Ohrinfarkt erkennen und behandeln

Susanne Petersen Medizinredakteurin

Wenn plötzlich ein Ohr „dicht macht“, Ohrgeräusche auftreten und das Hörvermögen sinkt, kann es sich um einen Ohrinfarkt handeln. Dieser sogenannte „Hörsturz“ ist an sich nicht schmerzhaft, sollte aber ernst genommen werden. Alles über den Ohrinfarkt und was man tun kann!

Ohrinfarkt erkennen und behandeln
Ein Ohrinfarkt zeigt sich oft durch ein dumpfes Gefühl am Ohr Foto:  PokPak05
Inhalt
  1. Was ist ein Ohrinfarkt?
  2. Der Hörsturz und seine Ursachen
  3. Hörsturz: Das sind die ersten Anzeichen
  4. Symptome beim Hörsturz
  5. Wie lange dauert ein Hörsturz?
  6. Vorbeugung: Wie es gar nicht erst zum Hörsturz kommt
  7. Pflanzliche Mittel gegen Gehörsturz
  8. Wie sieht die Hörsturz-Therapie aus?
 

Was ist ein Ohrinfarkt?

Wenn plötzlich und ohne erkennbare Ursache einseitige Hörprobleme bis hin zum Hörverlust auftreten, spricht man von einem Ohrinfarkt. Dieser wird auch Hörsturz genannt. Die Betroffenen haben ein dumpfes Gefühl im Ohr, es fühlt sich an wie ein Pfropfen oder Watte im Ohr. Ohrgeräusche können dabei erstmals auftreten. Ein Ohrinfarkt kann jeden treffen. Mehr als 150.000 Menschen erleiden jedes Jahr in Deutschland einen Hörsturz. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen, bei Kindern tritt er selten auf.

 

Der Hörsturz und seine Ursachen

Die Ursachen sind nicht genau geklärt. Oft ist die Durchblutung eines Innenohrs gestört, durch die Minderversorgung mit Sauerstoff funktionieren dann Teile des Innenohrs nicht mehr richtig. Deshalb spricht man von Ohrinfarkt. Durch den Ohrinfarkt werden vor allem die Haarzellen des Hörorgans beschädigt. Auch bakterielle Entzündungen oder Viren können die Ursache sein, zum Beispiel bei einer Mittelohrentzündung, bei Masern oder Herpes-Erkrankungen. Durch die Entzündung schwillt das Gewebe im Innenohr an, es kann so das Hörvermögen beeinträchtigen.

Viren können den Hörnerv ebenfalls befallen und das Gehör negativ beeinflussen. Manchmal stört die Halswirbelsäule durch Fehlstellungen die Durchblutung des Innenohres und verursacht dadurch einen Hörsturz. Auch Stress begünstigt das Auftreten eines Hörsturzes. In einem akuten Fall eines Ohrinfarktes sollten die Betroffenen Ruhe bewahren und weiteren Stress vermeiden, um den Hörsturz nicht zu verschlimmern!

Durchblutungsstörungen im Ohr erkennen und behandeln
Ohrgeräusche Durchblutungsstörungen im Ohr: Erkennen und behandeln

 

Hörsturz: Das sind die ersten Anzeichen

Einige typische Anzeichen können auf einen Ohrinfarkt hinweisen:

  • Pelziges Gefühl rund um die Ohrmuschel
  • Druck auf dem Ohr
  • Töne werden anders oder doppelt gehört
  • Stimmen und Musik hören sich plötzlich fremd an
  • Alles klingt ferner, als wäre man in Watte gepackt
  • Die Richtung, aus der der Ton kommt, wird nicht mehr erkannt
 

Symptome beim Hörsturz

Der plötzliche und schmerzlose Hörverlust ist das typischste Symptom eines Ohrinfarktes. Manchmal ist nach einem Hörsturz das Hörvermögen nicht nur vermindert. Es treten bei einigen Patienten auf der betroffenen Seite Überempfindlichkeiten auf. Manche Töne und Geräusche werden als übermäßig laut beschrieben. Oder Töne erscheinen tiefer oder höher.

Weitere Symptome:

  • Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Schwindel
  • Fehlhörigkeit (verzerrte Töne)

Foto: iStock
Tinnitus Tinnitus: Akute vs. chronische Ohrgeräusche

 

Wie lange dauert ein Hörsturz?

Oft bessert sich ein Hörsturz von allein, innerhalb von 24 Stunden. Die Spontanheilungsrate liegt immerhin bei 50 Prozent. Innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Auftreten der Hörsturz Symptome sollte ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufgesucht werden. Durch eine Behandlung des Ohrinfarktes mit hochdosiertem Kortison können die Symptome gebessert werden. Die Hörsturz Dauer beträgt maximal 14 Tage. Die Behandlungs- und Heilungsdauer variieren jedoch. Es können auch dauerhafte Beeinträchtigungen des Gehörs oder Fehlwahrnehmungen bestehen bleiben, das ist bei jedem Betroffenen unterschiedlich. Je schneller gezielt behandelt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass nach dem Hörsturz keine Beschwerden zurück bleiben.

 

Vorbeugung: Wie es gar nicht erst zum Hörsturz kommt

Grundsätzlich sind vor allem Menschen betroffen, die leichter an Durchblutungsstörungen erkranken. Dazu zählen Personen mit Übergewicht, Bluthochdruck, Stoffwechselstörungen, Diabetes Mellitus-Patienten und Raucher. Da ein Ohrinfarkt durch eine Durchblutungsstörung hervorgerufen werden kann, sollte ein gesunder Lebensstil, der die Gefäße schützt, im Vordergrund stehen. Hohe Blutfettwerte durch den Verzehr von fetthaltigen Lebensmitteln, zu viel Fleisch und Nikotin sorgen für schlechtere Fließeigenschaften des Blutes und für Ablagerungen in den Gefäßen.

Jeder Mensch kann mit einer Nahrung aus Gemüse und vollwertigen Ballaststoffen mit dafür sorgen, dass die Gefäße frei von Ablagerungen sind. Regelmäßige Bewegung wie Fahrrad fahren oder Laufen hält die Blutgefäße ebenfalls gesund. Abgesehen davon sollte Stress sowie dauerhafte und extreme Lärmbelästigung vermieden werden. Diese sorgen für eine Engstellung der Gefäße.

 

Pflanzliche Mittel gegen Gehörsturz

In zahlreichen Studien wurde festgestellt, dass hochwertige Spezialextrakte aus Ginkgo biloba die Fließfähigkeit des Blutes und in der Folge die Durchblutung verbessern. Das Gewebe wird besser mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Aus den getrockneten Blättern des Ginkgo-Baumes wird mithilfe von Aceton-Wasser ein Trockenextrakt gewonnen. Dieser Extrakt enthält Flavonglykoside, das sind sekundäre Pflanzenstoffe. Für die Herstellung eines Arznei-Extraktes aus Ginkgo-Blättern gibt es im Europäischen Arzneibuch genaue Vorschriften, die vorgeben, wie viel Prozent der wirksamen Flavonglykoside enthalten sein müssen.

Besonders wirksam erweist sich der Ginkgo-Spezialextrakte EGB 761 laut zahlreicher Studien. Er fördert durch seinen Wirkstoff die Flexibilität der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), so dass diese die feinen Kapillaren in den Innenohrgefäßen besser passieren können. Für eine optimale Wirksamkeit sollte Ginkgo-Extrakt EGB 761 über mehrere Wochen in hoch dosierter Form eingenommen werden.

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Hörsturz Heilungsdauer bei Hörsturz: Was beschleunigt, was verzögert?

 

Wie sieht die Hörsturz-Therapie aus?

Ist die Diagnose Hörsturz gestellt, gilt es die Ursachen wie Durchblutungsstörungen zu behandeln. Meist erhalten Patienten eine Infusionstherapie, die dafür sorgt, dass das Blut besser fließen kann. Um möglichen Entzündungen vorzubeugen, wird Kortison verabreicht.

Weitere Maßnahmen bei einem Ohrinfarkt sind:

  • Intratympale Therapie. Die betroffene Stelle wird direkt mit einer Glukokortikoid-Spritze injiziert.
  • Vitamin-B-Präparate. Diese wirken unterstützend auf die Nervenzellen, die eine Gefäßverengung im Innenohr bewirken.
  • Hyperbare Sauerstofftherapie. Die Patienten atmen in einer Druckkammer reinen Sauerstoff. Das soll sich günstig auf das Hörorgan auswirken, wird aber selten von den Krankenkassen erstattet.

Ist ein Hörsturz aufgetreten, sollten die Betroffenen die Ursachen wie Dauerstress oder Durchblutungsstörungen symptomatisch behandeln. Eine Umstellung des Lebensstils kann dabei helfen, dass ein Ohrinfarkt nicht mehr auftritt.

Quellen:

Was ist ein Hörsturz?, in: hno-aerzte-im-netz.de

Schwindel bei Ohrinfarkt verschlechtert die Prognose, in: medical-tribune.de

Hörsturz: ein dumpfes Gefühl im Ohr, in: amplifon.com

Was ist Ginkgo?, in: verbraucherzentrale.de

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