Paxlovid: Rebound-Effekt und Nebenwirkungen

Mit Paxlovid ist das erste Corona-Medikament auf den Markt, welches gut wirkt. Dennoch wird vor einem sogenannten Rebound-Effekt gewarnt – einem erneuten Aufflammen von COVID-19 durch die medikamentöse Behandlung. Was dahinter steckt und welche Nebenwirkungen Paxlovid auslösen kann.

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Das Corona-Medikament Paxlovid von Pfizer überzeugte in einer Studie derart, dass die Testphase aufgrund seiner „überwältigenden Wirksamkeit“ auf Empfehlung eines unabhängigen Überwachungskomitees vorzeitig abgebrochen wurde.

Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird es offiziell für Menschen empfohlen, die bisher nicht schwer an Covid erkrankt sind, aber das höchste Risiko für einen schweren Verlauf mit Krankenhausaufenthalt haben. Dazu zählen laut WHO etwa „ungeimpfte, ältere oder immunsupprimierte Patient:innen“.

Paxlovid Erfahrungen: Prominentes Beispiel zeigt ungewöhnlichen Effekt

Zu diesen zählte auch US-Präsident Joe Biden, der das Medikament erst unlängst aufgrund einer Corona-Erkrankung erhielt. Für viele Schlagzeilen sorgte der Fall jedoch erst ein paar Tage später, als die Infektion eigentlich schon überstanden war. Denn Biden erlitt im Zuge der medikamentösen Behandlung einen sogenannten Rebound-Effekt.

Behörde warnt vor Rebound-Effekt nach Paxlovid-Einnahme

Obwohl Expert:innen und auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach von der Wirkung des Corona-Medikaments Paxlovid überzeugt sind, ist dessen Einnahme nicht ohne Risiken. Vor einem speziellen Risiko warnte die US-amerikanische Behörde CDC bereits im Mai diesen Jahres.

Denn obwohl das antivirale Präparat die Sterberate bei COVID-19 bei rechtzeitiger Einnahme nachweislich senkt, besteht laut neuesten Erkenntnissen das Risiko eines erneuten Aufflammens von COVID-19 nach der Genesung. So warnt die amerikanische Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) davor, dass es bei einigen Patient:innen mit "normaler Immunreaktion" nach Einnahme von Paxlovid erneut zu positiven Testergebnissen und Symptomen kam. Genau dies musste auch US-Präsident Joe Biden erleben.

Rebound-Effekt nach Paxlovid: Was ist das?

Der COVID-Rebound tritt etwa zwei bis acht Tage nach einer Behandlung mit Paxlovid auf. Die Behandlung selber ddauert in der Regel fünf Tage an. Das bedeutet: Nachdem die Patient:innen nach erfolgreicher Behandlung zunächst negativ getestet weren, flammt die COVID-Infektion anschließend wieder auf. Dieser zweite Schub sei unabhängig vom Impfstatus, berichtet unter anderem die "Pharmazeutische Zeitung".

Dies bedeute jedoch nicht, dass eine Behandlung durch Paxlovid unnötig wäre. Die erneuten Corona-Schübe nach der Paxlovid-Behandlung verlaufen demnach in der Regel milde und müssen nicht erneut medikamentös behandelt werden.

Wirkungsweise von Paxlovid

Die Wirksamkeit des Medikaments gilt immer noch als unumstritten. In einer Studie mit 1.993 Corona-Erkrankten, die alle ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-Verlauf hatten, konnte Paxlovid bereits zu Beginn der Testphase vielversprechende Ergebnisse erzielen: Während in der Placebogruppe (etwa die Hälfte der Studienteilnehmer:innen) 68 Erkrankte in einer Klinik behandelt werden mussten, waren es in der Paxlovid-Gruppe nur neun Proband:innen.

Der Schutz vor einem notwendigen Krankenhausaufenthalt beträgt für Risikopatient:innen demnach 89 Prozent, wenn die Einnahme bereits drei Tage nach Symptombeginn angefangen wird. Liegen zwischen Symptombeginn und Behandlung fünf Tage, liegt der Schutz noch bei 85 Prozent.

Von den mit Paxlovid behandelten Patient:innen verstarb niemand – in der Placebogruppe gab es 17 Tote zu beklagen.

Wie wird Paxlovid eingenommen?

Ein besonderes Plus bei der neuen Entdeckung: Paxlovid kann als Tablette eingenommen werden – im Vergleich zu Wirkstoffen, die als Infusion verabreicht werden müssen, vereinfacht das die Einnahme für die Patient:innen erheblich und spart zusätzlich Kapazitäten im Gesundheitswesen.

Woraus besteht das Corona-Medikament?

Paxlovid besteht im Wesentlichen aus zwei Hauptkomponenten:

  • PF-0732132: Der Hauptwirkstoff in Paxlovid blockiert die sogenannte Protease-3CL – dieses Enzym spielt eine wichtige Rolle bei der Vermehrung von SARS-CoV-2 in der Wirtszelle.

  • Ritonavir: Die Aufgabe dieses „Hilfsstoffs“ ist es, dafür zu sorgen, dass der Abbauprozess von PF-0732132 im Körper verlangsamt wird – so bleibt der Wirkstoff länger im Organismus. Dieser Wirkstoff wird in Kombination mit anderen Mitteln auch in der HIV-Therapie eingesetzt.

Was ist so besonders an Paxlovid?

Besonders ist sicherlich die Rekordgeschwindigkeit, mit der das Corona-Medikament entwickelt wurde. Das Coronavirus SARS-CoV-2 wurde erst vor etwa zwei Jahren entdeckt – um ein so wirksames Medikament gegen ein neues Virus zu entwickeln, braucht es in der Regel mehrere Jahre. Der Grund dafür ist, dass die Mechanismen, mit denen das Virus sich in der Wirtszelle vermehrt, bis ins Detail bekannt sein müssen, um einen Stoff zu finden, der diese Abläufe zuverlässig unterbindet.

Bei den meisten Arzneistoffen, die bisher zur Corona-Therapie im Gespräch waren, handelte es sich darum um Medikamente, die bereits für andere Erkrankungen zugelassen waren (z. B. Remdesivir gegen Ebola). Für eine „Punktlandung“, wie Pfizer sie laut den Studienergebnissen mit Paxlovid hingelegt hat, sind knapp zwei Jahre eine erstaunlich kurze Zeit.

Große Hoffnung für Immungeschwächte

Besonders für Menschen mit einem geschwächten oder medikamentös unterdrückten Immunsystem bedeutet ein wirksames Corona-Medikament eine große Hoffnung. Denn das zweite große Standbein im Kampf gegen die Pandemie, die Impfung, stützt sich auf die „Mitarbeit“ der Körperabwehr – und ist diese geschwächt, kann auch die Impfung nicht ihre volle Wirkung entfalten.

Paxlovid in Deutschland erhältlich: Wann wird es verschrieben?

Das Corona-Medikament Paxlovid ist bereits in Deutschland erhältlich, kommt allerdings nur für eine kleine Gruppe von Menschen als Behandlungsmethode infrage. So erklärt die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, dass das Medikament "für Ungeimpfte über 65 Jahren" geeignet sei, die noch nicht genesen sind. Diese Personen müssten dann innerhalb der nächsten fünf Tage nach Symptombeginn mit Paxlovid behandelt werden. Der Zeitraum von fünf Tagen müsse dabei eingehalten werden, da das Arzneimittel ansonsten die Corona-Infektion nicht mehr nennenswert beeinflussen kann, erklärt Stefan Kluge, Intensivmediziner und Experte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin gegenüber dem "Focus".

Paxlovid auf Rezept in der Apotheke

Der:die Ärzt:in kann das Corona-Medikament bei Bedarf auf Rezept verschreiben und der:die Patient:in kann sich Paxlovid in der Apotheke besorgen. Wichtig: Aufgrund der Eile, die bei der Einnahme des Medikamentes geboten ist, kann die Arztpraxis auch direkt das Rezept an die Apotheke schicken, damit diese Paxlovid im Großhandel bestellen kann.

Paxlovid Nebenwirkungen

Zwar werden die Nebenwirkungen von den Studienautor:innen bei der Zulassungsstudie als gering beschrieben, die notwendigen Daten liegen dazu aber noch nicht vor. Dennoch sind die Hoffnungen groß, da bislang keine gravierenden Nebenwirkungen bekannt sind.

Quellen:

Pfizers Paxlovid verhindert schwere Verläufe, in: deutsche-apotheker-zeitung.de

Pfizer says its antiviral pill slashes risk of severe COVID-19 by 89%, in: reuters.com