Pflanzenschutzmittel Glyphosat in Bier gefunden

Stephanie Pingel Medizinredakteurin
Ist nach Autos und Fußball jetzt auch das Bier von einem Skandal betroffen?
Ist nach Autos und Fußball jetzt auch das Bier von einem Skandal betroffen? © Alamy

Das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat lässt sich in beliebten Biersorten nachweisen. Experten geben sich trotzdem gelassen – mit gutem Grund.

Das Umweltinstitut München hat in 14 verschiedenen Biersorten das Pestizid Glyphosat nachgewiesen. Dieses wird normalerweise in Unkrautvernichtern eingesetzt und steht unter Verdacht, Krebs auszulösen. Für die Untersuchung kauften die Mitarbeiter des Umweltinstituts München zwischen Dezember 2015 und Januar 2016 insgesamt 14 Biersorten, die allesamt zu den meistkonsumierten Bieren Deutschlands zählen. Alle Ergebnisse der Untersuchung finden Sie hier.

Dabei hat das Institut angegeben, dass die Testmenge relativ klein ist. Daher könne keine grundsätzliche Aussage darüber getroffen werden, inwieweit bestimmte Marken betroffen sind. Zur Messung wurde die sogenannte Elisa-Methode angewendet: Diese schlägt zwar bereits bei geringen Werten an, gilt aber als umstritten, weshalb sich eine zweite Prüfung anschloss. Dabei kam die sogenannte LC-MS/MS-Methode zum Einsatz, wobei sich die zuvor gemessenen Werte bestätigten. Diese lagen im Schnitt bei 30 Mikrogramm pro Liter.

 

Experten sorgen sich nicht um Glyphosatgehalt im Bier

Trotzdem muss niemand künftig auf sein Feierabendbier verzichten: Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) seien „Glyphosatrückstände in Bier aus wissenschaftlicher Sicht plausibel und grundsätzlich erwartbar, da Glyphosat ein zugelassener Pflanzenschutzmittelwirkstoff in Getreide ist.“ Glyphosatgehalte von 30 Mikrogramm pro Liter Bier stellten nach dem derzeitigen Stand des Wissens kein gesundheitliches Risiko dar. Um gesundheitlich bedenkliche Mengen Glyphosat durch Bier aufzunehmen, müsste ein Erwachsener davon rund 1.000 Liter pro Tag zu sich nehmen.

 

Umstrittenes Pflanzenschutzmittel Glyphosat

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Unkrautvernichtungsmittel. In Deutschland werden jährlich bis zu 8000 Tonnen verbraucht, vor allem auf Ackerflächen, in Parks und auf Bahngleisen. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) hält Glyphosat bisher für unbedenklich. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft es hingegen als „wahrscheinlich krebserregend" ein. In die gleiche Kategorie fallen allerdings auch Wurst und rotes Fleisch.

Weltweit tobt seit Jahren ein Streit um das Pflanzenschutzmittel. Einige Studien legen nahe, dass Glyphosat Embryonen schädigt und Missbildungen hervorruft. Zudem könnte Glyphosat das Hormonsystem des Menschen negativ beeinflussen und die Schwangerschaft beeinträchtigen. Sicher ist das aber bislang nicht. Grundsätzlich gilt wohl auch hier: Die Dosis macht das Gift.

Hinzu kommt natürlich noch, dass Bier einen weiteren, definitiv Krebs auslösenden, Stoff enthält: Ethanol. Auch bekannt als Alkohol.

Hamburg, 25. Februar 2016

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