Peking – wie krank macht Smog?

Smog über Peking
Seit Tagen liegt Chinas Hauptstadt wieder unter einer Smog-Glocke. Seit Dienstag herrscht erstmals höchste Smog-Alarmstufe © Fotolia

Erstmals wurde in Peking wegen dem starken Smog die Alarmstufe Rot ausgerufen. Was bedeutet das für die dort lebenden Menschen? Wie entsteht Smog und welche Auswirkungen hat er auf den Körper?

Dichter Nebel hängt über der Stadt, Passanten mit Atemmasken eilen vorbei: In Peking herrscht wieder einmal Smog-Alarm. Doch seit Dienstagmorgen um sieben Uhr gilt zum ersten Mal die Alarmstufe Rot wegen Luftverschmutzung. Für die Bevölkerung bedeutet das: Jedes Auto darf nur noch alle zwei Tage fahren, Kindergärten und Schulen haben geschlossen, Fabriken müssen vorübergehend ihre Produktion einschränken. Bis Donnerstag, zwölf Uhr gelten diese Einschränkungen zunächst.

 

Was ist Smog?

Der Begriff Smog setzt sich aus den englischen Worten „Smoke“ (Rauch) und „Fog“ (Nebel) zusammen. Es bezeichnet die deutlich sicht- und fühlbare Verschmutzung der Atmosphäre, bei der es zur Bildung von Abgasnebel über Ballungsgebieten kommt. Die Sichtweite ist eingeschränkt, manchmal auf nur wenige Meter.

 

Wie kommt es zur Alarmstufe Rot?

Die verschiedenen Alarmstufen sind nicht an feste Größen gekoppelt. Zurzeit betragen die Feinstaubwerte rund 250 Mikrogramm pro Kubikmeter – das sind zwar hohe Werte, aber keine Rekordwerte. In der letzten Woche war der Wert auf ein Jahreshoch von über 600 gestiegen und damit auf mehr als das 24-Fache des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Grenzwertes.

Welche Alarmstufe ausgerufen wird, obliegt zuständigen chinesischen Behörden. Letzte Woche hatte es heftige Kritik gehagelt, weil trotz der hohen Werte nicht die höchste Alarmstufe ausgerufen wurde – als Reaktion wurde sie nun ausgerufen.

Smog
Die typischen Atemmasken gegen Smog bieten laut Experten nur eingeschränkt Schutz vor den Schadstoffen© Fotolia
 

Wie kann Smog der Gesundheit schaden?

Wer sich zurzeit in Peking im Freien aufhält, atmet einen Mix aus Schadstoffen ein: Kohlenmonoxid, Stickoxide, Schwefeldioxid und Ruß gelangen in die Atemwege. Dabei können sich kleine Feinstaubpartikel in der Lunge ablagern und Entzündungsreaktionen verursachen. Diese wiederum rufen die Immunabwehr auf den Plan, die mit Husten und Auswurf reagiert. Besonders Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Bronchitis oder Asthma sind davon betroffen. Doch auch, wer nicht an solchen Erkrankungen leidet, kann den Smog sofort zu spüren bekommen, beispielsweise durch Reizhusten, Übelkeit oder Kopfschmerzen.

Bei wiederkehrender und lang anhaltender Smog-Belastung kann sogar das Herz-Kreislauf-System Schaden nehmen. So beobachten Mediziner während starker Smogwerte eine höhere Zahl von Herzinfarkten und Schlaganfällen. Als Grund wird unter anderem eine durch die Luftverschmutzung bedingte Verengung der Blutgefäße vermutet.

Umweltgifte sind mittlerweile die Todesursache Nummer eins in China. Sie sind auch der Grund dafür, dass Krebserkrankungen dort in den letzten Jahren auf Platz eins der häufigsten Todesarten gewandert sind. Einer von vier Chinesen stirbt, statistisch gesehen, an Krebs – und das führen Mediziner unter anderem auf die hohe Smog-Belastung zurück.

 

Wie kann man sich vor Smog schützen?

Die Bilder von Atemmasken tragenden Chinesen gehen zurzeit wieder um die Welt. Doch diese Masken bieten keinen ausreichenden Schutz, sagen Experten – sie lassen viele Partikel der Schadstoffe durch. Mediziner raten Bewohnern von Smog-Gebieten dazu, jede körperliche Anstrengung zu meiden, da diese zu schnellerer Atmung führt und dazu, dass noch mehr Schadstoffe durch die Atemluft aufgenommen werden. Einige raten zu einer vermehrten Vitaminaufnahme, beispielsweise durch ein Glas Orangensaft am Morgen – sie könne dem Körper dabei helfen, besser mit den Folgen des Smogs zurechtzukommen.

 

Warum gibt es in China so viel Smog?

„China ist der größte Kohleverbrenner der Welt“, erklären Jens Lubbadeh und Xifan Yang von Greenpeace. „Einige der dreckigsten Kohlekraftwerke und Städte der Welt befinden sich in China.“ Insgesamt sind es mindestens 620 Kraftwerke – und die sind der Motor der chinesischen Wirtschaft: Sie liefern die Energie für nahezu alle Fabriken. Pro Jahr stoßen sie etwa neun Millionen Tonnen Stickoxide aus. Die Folgen sind verheerend: Einer Studie zufolge sollen die chinesischen Kohlekraftwerke 2011 für den vorzeitigen Tod von 260.000 Chinesen verantwortlich gewesen sein.

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