Pflege zuhause: Papa zieht jetzt bei mir ein

Angehörige zuhause pflegen
Die Pflege eines Elternteils zuhause ist eine große Herausforderung – Angehörige können sich in speziellen Kursen darauf vorbereiten © Fotolia

Wenn ein lieber Angehöriger plötzlich zum Pflegefall wird, dann fragen wir uns: Wie schaffe ich es – zum Beispiel meinem Vater – zu Hause die bestmögliche Betreuung zu bieten – ganz ohne medizinische Vorkenntnisse? Spezielle Vorbereitungskurse können uns diese Ängste nehmen.

Was müssen wir können, was müssen wir wissen? Martin Moritz kennt diese Sorgen der Angehörigen. Der Leiter der Angehörigenschule Hamburg gibt entsprechende Vorbereitungskurse. Wir fassen die wichtigsten Tipps zusammen.

 

Richtig Essen geben

Angenommen, unser Vater verweigert das Essen. Was ist zu tun? Auf keinen Fall versuchen wir es mit Gewalt. Denn dann gelangt das Essen unter Umständen „in den falschen Hals", eine Lungenentzündung kann die Folge sein (Aspirationspneumonie).

Wir suchen lieber nach den Ursachen. Hat er Magenprobleme? Oder Zahnschmerzen, die selten entdeckt werden? Manchmal hilft es, wenn Nahrung angedickt oder püriert wird. Trotzdem achten wir darauf, dass unser Vater regelmäßig kaut, um den Speichelfluss anzuregen. So bleibt die Ohrspeicheldrüse intakt.

 

Medikamente verabreichen

Bevor wir Tabletten zerkleinern, sprechen wir mit dem Arzt. Hat „unser Patient" Probleme beim Schlucken? Am besten die Kapsel unter Apfelmus mischen. Milchprodukte wie Joghurt dürfen nicht mit jedem Medikament, zum Beispiel Antibiotika, genommen werden.

Pflege zuhause: Anlaufstellen für Angehörige

Die Angehörigenschule in Hamburg organisiert Kurse für die Pflege zu Hause: www.angehoerigenschule.de.

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) berät unter 08000/117722 in Rechtsfragen.

Beratung zum Thema barrierefrei wohnen: www.online-wohn-beratung.de

 

Bewegung ist wichtig

Wir fördern die Beweglichkeit, soweit es geht, denn wer stabil ist, wird seltener stürzen. Es geht um Kleinigkeiten: Handtraining mit einem Schaumstoffball kann in Sachen Mobilität Wunder wirken. Wir bewegen vom Finger bis in die Zehen alle Gelenke regelmäßig durch. So bekämpfen wir Versteifungen. Wir tragen auch Sorge, dass der Kranke im Bett gelegentlich auf die Seite gedreht wird, um Druckgeschwüre (das sogenannte Wundliegen) zu vermeiden. Beim Waschen achten wir auf die Haut: Bleibende Rötungen können ein Vorbote dieser Geschwüre sein.

 

Pflege zuhause: Das passende Bett

Das Spezialbett gibt es auf Rezept vom Arzt, wenn es die Pflege erleichtert, weil viele Aufgaben, wie das Waschen, im Liegen erledigt werden müssen. Wir können nicht nur die Rückenlage, sondern auch die Höhe einstellen und vermeiden, uns selbst übermäßig zu belasten. Sollte der Partner im Ehebett gepflegt werden, gibt es „Bett im Bett"-Systeme. Das sind Einlegerahmen, die in das Gestell integriert werden können.

 

Heben mit Helfern

Was tun, wenn wir es nicht schaffen, unseren Angehörigen allein aus dem Bett zu heben? Am besten sind Hilfsmittel wie Patientenlifter oder Rutschbretter.

 

Aufstehen üben

Auch die Kranken brauchen Zeit, um sich auszuprobieren. Der kranke Vater kann sich auf die Bettkante setzen und damit beginnen, ein wenig nach links und rechts zu rutschen. Mit etwas Übung kann er vielleicht bald allein vom Bett auf den Stuhl rutschen. Das Ziel ist, seine Eigenständigkeit so lange wie möglich zu wahren. Es hebt seine Stimmung, es macht die Pflege leichter.

 

Die richtige Körperhygiene

PH-neutrale Seifen und Lotionen tun Patienten gut. Möchten sie sich nicht von uns Kindern waschen lassen, etwa im Intimbereich, fragen wir, ob sie einen Pflegedienst wünschen.

 

Auf Ablehnung reagieren

Quittiert der Angehörige unsere Bemühungen mit Ablehnung, ziehen wir eine dritte Person hinzu, der er vertraut. Gemeinsam machen wir ihm deutlich, dass es wichtig für seine Gesundheit ist mitzuziehen. Oft ist der Rollentausch das Problem: Plötzlich ist es das Kind, das sich um den Vater kümmert. Diese Umgewöhnungsphase erfordert beiderseits viel Geduld.

 

Pflege der Eltern: Bevormundung ist tabu

Einfühlsame Sprache ist gefragt, ein bevormundender Unterton tabu. Auch wenn viele Pflegebedürftige sich nicht mehr äußern können, nehmen sie Stimmungen wahr. Dabei unbedingt die „Babysprache" vermeiden. Schließlich nehmen wir Mutter und Vater ernst.

 

Soziale Kontakte

„Hey, wir haben deine Freunde eingeladen!" Jede Wette: So ein Satz wird ein Strahlen auf das Gesicht des Kranken zaubern! Wir können uns auch bei der Tagespflege nach Ausflügen und betreuten Freizeitangeboten erkundigen. In dieser Zeit hat die Familie etwas Luft, mal durchzuatmen. Ein Anruf bei den Besuchsdiensten der Kirchen lohnt sich auf jeden Fall.

 

Pflegezimmer einrichten: Stolperfallen beseitigen

Wir schauen, dass keine Teppiche, Läufer und Kabel im Weg sind. Gleiches gilt für instabile Möbel, die keine Stützen darstellen. Die Pflegekasse bezuschusst den barrierefreien Umbau mit bis zu 2557 Euro, wenn wir die Maßnahmen vorher genehmigen lassen.

 

Persönliche Einrichtung

Das Zimmer sollte persönlich eingerichtet sein. Wir achten darauf, dass unser Vater durch ein Fenster schauen kann. Fotos, Pflanzen oder vertraute Vorhänge steigern sein Wohlbefinden.

 

Pflegezeit

Im akuten Fall dürfen Arbeitnehmer bis zu zehn Tage freinehmen, um die häusliche Pflege zu organisieren. Eventuell bekommen sie auch bis zu sechs Monate Pflegezeit.

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