Paul-Ehrlich-Preis: Das sind die Preisträger

Verena Elson
Preisträger des Paul-Ehrlich-Preises 2015
Dr. Raja Atreya (links) erhielt den diesjährigen Paul Ehrlich- und Ludwig-Darmstädter-Nachwuchspreis. Den Hauptpreis teilten sich James P. Allison (Mitte) und Carl June (rechts) © Goethe-Universität Frankfurt am Main

Die diesjährigen Paul-Ehrlich-Preisträger wurden für Innovationen in der Behandlung von Krebs und Morbus Crohn ausgezeichnet. Praxisvita erklärt, was hinter den neuen Erfindungen steckt.

Der Paul-Ehrlich-und Ludwig-Darmstädter-Preis wird jedes Jahr in der Frankfurter Paulskirche für wegweisende Forschungsergebnisse in der Medizin verliehen und ist mit 100.000 Euro dotiert. Das diesjährige Preisgeld teilen sich die US-Amerikaner James P. Allison (66) und Carl H. June (61). Sie wurden am Samstag für ihre Pionierleistungen in der Immuntherapie gegen Krebs ausgezeichnet.

 

Was ist die Immuntherapie gegen Krebs?

Unser Immunsystem ist ein gut organisierter Abwehrmechanismus: Sobald es körperfremde Stoffe wie Viren registriert hat, werden sogenannte Antikörper gebildet. Diese heften sich an die „feindlichen Eindringlinge“ und markieren sie – andere Immunzellen wandern dann zu den markierten Stellen und beginnen, den Feind zu zerstören.

Der Grund, warum dieses System bei Krebs nicht funktioniert, ist folgender: Die Tumorzellen ahmen die Struktur gesunder Zellen nach und bleiben so vom Immunsystem unerkannt. Das Ziel der Immuntherapie ist es daher, das Immunsystem auf den Tumor „aufmerksam zu machen“ und es zu einer Abwehrreaktion zu animieren.

 

So funktioniert die „CART-19-Therapie“

Bei der von Carl June entwickelten „CART-19-Therapie“ wird dem Patienten Blut entnommen und die darin enthaltenen Immunzellen werden isoliert, mit sogenannten Antigen-Rezeptoren ausgestattet, vermehrt und in den Körper des Patienten zurückgeführt. Die Rezeptoren sind in der Lage, die Tumorzellen im Körper zu erkennen. Sobald das geschehen ist, setzen sie Botenstoffe frei, wodurch weitere Immunzellen mit denselben Eigenschaften gebildet werden. So wird nach und nach eine wachsende Armee an tumorzerstörenden Immunzellen generiert.

Die Therapie ist bisher speziell auf die Behandlung von Leukämie ausgerichtet. Sie hat sich in klinischen Studien bewährt und wird derzeit von verschiedenen Firmen in eine Standardtherapie weiterentwickelt, die vielleicht schon im nächsten Jahr in den Vereinigten Staaten zugelassen werden könnte.

 

Das Prinzip der "Checkpoint-Hemmung“

Normalerweise wird eine Immunreaktion schnell wieder abgeschwächt, damit sie nicht über das Ziel hinausschießt und keine Kollateralschäden verursacht. Dafür gibt es molekulare Bremsen. Diese Brems- oder Kontrollproteine heißen im Englischen „Checkpoints“. Die von James P. Allison entwickelte  sogenannte Checkpoint-Therapie gegen schwarzen Hautkrebs verhindert das Ausbremsen der Immunreaktion, indem sie mithilfe des Medikaments Ipilimumab die „Checkpoints“ stoppt. Die Immunzellen bleiben länger im Rennen, vermehren sich und haben gute Chancen, den Tumor unter Kontrolle zu halten oder ihn sogar zu beseitigen.

In klinischen Studien verlängerte Ipilimumab das Leben von Patienten mit fortgeschrittenem schwarzem Hautkrebs um durchschnittlich vier Monate. 22 Prozent der Patienten sprachen langfristig an und lebten auch noch zehn Jahre nach der Therapie. Nie zuvor hat eine Gruppe todkranker Melanom-Patienten derart von einer Behandlung profitiert. Inzwischen ist das Medikament zur Behandlung von schwarzem Hautkrebs zugelassen.

 

Nachwuchspreis für Morbus-Crohn-Forscher

Der Paul Ehrlich- und Ludwig-Darmstädter-Nachwuchspreis ging in diesem Jahr nach Deutschland: Ausgezeichnet wurde Dr. Raja Atreya, Juniorprofessor und Oberarzt an der Medizinischen Klinik 1 des Universitätsklinikums Erlangen. Er hat eine Methode entwickelt, vorauszusagen, ob Morbus-Crohn-Patienten auf die Therapie mit sogenannten Anti-TNF-Antikörpern ansprechen. Diese Behandlung wirkt nur bei rund der Hälfte der Patienten, ist aber mit hohen Kosten und Nebenwirkungen verbunden.

Dr. Raja Atreyas Innovation ist ein Leuchtspray, das bei einer Darmspiegelung auf die entzündete Darmschleimhaut von Morbus-Crohn-Patienten gesprüht wird. Dann tastet ein Laserstrahl das Gewebe ab und projiziert ein vielfach vergrößertes Bild der Darmschleimhaut auf einen Bildschirm. Auf diesem Bild leuchten diejenigen Zellen, die auch auf eine Behandlung mit Anti-TNF-Antikörpern ansprechen würden – je mehr Zellen leuchten, desto wahrscheinlicher ist also ein Therapieerfolg.

Hamburg, 16. März 2015    

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