Pareidolie: Gesichter sehen, wo keine sind

Redaktion PraxisVITA

Manchmal erkennt das Gehirn in Dingen und Mustern Gesichter, die gar nicht da sind. Bei der Pareidolie handelt es sich um eine Form der Sinnestäuschung, die die meisten Menschen schon einmal erlebt haben. Dieser Effekt wird auch von Psychiatern genutzt.

Drei Personen mustern ein Rorschach-Bild
Pareidolie wird häufig auch als Hilfe bei der Persönlichkeitsanalyse angewandt Foto:  istock_OlehVeres
Inhalt
  1. Definition: Was ist Pareidolie?
  2. Wie entsteht Pareidolie?
  3. Ursachen: Wann kommt Pareidolie vor?
  4. Wie wird Pareidolie noch genutzt?
 

Definition: Was ist Pareidolie?

Pareidolie ist eine bestimmte Form der Sinnestäuschung, bei der das Gehirn einen tatsächlich vorhandenen Gegenstand um einen nicht vorhandenen ergänzt. Das passiert zum Beispiel, wenn Menschen Worte in einem Rauschen heraushören oder auf Bildern mit willkürlichen Mustern vermeintliche Gegenstände sehen.

Besonders häufig kommt es bei Pareidolie vor, dass Menschen in abstrakten Mustern, etwa in Wolkenformationen, Gesichter zu erkennen glauben.

Das Phänomen Pareidolie wird oft als auch als Erklärung genutzt, wenn viele Menschen gleichzeitig etwas scheinbar Übernatürliches, zum Beispiel eine UFO-Sichtung, erleben. Die Ursache für diese Illusion wird in der Fehlwahrnehmung von mehreren Menschen gesehen.

MRT-Bilder der Gehirne
Service Warum belügt mich mein Gehirn?

 

Wie entsteht Pareidolie?

Die Sinnestäuschung Pareidolie entsteht in der Großhirnrinde des Gehirns, der Fusiform Face Area. Das hat der Wissenschaftler Kang Lee herausgefunden und im Jahr 2014 den IG Nobelpreis in Neurowissenschaften für seine Pareidolie-Forschung gewonnen.

Lee konnte in einer Versuchsreihe bestätigen, dass seine Probanden in Bildern, die lediglich Punkt, Komma und Strich zeigten, Gesichter erkannten. Hirnscans der Studienteilnehmer wiesen eine gesteigerte Aktivität in der Fusiform Face Area aus. Diese Gehirnregion reagiert auch, wenn man echte Gesichter sieht.

 

Ursachen: Wann kommt Pareidolie vor?

Eine Pareidolie kann grundsätzlich jeder Mensch haben. Laut Neurowissenschaftlern ist das Gehirn eines Menschen darauf eingestellt, Vertrautes wiederzuerkennen und Abstraktes zu einem Sinn zusammenzufügen. Dass wir insbesondere auf – mutmaßliche – Gesichter reagieren, liege daran, dass diese Fähigkeit eine wichtige Grundlage für das soziale Zusammenleben sei.

Dinge oder Gesichter zu sehen, die eigentlich nicht da sind, ist jedoch auch typisch bei fieberhaften Erkrankungen, Panikstörungen, starker Übermüdung und Drogenmissbrauch.

 

Wie wird Pareidolie noch genutzt?

Das Phänomen der Pareidolie machen sich Psychiater auch zunutze, um die Persönlichkeit eines Menschen zu analysieren. Der sogenannte Rorschach-Test ist eine Methode der Psychodiagnostik. Hierbei sollen die Patienten unterschiedliche symmetrische Farbkleckse deuten – das heißt, einen Sinn aus abstrakten Bilder erschließen.

Anhand dieser bewusst herbeigeführten Pareidolie zieht der Psychiater dann Rückschlüsse auf die emotionalen und sozialen Persönlichkeitseigenschaften oder auf mögliche psychische Störungen.

Quelle:

  • Pareidolie, in: Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik 
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