Parodontitis – Gefahr für Zähne und Körper

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung
  7. 7. Das sagt der Experte

Parodontitis ist der häufigste Grund für Zahnverlust. Die Erkrankung betrifft nicht nur Mund und Zähne, sondern kann Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit haben. Unser Experte, Privatdozent Dr. José Gonzales, ist Spezialist für Parodontologie und weiß, wie die Erkrankung zu vermeiden, zu erkennen und zu behandeln ist.

1. Wie erkenne ich eine Parodontitis?

Wesentliche Zeichen einer beginnenden Parodontitis sind ein geschwollenes und gerötetes Zahnfleisch sowie Zahnfleischbluten. Im weiteren Verlauf der Erkrankung entstehen Zahnfleischtaschen, die sich durch Bakterien stark infizieren können. In der fortgeschrittenen Phase kommt es zum Abbau des Zahnhalteapparates. Dadurch lockern sich die Zähne und gehen verloren. 
Weitere mögliche Symptome der Parodontitis sind: ein schlechter Atem, Schmerzen beim Kauen und Zahnfleischrückgang. 


Dr. José Gonzales
Privatdozent Dr. José Gonzales: „ In Deutschland haben Patienten die Möglichkeit, beim Zahnarzt ein Parodontitis-Screening zu erhalten. Dabei wird das Zahnfleisch auf mögliche Zahnfleischtaschen mit einer Parodontalsonde geprüft.“© privat

2. Wie entsteht eine Parodontitis?

Die häufigste Ursache für eine Zahnfleischentzündung und die Entzündung des Zahnhalteapparates ist Plaque. Plaque ist ein dünner, kaum sichtbarer Belag, der hauptsächlich aus Bakterien besteht. Wenn sich diese Bakterien ungehindert in der Tiefe des Zahnfleisches vermehren, werden die Zellen unseres Immunsystems stark beansprucht. Einerseits produzieren die Immunzellen immer mehr Botenstoffe, um die Bakterien zu bekämpfen. Andererseits begünstigt die erhöhte Produktion dieser Botenstoffe eine stärkere Entzündung. Das Resultat ist die Zerstörung des Zahnhalteapparates, die Parodontitis. Bestimmte Virusinfektionen (z. B. die Herpes-Simplex-Viren) oder hormonelle Veränderungen des Körpers können ebenfalls eine Zahnfleischentzündung verursachen.

3. Welche Rolle spielt das richtige Zähneputzen bei der Entstehung?

Die mechanische Reinigung der Zähne, mit Zahnbürste und Zahnseide, ist das wichtigste Mittel, um die Anzahl der Bakterien im Mund zu vermindern. Sowohl manuelle als auch elektrische Zahnbürsten können effektiv und gründlich die Zähne reinigen.
 Einige Studien deuten darauf hin, dass eine Schallzahnbürste im Vergleich zu einer Handzahnbürste besser in den Bereichen zwischen den Zähnen reinigt.

4. Wie schnell baut sich der Zahnhalteapparat ab?

Von einer oberflächlichen Zahnfleischentzündung, der so genannten Gingivitis, bis zu einer Parodontitis, vergehen einige Wochen bis Monate. Eine Parodontitis kann in Phasen fortschreiten. Es ist leider nicht möglich vorherzusagen, wie schwer der Verlauf einer Parodontitis für jede einzelne Person wird. Aber es gibt Hinweise darauf, dass Vitaminmangel, Störungen des Immunsystems und angeborene Faktoren eine Rolle spielen. Rauchen und Diabetes mellitus können auch das Risiko für eine Parodontitis erhöhen.

5. Ist eine Parodontitis heilbar?

Eine professionelle Zahnreinigung unterstützt eine erfolgreiche Mundhygiene
Die professionelle Zahnreinigung in regelmäßigen Abständen ist notwendig und eine individuelle Unterstützung für die komplette und erfolgreiche Mundhygiene© Fotolia

Die Parodontitis ist mit einer professionellen Behandlung durch einen Zahnarzt heilbar. 
In der ersten Phase der Behandlung einer Parodontitis werden die von Bakterien besiedelten harten und weichen Beläge sowohl oberhalb als auch unterhalb des Zahnfleisches entfernt. In bestimmten Fällen können zusätzlich Medikamente, wie Antibiotika, notwendig sein, um ein besseres Behandlungsergebnis zu erzielen. Zusätzlich kann eine biologisch abbaubare Membran zwischen Zahn und Zahnfleisch gelegt werden (gesteuerte Geweberegeneration). Dies stimuliert das Wachstum von Knochengewebe. Die Kosten für die regenerative Parodontitistherapie werden in Deutschland leider nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

6. Kann eine Parodontitis weitere Krankheiten auslösen oder verschlimmern?

In einigen Studien wurde nachgewiesen, dass Menschen mit Zahnfleischproblemen ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen entwickeln. Außerdem kann eine schwere Parodontitis bei Patienten mit Diabetes mellitus den Blutzucker erhöhen. Auf der anderen Seite erkranken Patienten mit einem Diabetes mellitus häufiger an einer Parodontitis. Des Weiteren fanden einige Forscher einen Zusammenhang zwischen Parodontitis und Schlaganfall, Osteoporose, Atemwegserkrankungen, sowie einigen Arten von Krebs.
 Darüber hinaus kommt es bei schwangeren Frauen, die Zahnfleischerkrankungen haben, häufiger zu einer Frühgeburt und zu einem niedrigen Geburtsgewicht des Kindes.

7. Ist eine Parodontitis ansteckend?

Die Forschung hat gezeigt, dass die Parodontitis durch die entzündliche Reaktion auf Bakterien unter dem Zahnfleisch hervorgerufen wird. So gesehen kann Parodontitis nicht ansteckend sein. Jedoch können die Bakterien, die die Entzündungsreaktion verursachen, sich im ganzen Mundraum der betroffenen Person durch den Speichel und der Zunge verteilen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Parodontose und einer Parodontitis?

Wenn man im Volksmund von Parodontose spricht, meint man im Normalfall das, was der Zahnarzt als Parodontitis bezeichnet – eine Entzündung vom Zahnbett und Zahnhalteapparat. Bei der Parodontose besteht keine Entzündung. Sie ist durch den sichtbaren Zahnfleischschwund gekennzeichnet. Dieser wird durch freiliegende lange Zahnhälse sichtbar und tritt meist bei älteren Menschen auf.

8. Was kann ich tun, um meine Mundhygiene zu optimieren?

Generell müssen die Zähne zweimal täglich mit einer weichen Zahnbürste gereinigt werden. Die Größe und Form der Zahnbürste sollte an den Mund und die Zähne angepasst sein, sodass alle Bereiche leicht zu erreichen sind. Eine Handzahnbürste sollte alle drei bis vier Monate ersetzt werden, es sei denn, die Borsten sind bereits früher abgenutzt. Zu empfehlen ist eine fluoridhaltige Zahnpasta. Die richtige Zahnputztechnik muss gelernt werden. Auch die Zunge sollte geputzt werden, um Bakterien zu entfernen und den Atem frisch zu halten. Zuletzt können auch Mundspülungen bei der Reduzierung der Keime helfen und als Teil der Mundhygiene nach der mechanischen Reinigung der Zähne eingesetzt werden.

9. Wie oft sollte ich eine professionelle Zahnreinigung durchführen lassen?

Die professionelle Zahnreinigung in regelmäßigen Abständen ist notwendig und eine individuelle Unterstützung für die komplette und erfolgreiche Mundhygiene. Die Häufigkeit ist abhängig von den individuellen Bedürfnissen, Gewohnheiten und von der Qualität der häuslichen Mundhygiene, sowie von der Schwere der Parodontitis. In der Regel wird die professionelle Zahnreinigung etwa zwei bis vier Mal pro Jahr empfohlen.

Unser Experte im Interview

Privatdozent Dr. med. dent. José Gonzales ist Zahnarzt und Spezialist für Parodontologie, Implantologie sowie Ästhetische Zahnmedizin. Zusammen mit Dr. Engelschalk betreut Dr. José Gonzales eine zahnmedizinische Praxisgemeinschaft für Parodontologie und Implantologie in München. Website: www.zahnarzt-gonzales-muenchen.de

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