Penisprothese: So funktioniert das Schwellkörperimplantat

Michelle Kröger

Was tun bei schweren Erektionsproblemen? Ein Schwellkörperimplantat, auch Penisprothese genannt, kann unter Umständen eine Lösung darstellen. Jedoch müssen sich Patienten hier mit dem Gedanken an eine Operation am Glied anfreunden. Hinterher gibt es beim Geschlechtsverkehr jedoch kaum Einschränkungen mehr. Unser Experte, Dr. med. Franklin E. Kuehhas, spezialisierter Facharzt für Urologie und Andrologie aus Wien, erklärt alles rund um die Penisprothese.

Die Penisprothese ermöglicht ein Anschwellen des Glieds
EIne Penisprothese lässt das Glied wieder anschwellen Foto:  Dr. med. Franklin E. Kuehhas
Inhalt
  1. Was genau versteht man unter einer Penisprothese?
  2. Anwendungsgebiete: Wann wird eine Penisprothese nötig?
  3. Was sind mögliche Gründe für Erektionsstörungen?
  4. Penisimplantat: Gibt es verschiedene Varianten?
  5. Welche Art der Schwellkörperimplantate bietet mehr Vorteile?
  6. Ablauf: Wie implantiert man eine Penisprothese?
  7. Welche Risiken birgt ein Penisimplantat?
  8. Was ist bei einer Schwellkörperprothese zu beachten?
  9. Was sind mögliche Alternativen zur Schwellkörperprothese?
 

Was genau versteht man unter einer Penisprothese?

Der Begriff „Penisprothese” klingt für viele zunächst vielleicht missverständlich. Warum? “Eine Penisprothese ist keine Prothese im herkömmlichen Sinn”, erklärt Dr. Kuehhas. “Tatsächlich wird bei der Implantation einer Penisprothese nicht etwa der gesamte Penis ersetzt, sondern lediglich die nicht mehr richtig funktionierenden Schwellkörper.” Man spricht daher auch von einem sogenannten Schwellkörperersatz oder einem Schwellkörperimplantat.

Befürchtungen, dass Außenstehende etwas mitbekommen könnten, sind meist unnötig. Denn: “Dadurch, dass die Prothese in die Schwellkörper implantiert wird, ist sie für Außenstehende weder sichtbar noch erkennbar. Die Sexualpartnerin wird keinen Unterschied zu einem ‘normalen’ steifen Glied bemerken. Und auch die Mannschaftskameraden in der Gemeinschaftsdusche im Sportverein werden keinen Verdacht schöpfen”, sagt Experte Dr. Kuehhas.

Unser Experte Dr. Kuehhas ist Facharzt für Urologie und Andrologie mit einer Spezialausbildung in rekonstruktiver Andrologie
Unser Experte Dr. Kuehhas ist Facharzt für Urologie und Andrologie mit einer Spezialausbildung in rekonstruktiver Andrologie Foto:  Dr. med. Franklin E. Kuehhas
 

Anwendungsgebiete: Wann wird eine Penisprothese nötig?

Eine Penisprothese beziehungsweise ein Schwellkörperimplantat ist eine Therapieoption für Männer mit erektiler Dysfunktion im weit fortgeschrittenem Stadium. “Wenn konservative Behandlungsmethoden mit PDE5-Hemmern, Vakuumpumpen oder Prostaglandin-Injektionen nicht oder nicht länger anschlagen – man spricht dann von einer therapieresistenten erektilen Dysfunktion – kann die Implantation eines Schwellkörperimplantats die letzte Chance sein, wieder Sexualität leben zu können”, erklärt Dr. Kuehhas.

Außerdem kommen Penisprothesen aber auch zum Einsatz, wenn das Glied nach Erkrankungen (z.B. Krebserkrankungen, Penisverkrümmungen.) oder nach Unfällen mit schwerwiegenden Verletzungen des Penis chirurgisch neu aufgebaut oder wiederhergestellt werden muss. “Auch bei OP’s zu Geschlechtsanpassungen werden Schwellkörperimplantate genutzt, um eine Erektion zu ermöglichen”, so der Facharzt.

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Was sind mögliche Gründe für Erektionsstörungen?

Es gibt eine Vielzahl von Ursachen, die eine Potenzstörung auslösen können. “Zwar spielen psychologische Gründe wie Stress oder Versagensängste durchaus eine Rolle und wirken oft verstärkend, jedoch liegt im Großteil aller Fälle eine organische Ursache zugrunde."

Häufig stecken bei jüngeren Männern primär psychische Probleme hinter den Erektionsstörungen. Mit dem Alter sind es aber vor allem die körperlichen Ursachen. Diese können zum Beispiel sein …

  • Diabetes
  • Neurologische Probleme (Verletzungen des Rückenmarks, Parkinson, Alzheimer)
  • Kardiovaskuläre Erkrankungen (z.B. Bluthochdruck, Arteriosklerose, Herzinsuffizienz)
  • Potenzprobleme können auch Warnzeichen für eine generalisierte Gefäßerkrankung sein

Der Experte erläutert weiter:“Schlussendlich kann eine erektile Dysfunktion auch in Veränderungen am Penis wurzeln. So entwickeln etwa viele Männer, die an einer erworbenen Penisverkrümmung (Induratio Penis Plastica) leiden, im Laufe der Krankheit auch eine erektile Dysfunktion”. Und auch der Lebensstil könne sich auf die Potenz des Mannes auswirken: Übergewicht, Rauchen, exzessiver Alkoholkonsum, Bewegungsmangel können zu Erektionsproblemen führen.

 

Penisimplantat: Gibt es verschiedene Varianten?

Heutzutage kommen in der Regel zwei Varianten von Penisprothesen zum Einsatz. Zum einen gibt es die sogenannten semirigiden Prothesen: “Diese Modelle sind im Grunde nichts anderes als zwei starre Stäbchen mit Silikonbeschichtung, die in jede beliebige Richtung gebogen werden können und in die beiden Schwellkörperschenkel gesetzt werden. Vor dem Geschlechtsverkehr wird der Penis dann einfach in die gewünschte Position gebracht und hält diese durch die Prothese bei”, erklärt Dr. Kuehhas.

Andererseits gibt es die hydraulischen Penisprothesensysteme, die den natürlichen Erektionsmechanismus imitieren: “Diese Modelle bestehen wiederum aus drei Komponenten, die über dünne Schläuche miteinander verbunden sind”, führt der Urologe aus. “Im Bauchraum wird ein kleiner, mit Kochsalzlösung gefüllter Ballon platziert und in die beiden Schwellkörper des Penis zwei längliche Zylinder eingesetzt, die über eine kleine Pumpe im Hodensack mit der Kochsalzlösung gefüllt werden können. Das Füllen der Zylinder mit der Kochsalzlösung bewirkt, dass sich der Penis aufrichtet und steif wird.” Auf diese Weise kann jederzeit eine vollständige Erektion erlangt werden.

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Nach dem Geschlechtsverkehr könne dem Facharzt zufolge durch die Betätigung des Ablassventils an der Pumpe im Hodensack die Erektion wieder rückgängig gemacht werden. Die Kochsalzlösung fließt dann wieder zurück ins Reservoir im Bauchraum, die Zylinder leeren sich, die Erektion geht zurück. Rigide Prothesen – sprich: nicht biegsame und damit „immer erigierte“ Schwellkörperimplantate – werden heute nicht mehr eingesetzt.

 

Welche Art der Schwellkörperimplantate bietet mehr Vorteile?

Meist setzt man Dr. Kuehhas zufolge auf hydraulische Prothesen, da diese den natürlichen Erektionsmechanismus imitieren und für den Patienten die Vorteile im Alltag deutlich überwiegen. Denn: “Bei semirigiden Prothesen bleibt das Glied auch in der ‘Ruhephase’ immer gleich lang und dick, wird einfach nur nach unten oder zur Seite gebogen. Dadurch dass die hydraulischen Prothesen aus mehreren Komponenten bestehen, ist aber natürlich die Operation komplizierter und das Implantat anfälliger für technische Defekte.”

Grundsätzlich seien die Zufriedenheitsraten unter Patienten, denen ein Schwellkörperersatz implantiert wurde, sowohl beim Betroffenen als auch bei der Partnerin, mit bis zu 98 % Zufriedenheit sehr hoch. Wobei die hydraulischen Systeme die semirigiden Prothesen noch übertreffen. Zum Vergleich: “Mit Sildenafil, also Viagra sind lediglich die Hälfte (52 %) zufrieden”, wie der Dr. Kuehhas erläutert.

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Ablauf: Wie implantiert man eine Penisprothese?

Eine solche Operation dauert in der Regel zwischen 60 und 120 Minuten und wird unter Vollnarkose durchgeführt. In die beiden Schwellkörper des Glieds werden die Zylinder der hydraulischen Prothese, oder die beiden Stäbe der semirigiden Prothese, eingebracht.

“Bei der Implantation einer hydraulischen dreiteiligen Penisprothese wird außerdem das Reservoir für die Kochsalzlösung durch den Leistenkanal hinter die Bauchwand platziert. In den Hodensack wird eine kleine Pumpe mit Ablassventil eingebracht. Diese drei Komponenten werden mit kleinen Schläuchen miteinander verbunden, um die Kochsalzlösung zwischen Zylinder und Reservoir hin- und herzupumpen”, führt Dr. Kuehhas aus.

Besonders die Implantation des mehrteiligen Schwellkörperersatzes sei nicht unkompliziert und sollte nur von erfahrenen Ärzten durchgeführt werden.

 

Welche Risiken birgt ein Penisimplantat?

Patienten sollten sich stets umfassend aufklären und keine Frage offen lassen. Immerhin handelt es sich um einen operativen Eingriff. Was kann dabei schiefgehen? “So wie bei jeder Operation bestehen auch bei der Implantation einer Penisprothese potenzielle Nebenwirkungen und Risiken. Die größten Risiken sind dabei ein mechanisches Versagen der Prothese oder eine Infektion”, so der Experte.

Die Wahrscheinlichkeit für ein mechanisches Versagen werde in der Literatur jedoch mit weniger als fünf Prozent angegeben. “Das Risiko einer Infektion liegt aufgrund der neuesten Generation antibiotisch beschichteter Penisprothesen bei zirka ein bis drei Prozent.”

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Was ist bei einer Schwellkörperprothese zu beachten?

“Nach der postoperativen Heilungsphase von vier bis sechs Wochen sollte man beim Geschlechtsverkehr noch etwas vorsichtig sein, um sich an die neuen Umstände zu gewöhnen. Später gehen mit einer Penisprothese im Grunde aber keine Einschränkungen mehr mit einher”, erklärt Dr. Kuehhas.

Theoretisch könne man mit einem Schwellkörperimplantat sogar so oft und so lange Geschlechtsverkehr haben, wie man möchte. Warum? Nach dem Orgasmus geht die Erektion nicht wie gewohnt zurück, das Glied bleibt zunächst noch erigiert. Erst mit der bewussten Betätigung des Ablassventils der Penisprothese klingt die Erektion wieder ab. 

Und was ist mit dem Thema Kinderwunsch? “Die Familienplanung muss nach der Implantation eines Implantats nicht abgeschlossen sein. Auch mit einem Schwellkörperersatz können in der Regel weiterhin Kinder gezeugt werden, da ja lediglich die verloren gegangene Erektionsfähigkeit ersetzt wird. Sofern keine anderen Probleme hinzukommen bleiben Orgasmus- und Ejakulationsfähigkeit erhalten.” 

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Was sind mögliche Alternativen zur Schwellkörperprothese?

In der Regel stellt eine Penisprothese die letzte Therapieoption bei erektiler Dysfunktion dar. Der erfahrene Mediziner betont: “Ein operativer Eingriff – noch dazu am ‘besten Stück des Mannes’ – sollte allerdings natürlich immer die letzte Option sein und nur durchgeführt werden, wenn konservative Therapien nicht mehr entsprechend greifen”.

Wer unter Erektionsstörungen leidet, sollte frühzeitig einen Arzt aufsuchen und das Problem ausführlich besprechen – ohne falsche Scham. “Die moderne Medizin bietet für jedes Stadium der erektilen Dysfunktion eine Lösung.” Am wichtigsten sei es jedoch, immer zu verstehen, wo die Ursache des Problems liegt, um den richtigen Therapieansatz zu wählen. Eine Penisprothese sollte also erst im letzten Schritt in Betracht gezogen werden.

Unser Experte: Dr. med. Franklin E. Kuehhas, FECSM ist Facharzt für Urologie und Andrologie und einer der wenigen Ärzte mit einer Spezialausbildung in rekonstruktiver Andrologie mit Fokus auf männliche Genitalchirurgie. In seiner Ordination in Wien behandelt Dr. Kuehhas die kleinen und die großen Probleme des Mannes.

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