Natürliche Schmerzmittel: Mit Pflanzen Schmerzen bekämpfen

Susanne Petersen Medizinredakteurin

Können natürliche Schmerzmittel klassische Präparate wie Aspirin, Ibuprofen & Co. wirklich ersetzen? Viele Schmerzpatienten leiden unter unangenehmen Nebenwirkungen von synthetischen Medikamenten. Wie kann man Schmerzen mit pflanzlichen Mitteln begegnen? Welche sind die besten natürlichen Schmerzmittel und was ist zu beachten? Die Antworten!

 

Inhalt
  1. Schmerzmittel, aber natürlich: Worauf muss man achten?
  2. Pflanzliche Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen
  3. Pflanzliche Schmerzmittel bei Rückenschmerzen
  4. Sind pflanzliche Schmerzmittel bei Nervenschmerzen geeignet?
  5. Natürliche Schmerzmittel bei Gelenkschmerzen und Arthrose
  6. Starkes natürliches Schmerzmittel

Leiden Sie häufig an Kopfschmerzen oder unter Verspannungen? Muss es immer das chemische Medikament sein, fragen sich viele Betroffene. Denn Schmerzen sind allgegenwärtig. Ungefähr 1,5 Milliarden Menschen weltweit leiden unter wiederkehrenden Schmerzen, Tendenz steigend. Das viele Sitzen im Homeoffice trägt dazu bei, dass Rückenschmerzen, Verspannungen und Kopfschmerzen häufiger auftreten. Deswegen sind Alternativen in Form von natürlichen Schmerzmitteln gefragt.

 

Schmerzmittel, aber natürlich: Worauf muss man achten?

Pflanzen waren lange Zeit die einzige Möglichkeit, sich bei Schmerzen zu behelfen. Auch heute sind viele Pflanzenstoffe bekannt, die in der Lage sind, bei akuten und chronischen Schmerzzuständen zu helfen. Natürlich können nicht alle Pflanzen bei sehr schweren Schmerzen helfen, sie lassen sich begleitend oder bei weniger starken Beschwerden einsetzen.

Gerade, weil die meisten natürlichen Schmerzmittel ohne Nebenwirkungen auskommen und eine ähnliche Schmerzlinderung bringen, steigt ihre Beliebtheit. Denn pflanzliche Arzneien werden oft als sogenannte topische Schmerzmittel angewandt, also äußerlich aufgetragen am Ort des Schmerzes. Jedoch muss auch bei pflanzlichen Arzneistoffen auf mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten geachtet werden. Vor allem Schwangere oder Stillende sollten vor der Verwendung mit dem behandelnden Arzt sprechen. 

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Auch für Allergiker ist Vorsicht geboten. So enthält zum Beispiel die Weidenrinde, die für ihre schmerzstillende Wirkung bekannt ist, Salicin. Dieses wird im Körper in Salicylsäure umgewandelt. In Schmerztabletten wie Aspirin, ASS, etc. ist die chemische Weiterentwicklung Acetylsalicylsäure enthalten. Auf diese reagieren einige Menschen stark allergisch. Deswegen sollten Allergiker nicht auf Weidenrinde zurückgreifen, um ihre Schmerzen zu stillen.

 

Pflanzliche Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen

Sogenannte Phytopharmaka stehen als sanfte Alternative den chemischen Wirkstoffen wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol gegenüber. Bei der Selbstbehandlung von Kopfschmerzen muss zunächst überprüft werden, wie schwerwiegend die Schmerzen sind. Handelt es sich nur um leichtere oder mittlere Kopfschmerzen, kann Pfefferminzöl zur Schmerzreduktion eingesetzt werden. Bei der Vorbeugung von Migräneanfällen können Extrakte der Pestwurz oder des Mutterkrauts helfen. 

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Pflanzliche Schmerzmittel bei Rückenschmerzen

Nicht immer müssen bei leichteren Rückenschmerzen, Verspannungen oder Blockaden starke Schmerzmittel verwendet werden. Viele pflanzliche Mittel haben eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung, die Rückenbeschwerden auf sanfte Weise lindern können. Die Bergpflanze Arnika (Arnica montana) ist der Allrounder bei stumpfen Traumata und Muskelschmerzen. Sie enthält ätherische Öle, Flavonoide und Cumarine, die entzündungshemmend sind. Als Extrakt in Salbe oder Öl kann sie auf die betroffenen Stellen massiert werden.

Auch Capsaicin ist ein Klassiker unter den pflanzlichen Mitteln gegen Rückenschmerzen. Der Wirkstoff ist zum Beispiel in Chili enthalten, er weitet die Blutgefäße und sorgt für Erwärmung. Wenn Capsaicin-haltige Mittel in Form von Salben oder Wärmepflastern auf die betroffenen Partien aufgetragen werden, entspannt sich die Muskulatur und Schmerzen gehen zurück. Pflanzliche Schmerzsalben mit Beinwell-Extrakt (Symphytum officinale) wirken ebenfalls schmerzlindernd und entzündungshemmend. Beinwell kann außerdem bei Prellungen, Verstauchungen, Muskeln- und Gelenkschmerzen oder Kniearthrose lindern.

Bei all diesen Mitteln gilt: Achten Sie immer darauf, ob eine Unverträglichkeit gegen einen dieser Wirkstoffe besteht. 

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Sind pflanzliche Schmerzmittel bei Nervenschmerzen geeignet?

Typisch für alle Formen von Nervenschmerzen sind anfallsartig auftretende Schmerzen, spontan brennende sowie durch äußere Reize ausgelöste Schmerzen. Oft zeigen sich Nervenschmerzen in Kribbeln, Ameisenlaufen, einem Gefühl der Pelzigkeit und Taubheit, Elektrisieren und einem fehlenden Temperaturempfinden. Eine Behandlung ausschließlich mit pflanzlichen Hausmitteln ist bei Nervenschmerzen nicht geeignet. Denn diesen Beschwerden können Krankheiten wie Diabetes, Gürtelrose oder schwere Bandscheibenvorfälle zugrunde liegen.

Bei leichten Nervenschmerzen in Folge einer Quetschung hingegen, zum Beispiel wenn der Finger in einer Tür gequetscht wurde, bietet sich Hypericum perforatum (Johanniskraut) an. Es kann in homöopathischer Form als Globuli oder als Salbe angewendet werden.

 

Natürliche Schmerzmittel bei Gelenkschmerzen und Arthrose

Charakteristisch für Gelenkschmerzen ist meistens ein Ziehen und Reißen in den betroffenen Gelenken und angliedernden Muskeln. Neben Arnika und Capsaicin ist Rhus toxicodendron, der Giftsumach, ein beliebter pflanzlicher Wirkstoff, um Entzündungen und damit verbundene Schmerzen zu reduzieren. Rhus toxicodendron als Salbe oder als Globuli wirkt besonders gut auf den bei Rheuma und Arthrose typischen Anlaufschmerz, der sich bei fortgesetzter Bewegung bessert

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Bei Arthrose können vor allem im Anfangsstadium pflanzliche Arzneistoffe die Entzündung verringern und den Verlauf mitunter günstig beeinflussen. So können Brennnessel-Blätter (Urticae folium) Arthrose-Schmerzen lindern. Auch die Weidenrinde und die Teufelskralle können bei Arthrose eingesetzt werden. Die Teufelskralle soll sogar eine Wirkung über die Einnahmedauer hinaus haben. Nimmt man Teufelskralle gemeinsam mit hoch dosiertem Vitamin E, kann die Wirkung noch gesteigert werden. Besonders bei Arthrose, Rheuma und chronischen Rückenschmerzen empfiehlt sich eine Einnahme von mehreren Wochen. Auch Kurkuma ist ein bewährtes natürliches Schmerzmittel. Hochkonzentriert als Pulver oder in Kapseln über längere Zeit eingenommen, kann Kurkuma die Gelenke wieder von Entzündungen befreien.

 

Starkes natürliches Schmerzmittel

Starke Schmerzen müssen, wenn nichts anderes mehr hilft, oft mit Opiaten behandelt werden. Nebenwirkungen und eine mögliche Abhängigkeit gehören zu den Nachteilen von Opioiden wie Morphium. Tilidin ist ein schwächeres Opioid, das in Deutschland bei starken Schmerzzuständen, zum Beispiel bei einer Tumorerkrankung, verschrieben werden.

Gibt es ein natürliches Schmerzmittel, das bei sehr starken Schmerzen ebenfalls hilft? Gegen jeden Schmerz scheint ein Kraut gewachsen zu sein. Teufelskralle, Weidenrinde, Beinwell, Teufelskralle und Co. sind jedoch allenfalls begleitend in der Lage, extrem starke Schmerzen zu lindern. Bewegung und Sport können bei starken Schmerzen unter Umständen helfen, um Endorphine im Gehirn freizusetzen, die den Schmerz überdecken. Bei starken Schmerzen sollte die Behandlung unbedingt unter ärztlicher Aufsicht geschehen.

Es gibt zahlreiche pflanzliche Schmerzmittel, die bei akuten und chronischen Schmerzen helfen können. Bei allen natürlichen Schmerzmitteln gilt ebenso wie bei klassischen Medikamenten, dass vor der Anwendung oder Einnahme die Wirkstoffe überprüft werden sollten, um Unverträglichkeiten oder allergische Reaktionen zu vermeiden.

Quellen:

Pflanzliche Schmerzmittel, in internisten-im-netz.de

Pflanzliche Schmerzmittel für Gesundheit und mehr Wohlbefinden, in: medizin-aspekte.de

Etwas Pflanzliches gegen Schmerzen, in: deutsche-apotheker-zeitung.de

So behandelt man Nervenschmerzen, in: aponet.de

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