Pandemie-Babys lernen langsamer: Studie zeigt Entwicklungsverzögerung

Susanne Petersen Medizinredakteurin

Während der Pandemie geborene Kinder sind in ihrer sozialen und motorischen Entwicklung womöglich verzögert. Das ergab eine Studie US-amerikanischer Forscher:innen mit 250 Babys. Woran das liegt? Die Details!

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Inhalt
  1. Kindliche Entwicklung in der Pandemie verzögert
  2. Enormer Stress der Mütter könnte eine Rolle spielen
  3. Kein Unterschied zwischen infizierten Schwangeren und gesunden Müttern

Welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf die jüngsten Mitglieder der Gesellschaft hat, ist bisher nicht klar. Weltweit wurden während der Pandemie im Jahr 2020 circa 200 Millionen Kinder geboren. US-Forscher:innen sind dieser Frage in einer Kohortenstudie nachgegangen: Sie stellten bei einem Entwicklungstest bei über 250 sechs Monate alten Kinder fest, dass deren neuronaler Entwicklungsstand schlechter war als bei Babys, die kurz vor der Pandemie geboren waren. Diese Pandemie-Babys lernen langsamer und zeigen Entwicklungsverzögerungen. 

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Kindliche Entwicklung in der Pandemie verzögert

Das Forschungsteam rund um Dr. Dani Dumitriu der Columbia Universität veröffentlichte jetzt in der Fachzeitschrift „JAMA Pediatrics“ die Ergebnisse der Untersuchung. 255 Babys, die zwischen März und Dezember 2020 in New York geboren worden waren, wurden auf mehrere Aspekte der kindlichen Entwicklung untersucht. Dazu gehörten die Fein- und Grobmotorik, die Kommunikationsfähigkeiten, Problemlösungen und soziale Fähigkeiten. Mittels Fragebögen, die von den Kinderärzt:innen an die Eltern der sechs Monate alten „Pandemie-Babys“ verteilt wurden, erhoben die Wissenschaftler:innen Daten mit überraschendem Ergebnis.

 

Enormer Stress der Mütter könnte eine Rolle spielen

Wie der Test des Teams rund um die Kinderärztin Dumitriu ergab, schnitten die während der Pandemie Geborenen besonders bei zwei Fähigkeiten schlechter ab: Motorik und soziale Fähigkeiten. Die Faktoren Kommunikation und Problemlösungsfähigkeit waren nicht auffällig.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der enorme Stress, dem die schwangeren Mütter in dieser beispiellosen Zeit ausgesetzt waren, eine Rolle gespielt haben könnte“, kommentiert Dr. Dani Dimitriu die Ergebnisse ihrer Untersuchung. 

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Neben dem Stress der Mutter und der engsten Bezugspersonen könnten die Kontaktbeschränkungen zu diesem Ergebnis beigetragen haben. Die jungen Eltern trafen sich womöglich weniger oder eingeschränkter mit anderen Eltern und ihren Kindern, so dass die soziale Interaktion mit anderen nicht so gut trainiert werden konnte.

 

Kein Unterschied zwischen infizierten Schwangeren und gesunden Müttern

Die kleine Studie der New Yorker Kinderärzt:innen konnte keinen Unterschied in den neuronalen Entwicklungsschritten zwischen den Babys, deren Mütter in der Schwangerschaft mit COVID-19 infiziert waren und den nicht Infizierten feststellen. Rund die Hälfte der Mütter hatte sich im Laufe der Schwangerschaft mit dem Coronavirus infiziert und meist milde Krankheitsverläufe gezeigt.

Insgesamt stellten die Wissenschaftler:innen nur kleine Abweichungen zwischen den Pandemie-Babys und den Kindern aus der Zeit vor der Pandemie fest. Es handele sich nur um kleine Verschiebungen der Durchschnittswerte zwischen diesen Gruppen, betonte Dumitriu: „Diese kleinen Verschiebungen verdienen jedoch unsere besondere Aufmerksamkeit, da sie auf Bevölkerungsebene erhebliche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben können“. Das sei auch von anderen kritischen Ereignissen wie Naturkatastrophen und früheren Pandemien bekannt.

Dr. Dani Dumitriu erklärt, dass die Ergebnisse ihrer Studie nicht unbedingt bedeuteten, dass diese Generation später im Leben beeinträchtigt sein werde, denn es handele sich um ein sehr frühes Entwicklungsstadium, bei dem es noch viele Möglichkeiten gebe einzugreifen und diese Babys auf den richtigen Entwicklungspfad zu bringen. Die Ergebnisse der Studie rund um langsamer lernende Pandemie-Babys wollen die Wissenschaftler:innen in Langzeitstudien weiter verfolgen. 

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Quellen:

Association of Birth During the COVID-19 Pandemic With Neurodevelopmental Status at 6 Months in Infants With and Without In Utero Exposure to Maternal SARS-CoV-2 Infection, in: jamanetwork.com

Pandemie-Babys schneiden bei Entwicklungstest schlechter ab als andere, in: spektrum.de

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