Periorale Dermatitis: Pickel rund um den Mund

Redaktion PraxisVITA
Kinderärztin Dr. Nadine Hess zum Thema periorale Dermatitis
Expertin Dr. Hess: „Die Behandlung einer perioralen Dermatitis ist relativ langwierig und erfordert Geduld. In der Hauptsache besteht sie aus konsequentem Weglassen aller Externa – Cremes sollten verbannt und allenfalls durch ganz leichte Fluids ersetzt w © privat

Frauen, die gern neue Kosmetik ausprobieren, kennen die periorale Dermatitis vielleicht aus eigener Erfahrung als Reaktion auf ein zu fetthaltiges Produkt. Aber auch Kinder können von den Pickeln um den Mund herum betroffen sein – insbesondere, wenn sie zuvor schon einmal ein Schnullerekzem hatten, das – fälschlicherweise - mit Kortison oder sehr reichhaltigen Salben behandelt wurde. Was ist eine periorale Dermatitis, wie entsteht sie, wie äußern sich die Beschwerden und wie wird behandelt?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Eine periorale Dermatitis ist eine Hauterkrankung, die insbesondere um den Mund herum, aber auch im Bereich der Augen, vorkommen kann. Die Haut quillt durch zu reichhaltige Pflege auf und verliert ihre natürliche Barriere. So kommt es zu einem starken Trockenheitsgefühl, das wiederum zu vermehrtem Eincremen führt: ein Teufelskreis. Die periorale Dermatitis äußert sich durch viele kleine Pickel, die brennen, manchmal sogar schon beim Kontakt mit Wasser. Oft sieht der betroffene Bereich für Unerfahrene einem Ekzem sehr ähnlich.

 

Die periorale Dermatitis-Behandlung braucht Zeit 

Leck-Ekzem, Schnuller-Ekzem oder periorale Dermatitis beim Kind: Pickel um den Mund
Aus einem falsch behandelten Leck- oder Schnullerekzem kann eine periorale Dermatitis werden© James Heilman, MD – CC BY-SA 4.0

Die Behandlung einer perioralen Dermatitis ist relativ langwierig und erfordert Geduld. In der Hauptsache besteht sie aus konsequentem Weglassen aller Externa: Also nur noch mit klarem Wasser reinigen. Bei starkem Spannungsgefühl und Nässen kann man auf die Pickel abgekühlten Schwarztee (oder einen benutzten Schwarzteebeutel) auftupfen. Das wirkt entzündungshemmend und beruhigend. Cremes sollten verbannt werden und allenfalls durch ganz leichte Fluids ersetzt werden.

 

Welche Medikamente helfen gegen periorale Dermatitis?

Schwarzer Tee wirkt entzündungshemmend
Periorale Dermatitis: Die betroffenen Haut mit abgekühltem Schwarztee oder einem benutzten Teebeutel mit schwarzem Tee abtupfen – das lindert Spannungsgefühle und wirkt entzündungshemmend© Fotolia

In ausgeprägten Fällen von perioraler Dermatitis kann zur Behandlung – je nach Alter des Kindes – eine vom Apotheker angemischte, leichte Creme mit Erythromycin sinnvoll sein oder auch eine Therapie mit einem Calcineurininhibitor erfolgen. Allerdings sind die Cremezubereitungen mit dem Wirkstoff Pimecrolimus für Kinder unter zwei Jahren nicht zugelassen (obwohl diese Medikamentengruppe seit längerem sicher und langfristig beispielsweise bei Kindern mit einer schweren Neurodermitis eingesetzt wird, auch unter zwei Jahren). Aus meiner Sicht ist die Therapie mit Pimecrolimus grundsätzlich auch unter 24 Monaten bei richtiger Indikation angebracht und sicher, aber die Eltern müssen darüber aufgeklärt werden, dass die Behandlung im sogenannten „off-label-use“ erfolgt und müssen unterschreiben, dass sie damit einverstanden sind. In der Praxis ist der Einsatz von Calcineurininhibitoren aufgrund einer perioralen Dermatitis im Kindesalter nicht angezeigt und auch die Therapie mit Erythromycin-haltigen Cremes nur sehr selten notwendig.

 

Perioraler Dermatitis vorbeugen: Kinderhaut nur mit Wasser reinigen

fettige Creme kann beim Kind periorale Dermatitis auslösen
Eine periorale Dermatitis kann bei Kindern wie Erwachsenen als Überreaktion auf zu fettige Cremes und Salben entstehen© Shutterstock

Anfänglich können alle nicht fettigen Cremes bei perioraler Dermatitis leicht brennen. Das Brennen lässt aber nach kurzer Zeit nach. Summa summarum kann man bei der perioralen Dermatitis und der Hautpflege insgesamt sagen, dass weniger mehr ist. Oft verwenden wir – insbesondere die Damen – zu viel Tübchen, Tiegelchen und Seifen. Das ist zwar zugegebenermaßen oft verlockend, aber selten notwendig. Und das gilt erst recht für die Kinderhaut. Außer klarem Wasser (und bei starker Verschmutzung auch mal ein seifenfreies Syndet) braucht sie meistens keine zusätzlichen Pflegeprodukte. Es sei denn, es liegt eine Hauterkrankung vor, die ein Mehr an Feuchtigkeit notwendig macht.

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