Oma oder Mutter? Ich bin beides

Rasmus Cloes
Eizellen in einer Box
Was soll mit den eingefrorenen Eizellen einer Toten passieren? © Fotolia

Eine Frau will mit der Eizelle ihrer toten Tochter schwanger werden und so ihr eigenes Enkelkind austragen. Dabei muss sie nicht nur biologische Grenzen überwinden.

Es ist ein Vorhaben, was schon bevor es überhaupt begonnen hat, einen Sturm der Entrüstung entfacht: Eine 59-jährige Britin will als Leihmutter ihre eigenen Enkelkinder austragen.

 

Letzter Wunsch der sterbenden Tochter

Die Frau, die anonym bleiben möchte, sagt, dass dies der letzte Wunsch ihrer sterbenden Tochter war. Als bei dieser im Alter von 23 Jahren Magenkrebs festgestellt wurde, ließ sie sich Eizellen entnehmen und diese einfrieren. Eigentlich in der Hoffnung nach überstandener Behandlung noch selber Kinder zu bekommen. Doch die junge Frau verlor den Kampf gegen die Krankheit und starb. Das war im Jahr 2011.

Seitdem kämpft ihre Mutter um das Recht, ihre eigenen Enkelkinder zu gebären. Sollte sie erfolgreich sein, würde sie Medizingeschichte schreiben, denn Experten kennen keinen vergleichbaren Fall.

 

Eingriff ist Routine

Der Prozess selber wäre jedoch Routine: Die Eizellen würden mit Spermien eines anonymen Spenders befruchtet. Sollte das erfolgreich sein, können Wissenschaftler daraus mehrere Embryonen gewinnen. Üblicherweise werden dann zwei Embryonen in den Uterus der Leihmutter eingesetzt. Etwa 20 – 40 Prozent solcher Schwangerschaften sind erfolgreich. Die Chancen hängen jedoch stark vom Alter der Leihmutter ab.

Das ist auch schon das erste Problem: Mit 59 Jahren ist die Mutter der Toten eigentlich schon zu alt für den Eingriff. Normalerweise liegt die Obergrenze bei einem Alter von 50. Keine britische Klinik erklärte sich bereit, die Operation durchzuführen. Doch auf der anderen Seite des Atlantiks wurde die Frau fündig: für 60 000 Pfund erklärte sich eine New Yorker Klinik bereit, die Befruchtung bei ihr einzuleiten.  

 

Ein Dokument verhindert die Schwangerschaft

Doch als die Britin die Eier dorthin übersenden lassen wollte stand sie vor einer weit größeren Schwierigkeit: Die Firma, bei der die Eizellen der Tochter lagern, will diese nicht herausgeben. Der Grund ist ein unvollständig ausgefülltes Formular. Zwar unterzeichnete die Tochter ein Dokument, in dem steht, dass die Eier auch nach ihrem Tod aufbewahrt werden sollen. Doch eine entscheidende Stelle ließ sie blank: Der Punkt, indem geregelt wird, was mit den Eiern passieren soll.

Nun steht die Aussage der Mutter gegen das Dokument der Klinik. Einigen können sie sich nicht. Jetzt soll ein Gericht entscheiden.  

Hamburg, 11. Mai 2015

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