Perfekte Täuschung: Deutsches Start-Up-Unternehmen entwickelt lebensechte Prothesen

Designte Prothesen
Ein Start-Up-Unternehmen aus Dresden entwickelt die ersten täuschend echten Prothesen – und beweist, dass künstliche Körperteile heutzutage nicht nur funktionell, sondern auch kaum von echten unterscheidbar sein können © Stamos-Braun Prothesenwerk

Lackierbare Nägel, künstliche Haare oder Tattoos – der Kreativität sind bei der Firma "Stamos und Braun Prothesenwerk" kaum Grenzen gesetzt. Die Entwickler betrachten jedes individuell geschaffene Körperteil als Kunstwerk und beweisen damit gleichzeitig, dass Prothesen heute kaum mehr als solche erkennbar sein müssen.

Zu diesem Zweck entwickelten die Dresdener spezielle Silikonprothesen. Das Angebot umfasst von Zehen und Fingern über Beine und Arme bis zu Füßen und Brustwarzen fast alle Körperteile, die man durch Unfall oder Krankheit verlieren kann. Dabei steht immer der Anspruch im Vordergrund, durch die individuelle Anpassung an die technischen, medizinischen, motorischen und vor allem ästhetischen Bedürfnisse der Patienten nicht nur funktionale Prothesen, sondern kleine Kunstwerke herzustellen.

 

Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt

„Wir möchten so unauffällig wie möglich sein“, erklärt Christoph Braun, Mitbegründer des Prothesenwerks. Dem Patienten soll nicht nur eine funktionelle Prothese verkauft werden, sondern auch eine, die gefällt. Das Ziel ist es, dem Patienten insgesamt ein gutes Gefühl zu geben. Das ist bei Menschen, die Gliedmaßen verloren haben, ein oft unterschätzter Wunsch, berichtet Dieter Jüptner, Präsident des Bundesverbandes für Menschen mit Arm- oder Beinamputation (BMAB), denn „die meisten haben einen wahren Horror davor, den Verlust eines Armes oder Beines nach außen nicht verstecken zu können.“

Designte Prothesen
Bei dem Design der Prothesen sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt. Von lackierbaren Fingernägeln, über Tattoos bis hin zu integrierten Aquarien in den Prothesen werden den Patienten beinahe alle Wünsche erfüllt© Stamos-Braun Prothesenwerk

An diesem Bedürfnis setzt das Prothesenwerk in Dresden an. Und der Kreativität sind dabei kaum Grenzen gesetzt. So werden für ein täuschend echtes Ergebnis beispielsweise lackierbare Nägel aus Acryl, individuell designte Kunsthaare und -haut sowie Hautpartien mit kleinen Fältchen und Äderchen in die Prothesen verarbeitet. Auch Prothesen mit Tattoos oder integriertem Aquarium werden entwickelt, wenn der Kunde es wünscht.

 

Unauffällig und schön

Die auf diese Weise designten Prothesen wirken nicht nur täuschend echt und damit völlig unauffällig, sondern auch schön.

Für die Entwicklung und das Design eines kleinen Körperteils – wie eines Daumens – benötigen die Dresdener Prothesenmacher im Normalfall rund zwei Tage. Größere Gliedmaßen – wie Arme oder Beine – sind nach rund einer Woche fertiggestellt. Die Kosten für solche Prothesen richten sich nach dem Produktionsaufwand und den individuellen Wünschen der Patienten – sie variieren ungefähr zwischen 1.770 und 6.300 Euro.

 

Was zahlen die Krankenkassen?

Krankenkassen übernehmen in diesem Zusammenhang immer nur Kosten für Hilfsmittel zum Ausgleich einer körperlichen Behinderung. Das bedeutet, dass Prothesen bezahlt werden, wenn ohne künstliches Körperteil die „Bewältigung der elementaren Grundbedürfnisse des täglichen Lebens beeinträchtigt sind.“ Arme und Beine gelten in der Regel als elementar wichtig, bei Fingern und Zehen stehen die Chancen dagegen schlecht.

Wichtige Faktoren für die Frage, ob die Kosten für eine Prothese von den Krankenkassen erstattet werden, sind – neben den Kosten – auch Alter und körperliche Verfassung des Patienten sowie die sehr umstrittene „Ursache der Notwendigkeit“ einer Prothese. Prothesen werden nicht erstattet, wenn sie überwiegend optischen Nutzen – beispielsweise bei Fingern – haben oder dazu dienen, über ein gewisses Grundbedürfnis hinaus Mobilität und Aktivität zurückzuerhalten – wie z.B. im Falle von Sportprothesen. Im Einzelfall entscheidet immer die Frage: benötigt der Patient die Prothese, um damit einen normalen Alltag – dazu gehört zum Beispiel die Rückkehr an den Arbeitsplatz – meistern zu können.

Hamburg, 17. Juli 2014

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