Paxlovid: Neues Corona-Medikament mit „überwältigender“ Wirksamkeit

Verena Elson Medizinredakteurin

Ein neues Corona-Medikament von Pfizer wirkt so gut, dass die Studie frühzeitig gestoppt wurde – „Paxlovid“ soll Risikopatienten nicht länger vorenthalten werden. Was steckt hinter dem neuen Medikament?  

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Inhalt
  1. Wie wirksam ist Paxlovid?
  2. Wie wird Paxlovid eingenommen?
  3. Woraus besteht das Medikament?
  4. Was ist so besonders an Paxlovid?
  5. Große Hoffnung für Immungeschwächte
  6. Wird jetzt alles gut?

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Ein Corona-Medikament, als Tablette eingenommen, schützt zu fast 90 Prozent vor schweren Covid-Verläufen. Das US-Pharmaunternehmen Pfizer will jetzt die Zulassung von Paxlovid in den USA beantragen. Was macht das Medikament so besonders? 

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Wie wirksam ist Paxlovid?

In einer Studie mit 1.993 Corona-Erkrankten, die alle ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-Verlauf hatten, konnte Paxlovid vielversprechende Ergebnisse erzielen: Während in der Placebogruppe (etwa die Hälfte der Studienteilnehmer:innen) 68 Erkrankte in einer Klinik behandelt werden mussten, waren es in der Paxlovid-Gruppe nur neun Proband:innen.

Der Schutz vor einem notwendigen Krankenhausaufenthalt beträgt für Risikopatient:innen demnach 89 Prozent, wenn die Einnahme bereits drei Tage nach Symptombeginn angefangen wird. Liegen zwischen Symptombeginn und Behandlung fünf Tage, liegt der Schutz noch bei 85 Prozent.

Von den mit Paxlovid behandelten Patient:innen verstarb niemand – in der Placebogruppe gab es 17 Tote zu beklagen.

Aufgrund der laut Pfizer „überwältigenden Wirksamkeit“ wurde die Studie auf Empfehlung eines unabhängigen Überwachungskomitees vorzeitig abgebrochen und der Antrag auf Notfallzulassung bei der US-Arzneimittelbehörde vorbereitet. Das ist durchaus üblich bei so vielversprechenden Studienergebnissen – denn es wäre unethisch, Menschen in der Placebo-Gruppe ein Medikament vorzuenthalten, das im Zweifel Leben retten kann.

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Wie wird Paxlovid eingenommen?

Ein besonderes Plus bei der neuen Entdeckung: Paxlovid kann als Tablette eingenommen werden – im Vergleich zu Wirkstoffen, die als Infusion verabreicht werden müssen, vereinfacht das die Einnahme für die Patient:innen erheblich und spart zusätzlich Kapazitäten im Gesundheitswesen.

 

Woraus besteht das Medikament?

Paxlovid besteht im Wesentlichen aus zwei Hauptkomponenten:

  • PF-0732132: Der Hauptwirkstoff in Paxlovid blockiert die sogenannte Protease-3CL – dieses Enzym spielt eine wichtige Rolle bei der Vermehrung von SARS-CoV-2 in der Wirtszelle.
  • Ritonavir: Die Aufgabe dieses „Hilfsstoffs“ ist es, dafür zu sorgen, dass der Abbauprozess von PF-0732132 im Körper verlangsamt wird – so bleibt der Wirkstoff länger im Organismus. Dieser Wirkstoff wird in Kombination mit anderen Mitteln auch in der HIV-Therapie eingesetzt.
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Was ist so besonders an Paxlovid?

Besonders ist sicherlich die Rekordgeschwindigkeit, mit der das Corona-Medikament entwickelt wurde. Das Coronavirus SARS-CoV-2 wurde erst vor weniger als zwei Jahren entdeckt – um ein so wirksames Medikament gegen ein neues Virus zu entwickeln, braucht es in der Regel viele Jahre. Der Grund dafür ist, dass die Mechanismen, mit denen das Virus sich in der Wirtszelle vermehrt, bis ins Detail bekannt sein müssen, um einen Stoff zu finden, der diese Abläufe zuverlässig unterbindet.

Bei den meisten Arzneistoffen, die bisher zur Corona-Therapie im Gespräch waren, handelte es sich darum um Medikamente, die bereits für andere Erkrankungen zugelassen waren (z. B. Remdesivir gegen Ebola). Für eine „Punktlandung“, wie Pfizer sie laut den Studienergebnissen mit Paxlovid hingelegt hat, sind knapp zwei Jahre eine erstaunlich kurze Zeit.

 

Große Hoffnung für Immungeschwächte

Besonders für Menschen mit einem geschwächten oder medikamentös unterdrückten Immunsystem bedeutet ein wirksames Corona-Medikament eine große Hoffnung – denn das zweite große Standbein im Kampf gegen die Pandemie, die Impfung, stützt sich auf die „Mitarbeit“ der Körperabwehr – und ist diese geschwächt, kann auch die Impfung nicht ihre volle Wirkung entfalten.

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Wird jetzt alles gut?

Auch, wenn die positiven Studienergebnisse von Mediziner:innen mit Freude aufgenommen werden, gibt es noch Fragezeichen. So wurden die Studienergebnisse bisher in keiner Fachzeitschrift veröffentlicht, auch die Prüfung durch Zulassungsbehörden steht noch aus.

Zwar werden die Nebenwirkungen von den Studienautor:innen als gering beschrieben, die notwendigen Daten liegen dazu aber noch nicht vor. Dennoch sind die Hoffnungen groß, mit Paxlovid bald ein wirksames Corona-Medikament für Risikopatient:innen zur Verfügung zu haben.

Quellen:

Pfizers Paxlovid verhindert schwere Verläufe, in: deutsche-apotheker-zeitung.de

Pfizer says its antiviral pill slashes risk of severe COVID-19 by 89%, in: reuters.com

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