PCOS – Ursache für das verbreitete Leiden entschlüsselt

Verena Elson Medizinredakteurin
Bei Frauen mit dem Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) bilden sich häufig Zysten in den Eierstöcken und der Eisprung kann unregelmäßig oder gar nicht stattfinden
Bei Frauen mit dem Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) bilden sich häufig Zysten in den Eierstöcken und der Eisprung kann unregelmäßig oder gar nicht stattfinden © wildpixel/iStock

Das sogenannte Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS für englisch polycystic ovary syndrome) ist eine weit verbreitete hormonelle Erkrankung bei Frauen und ein häufiger Grund für unerfüllten Kinderwunsch. Jetzt sind Forscher der Ursache für die Hormonstörung auf die Spur gekommen – damit rückt eine Therapiemöglichkeit näher.

Frauen mit PCOS haben einen Überschuss an männlichen Hormonen – das hat negative Auswirkungen auf ihre Fruchtbarkeit: Der Zyklus ist unregelmäßig, der Eisprung kann ausbleiben oder nur unreife Eizellen hervorbringen. Dazu bilden sich bei betroffenen Frauen häufig Zysten an den Eierstöcken, die deren Funktion stören.

Mediziner wissen seit Langem, dass ein Ungleichgewicht im Hormonhaushalt der betroffenen Frauen zu den Symptomen führt und das speziell der hohe Spiegel eines Hormons namens Anti-Müller-Hormon (AMH) dazu beiträgt. Dieses Hormon spielt bei der Geschlechtsdifferenzierung beim Embryo im Mutterleib eine wichtige Rolle – beim männlichen Embryo bewirkt es, dass sich die sogenannten Müller-Gänge, aus denen später die weiblichen Geschlechtsorgane entstehen würden, zurückbilden.

 

Wie wird PCOS von der Mutter an die Tochter weitergegeben?

Worin die Ursache für das Ungleichgewicht im Hormonsystem bei Frauen mit PCOS liegt, war bisher unklar. Auch die Frage, wie Mütter mit PCOS die Krankheit an ihre weiblichen Nachkommen weitergeben, gab der Forschung Rätsel auf. Wissenschaftlern der Universität im französischen Lille haben jetzt womöglich die Antwort auf diese Fragen gefunden. 

In ihrer aktuellen Studie beschäftigten sie sich ebenfalls mit dem Anti-Müller-Hormon. Während bereits bekannt war, dass ein erhöhter Spiegel dieses Hormons häufig zu weiblicher Unfruchtbarkeit führt, widmeten Mediziner einer anderen Frage bisher wenig Aufmerksamkeit: Wie verhält sich der AMH-Spiegel bei Schwangeren mit PCOS (bei gesunden Frauen sinkt der Hormonspiegel in der Schwangerschaft) – und welchen Einfluss hat er auf das Ungeborene?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, analysierten die Forscher Blutproben von Frauen mit und ohne PCOS, die sich alle im zweiten Schwangerschaftstrimester befanden. Sie stellten fest: Bei Frauen mit der Hormonstörung ist der AMH-Spiegel auch in der Schwangerschaft deutlich höher als bei gesunden Frauen.

 

PCOS entsteht schon im Mutterleib

Anschließend injizierten die Forscher trächtigen Mäusen AMH und beobachteten, welche Auswirkungen das auf die weiblichen Nachkommen der Tiere hatte. Und tatsächlich: Im Erwachsenenalter entwickelten die Mäuse PCOS-Symptome wie einen unregelmäßigen Zyklus und erhöhte Testosteronspiegel.

Der Grund dafür könnte laut Vermutung der Forscher sein, dass ein hoher AMH-Spiegel die sogenannte Aromatase hemmt, ein Enzym in der Plazenta, das Testosteron in Östrogen umwandelt. Wenn diese Umwandlung nicht effizient von Statten geht, wird das Ungeborene im Mutterleib deutlich mehr Testosteron ausgesetzt als üblich – das wiederum fördert die späteren Hormonstörungen.

Nachdem die Forscher das Rätsel um die Entstehung von PCOS gelöst hatten, starteten sie einen ersten Versuch, erkrankte Mäuse zu heilen. Und tatsächlich gelang ihnen das mit einem Medikament, dass bereits bei Frauen zur Vorbereitung einer künstlichen Befruchtung eingesetzt wird. Die mit dem Mittel namens Cetrorelix behandelten Tiere zeigten keine Symptome mehr. Das Team will womöglich noch in diesem Jahr mit Studien beginnen um zu überprüfen, ob das Mittel auch bei Menschen den gewünschten Effekt haben kann.

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