Organspende-Skandal: Freispruch für Göttinger Arzt

Bereitschaft zur Organspende gesunken
In Deutschland werden relativ wenig Organe gespendet. Ein Grund: der 2012 bekannt gewordene Organspende-Skandal © Fotolia

Im Jahr 2012 wurde Deutschland von dem Organspende-Skandal erschüttert. Zuerst wurden in der Uni-Klinik Göttingen und schließlich in zahlreichen weiteren Kliniken deutschlandweit massive Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe gespendeter Organe festgestellt.

Der angeklagte Transplantationsmediziner Aiman O. wurde vom Landgericht Göttingen in allen Punkten freigesprochen. Den gegen ihn verhängten Haftbefehl hat das Gericht aufgehoben.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vor, Patientendaten so verändert zu haben, dass Spender-Lebern an Patienten gingen, die eigentlich keinen Anspruch darauf hatten. Außerdem soll er transplantiert haben, bevor eine medizinische Notwendigkeit bestand. Drei Patienten verstarben dabei. Die Staatsanwaltschaft plädierte auf Körperverletzung mit Todesfolge - und forderte acht Jahre Haft. Der Richter urteilte: In allen drei Fällen sei die Transplantation angemessen gewesen und sprach Aiman O. frei.

Der Transplantations-Skandal in Göttingen und Regensburg ließ viele Menschen am gesamten System der Organspende zweifeln. Die Spenderbereitschaft ging zurück. Die Bundesregierung reagierte mit einer Gesetzesänderung: Wer als Arzt Krankenakten manipuliert, um Patienten schneller zu einem Organ zu verhelfen, muss nun mit einer Gefängnisstrafe rechnen. Außerdem hat das Gesundheitsministerium jetzt ein Mitspracherecht, wenn Kriterien für die Verteilung von Spendeorganen festgelegt werden.

Hamburg, 6. Mai 2015

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