Penis-Sticker – eine Alternative zum Kondom?

Michelle Kröger

Latexgeruch und Lustkiller – zwar zählt das Kondom deutschlandweit zu den beliebtesten Verhütungsmitteln, hundertprozentig zufrieden sind viele Frauen und Männer mit dieser Verhütungsmethode aber noch nicht. Jetzt gibt es eine vermeintlich "einfache Alternative".

Zwei angemalte Finger mit Gesicht unter einem Kondom
Das Kondom gilt immer noch als das sicherste Verhütungsmittel. Langsam drängen diverse Alternativen auf den Markt Foto:  istock/mukhina1
Inhalt
  1. Was sind Penis-Sticker?
  2. Wie funktioniert der neue Verhütungstrend?
  3. Ist der Penis-Sticker eine sichere Verhütungsmethode?
  4. Penis-Sticker: Gesundheitliche Folgen für den Mann
  5. Fazit: Kondom oder Verhütungs-Sticker?

Viele sind mit der Verhütung mit einem Kondom unzufrieden. Und auch die Pille oder Hormonspirale stehen aufgrund ihrer starken Nebenwirkungen immer wieder zur Diskussion. Eine Neuheit unter den Verhütungsmitteln verspricht nun wieder mehr Spaß am Sex. Doch was kann der Penis-Sticker wirklich? Wie sicher ist die neuartige Verhütungsmethode? Und ist der Verhütungstrend gesundheitlich komplett unbedenklich?

 

Was sind Penis-Sticker?

Bei den Penis-Stickern handelt es sich tatsächlich um kleine, flexible, dreieckige Aufkleber, die vor dem Geschlechtsverkehr auf die Penisspitze des Mannes geklebt werden. So sollen sie anstelle eines Kondoms vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen. Die amerikanische Firma Jiftip, Hersteller der Penis-Aufkleber, verspricht ein echtes und intensiveres Gefühl beim Sex – ganz ohne Kondom oder Eingriff in den Hormonhaushalt. Doch gewährleistet der kleine Verhütungsaufkleber wirklich einen zuverlässigen Schutz? Eine gesunde Skepsis ist in diesem Fall angebracht.

 

Wie funktioniert der neue Verhütungstrend?

Bevor wir uns der Frage widmen, ob der Penis-Sticker als eine sichere Verhütungsmethode eingestuft werden kann, erklären wir Ihnen zunächst, wie der neue Verhütungstrend (laut Hersteller) funktionieren soll. Den Angaben nach soll der Verhütungs-Sticker vor dem Geschlechtsverkehr auf die trockene und gereinigte Penisspitze (in der Fachsprache Meatus genannt) geklebt werden. Die zarte und transparente Folie versiegelt auf diese Weise den Penis, sodass kein Sperma in die Scheide der Frau gelangen kann. Nach dem Geschlechtsverkehr kann der Sticker einfach wieder abgezogen werden. Wie ein Kondom kann jeder Penis-Sticker nur einmal verwendet werden. Soweit die Theorie – doch funktioniert diese revolutionäre Verhütungsmethode auch in der Praxis?

 

Ist der Penis-Sticker eine sichere Verhütungsmethode?

Diese Frage ist mit einem klaren “Nein” zu beantworten. Kurz zusammengefasst: Die neue Erfindung schützt weder vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten noch vor einer ungewollten Schwangerschaft. Vor Geschlechtskrankheiten kann der Penis-Sticker nämlich gar nicht schützen, da er nur die Penisspitze, nicht aber den gesamten Penisschaft des Mannes bedeckt. Der zuverlässige Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft ist deshalb nicht zu gewährleisten. Der Aufkleber kann ganz leicht verrutschen. Verrutscht der Penis-Sticker nur um ein paar Millimeter, kann Sperma ungehindert in die Scheide der Frau eintreten – als würden Sie gar nicht verhüten. Der Unterschied zum Kondom: Reißt ein Kondom, bemerken Sie es und können auf dieses Missgeschick reagieren. Verhüten Sie aber mit einem Penis-Sticker, kann durchaus der Fall eintreten, dass Sie das Verrutschen des Aufklebers gar nicht bemerken. So können Sie nachträglich auch keine andere Verhütungsmethode wie zum Beispiel die Pille danach wählen. 

Die Pille für den Mann
Übersicht Pille für den Mann: Verhütung ohne Hormon-Cocktail

 

Penis-Sticker: Gesundheitliche Folgen für den Mann

Ist es gesundheitlich wirklich ganz unbedenklich, den Penis beim Sex abzukleben? Auch bei dieser Frage fällt die Antwort negativ aus, denn für den Mann sind beim Verwenden des Verhütungsaufklebers sehr wohl einige Risiken und Nebenwirkungen zu beachten. Zum einen kann der Kleber der Penis-Sticker Hautirritationen hervorrufen, die vor allem an so sensiblen Stellen wie dem Penis sehr unangenehm  und schmerzhaft sein können. Zum anderen ist allein schon das Abziehen des Aufklebers nach dem Geschlechtsverkehr mit Schmerzen verbunden. Das größte Risiko stellt allerdings das Zurückfließen des Spermas über die Harnröhre zurück in die Samenkanäle dar. Hier kann sich ein Rückstau bilden, der laut Experten in den schlimmsten Fällen zu Verstopfungen oder Entzündungen führen kann.

Trotzdem sollten Sie nicht alles glauben, was Sie Erschreckendes über Penis-Sticker und ihre Nebenwirkungen lesen und hören. Ernsthafte Schäden mit langfristigen Folgen, Tumore oder Unfruchtbarkeit durch Penis-Sticker sind nämlich lediglich Spekulationen und dem Hype über den aktuellen Verhütungstrend aus Amerika geschuldet. Fest steht allerdings: Ungefährlich sind die Penisaufkleber keinesfalls.

 

Fazit: Kondom oder Verhütungs-Sticker?

Experten zufolge sollte man den Penis-Sticker nicht als alleinige Verhütungsmethode verwenden. Ja, der Sticker kann theoretisch vor einer Schwangerschaft schützen. Aber nur, wenn er dichthält. Und das bleibt fraglich. Es ist schließlich nicht bewiesen, dass kein Ejakulat austritt.

Penis-Sticker sind also keine sichere Verhütungsmethode – und bieten keinen Schutz vor Geschlechtskrankheiten. Stattdessen bergen sie eine Vielzahl an Risiken und Nebenwirkungen, vor allem für den Mann. Als Alternative zum Kondom sind sie aus diesen Gründen nicht geeignet. Die Vorstellung auf ein Verhütungsmittel, das mehr Spaß am Sex verspricht – ganz ohne Kondom und Eingriff in den Hormonhaushalt – war wohl zu schön, um wahr zu sein. Allerdings gibt es bereits andere hormonfreie Alternativen der Verhütung, die Sie wählen können. Individuelle Fragen zu den einzelnen Verhütungsmethoden besprechen Sie am besten mit Ihrem Gynäkologen.

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