Peter Altmaier: Keine Lockdown-Lockerungen trotz sinkender Inzidenz?

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier geht nicht davon aus, dass die Corona-Beschränkungen in Deutschland bei einem Inzidenzwert von unter 50 automatisch aufgehoben werden – aus einem bestimmten Grund. Alle Infos!

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Peter Altmaier (CDU) glaub nicht, dass sich der deutschlandweite Inzidenzwert eins zu eins auf die geltenden Corona-Maßnahmen und den Lockdown übertragen lässt. Auch eine niedrige Inzidenz könnte mit Einschränkungen einhergehen, erklärte der Bundeswirtschaftsminister in einem Interview und nannte dafür einen eindeutigen Grund. 

Sinkende Inzidenz: Neuinfektionen gehen zurück

Eigentlich erfreulich: Seit einigen Tagen sinkt der Inzidenzwert – und damit die gemeldeten Neuinfektionen im Land – kontinuierlich. Am 22. Dezember 2020 hatte die bundesweite 7-Tage-Inzidenz noch auf dem Rekordwert von 197,6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche gelegen. Stand 1. Februar 2021 berechnet das RKI den Inzidenzwert auf 90,9. Die geltenden Corona-Einschränkungen scheinen also Wirkung zu zeigen. 

Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr eine 7-Tage-Inzidenz von 50 als jene Grenze festgelegt, bei der das Infektionsgeschehen im Land noch kontrollierbar sei. Bis zu diesem Wert könnten die ingesamt 400 deutschen Gesundheitsämter Infektionsketten nachvollziehen und unterbrechen, hieß es damals.

Experten schätzen jetzt, dass Deutschland die 50er-Grenze bis Mitte/Ende Februar erreicht haben könnte – sollte der Abwärtstrend anhalten. „Die aktuelle Entwicklung nährt die Hoffnung, dass wir uns relativ schnell einer Inzidenz von 50 nähern können“, bestätigte Altmaier im Gespräch mit „Welt am Sonntag“. Der Bundeswirtschaftsminister betonte allerdings auch, dass damit nicht automatisch sämtliche Corona-Beschränkungen wegfallen. 

Peter Altmaier: Inzidenz von 50 keine magische Grenze

Der aktuelle Lockdown gilt bis zum 14. Februar. Ob und in welchem Umfang die Beschränkungen danach weitergeführt werden, werden Bund und Länder wie gewohnt kurz vorher beratschlagen. Bereits jetzt gibt es erste Aussagen von Politikern, in welchem Bereich es zu ersten Lockerungen kommen könnte. Dass der Lockdown-Vorhang jedoch komplett fällt, hält Altmaier für sehr unwahrscheinlich. Grund dafür sind die neu aufgetretenen Coronavirus-Mutationen, allen voran die britische Variante B.1.1.7 und die Mutation aus Südafrika. 

„Die Länge des Lockdowns hängt auch davon ab, inwieweit sich neue Mutationen des Coronavirus in Deutschland verbreiten“, so Altmaier. „Wir haben in Großbritannien gesehen, dass sich die neue Variante auch deshalb so schnell ausgebreitet hat, weil der dortige Lockdown damals weniger streng war, als es der heute in Deutschland geltende ist.“

Altmaiers Einwurf ist berechtigt: Aktuell häufen sich Ausbrüche in Deutschland, in denen Corona-Mutante eine Rolle spielen. 

Verlängerter Lockdown vs. Lockdown Light

Vom „Lockdown Light“, wie er im November in Deutschland galt, sind inzwischen die wenigsten noch überzeugt. Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus bewertet wie Peter Altmaier einen strengen und verlängerten Lockdown als erfolgsversprechender als eine zu frühe Lockerung der Corona-Maßnahmen. „Besser jetzt noch ein wenig länger etwas härtere Maßnahmen als ein Raus-Rein-Raus-Rein, was letztlich alle zermürbt“, betonte der 52-Jährige im Interview mit „RND“.