und evtl. breitere Liegefläche
Einlegerahmen

Wenn Pflegebett aus Platzgründen nicht möglich oder nicht kostengünstiger
Gleiche Funktionen wie motorisch verstellbare Pflegebetten

 (auch für erhöhte Tragfähigkeit verfügbar)

Zusätzlich kann bestimmtes Zubehör wie etwa Griffkonstruktionen zum Aufrichten oder Seitengitter bei drohender Sturzgefahr bewilligt werden. Letztere bedürfen allerdings einer sogenannten betreuungsrichterlichen Genehmigung, da die Anbringung eine freiheitsentziehende Maßnahme darstellen kann.

 

Was kostet ein Pflegebett?

Sind die Voraussetzungen für die Kostenübernahme durch die Kassen nicht erfüllt, gibt es die Möglichkeit, privat gegen Kaution und monatliche Leihgebühr (ab etwa 50 Euro aufwärts, zuzüglich Liefer-und Abholgebühr) ein Bett vom Sanitätshaus oder Pflegedienst zu mieten. Alternativ kann natürlich auch ein Kauf in Betracht gezogen werden. Hier liegen die Preise, je nach Ausstattung, bei etwa 600 bis über 4000 Euro. Kosten für Anlieferung, Wartung und Reparatur kommen noch hinzu.

Einlegerahmen bieten Pflegebedürftigen die Möglichkeit weiterhin mit dem Partner im Doppelbett zu schlafen
Einlegerahmen bieten Pflegebedürftigen die Möglichkeit, weiterhin mit dem Partner im Doppelbett zu schlafen Foto: iStock/bowdenimages
 

Sieht ein Pflegebett nach Krankenhaus aus?

Das Wort Pflegebett erweckt bei vielen die Vorstellung von weißem Kunststoff und einem tristen, ausschließlich funktionalen Design. Gerade in der häuslichen Pflege, muss dieses Bild aber nicht unbedingt stimmen. Immer mehr Hersteller legen auch Wert auf das Aussehen ihres Produkts. Durch versteckt angebrachte Motoren, verschiedene Rahmenformen sowie hübsche Holzoptik (von Buche bis Nussbaum) ist ein Pflegebett auf den ersten Blick häufig kaum noch von einem normalen Einzelbett zu unterscheiden. 

 

Was, wenn der Pflegebedürftige weiterhin im Ehebett schlafen möchte?

Wer es gewohnt ist, im Bett neben seinem Partner einzuschlafen, sollte das nach Möglichkeit auch im Pflegefall weiterhin tun können. Ist die Stellung eines Pflegebettes nicht kostengünstiger oder aus Platzgründen nicht möglich, genehmigen die Kassen alternativ auch spezielle Einlegerahmen. So können Pflegebedürftige und Pflegende die Vorteile des Hilfsmittels nutzen, ohne von nun an in getrennten Betten schlafen zu müssen.


Quellen:


Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz in einem gemeinsamen Projekt mit der juris GmbH: Sozialgesetzbuch (SGB) - Elftes Buch (XI) - Soziale Pflegeversicherung 
https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__40.html [Abrufdatum: 30.04.18]

GKV Spitzenverband: Pflegehilfsmittelverzeichnis, Produktgruppe: 50 "Pflegehilfsmittel zur Erleichterung der Pflege" 
https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de/produktartlisteZurPG_input.action?paramGruppeId =34
[Abrufdatum: 30.04.18]

GKV Spitzenverband: Pflegebetten, manuell verstellbar  
https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de/produktartAnzeigen_input.action?artId=2048
[Abrufdatum: 30.04.18]

GKV Spitzenverband: Pflegebetten, motorisch höhenverstellbar 
https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de/produktartAnzeigen_input.action?artId=2049
[Abrufdatum: 30.04.18]

GKV Spitzenverband: Pflegebetten, motorisch höhenverstellbar mit erhöhter Tragfähigkeit
https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de/produktartAnzeigen_input.action?artId=2051
[Abrufdatum: 30.04.18]

GKV Spitzenverband: Pflegebetten mit Sitz- und Aufrichtfunktion
https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de/produktartAnzeigen_input.action?artId=2128
[Abrufdatum: 30.04.18]

GKV Spitzenverband: Aufrichthilfen
https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de/produktartAnzeigen_input.action?artId=2055
[Abrufdatum: 30.04.18]

GKV Spitzenverband: Seitengitter
https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de/produktartAnzeigen_input.action?artId=2056
[Abrufdatum: 30.04.18]

GKV Spitzenverband: Einlegerahmen
https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de/produktartAnzeigen_input.action?artId=2059 
[Abrufdatum: 30.04.18]

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2019 praxisvita.de. All rights reserved.