Ohrenschmerzen bei Kindern durch Seromukotympanon

Dr. med. Nadine Hess

Begleitende akute Ergüsse hinter dem Trommelfell: ein häufiges Problem im Kleinkindalter, das für Ohrenschmerzen bei Kindern sorgt und mit wiederkehrenden Infektionen der oberen Luftwege einhergeht. Dauerhaft kann daraus eine nicht-eitrige, chronische Flüssigkeitsansammlung werden, auch Seromukotympanon genannt.

Wenn bei Kindern der Schnupfen im Ohr hängenbleibt - Tipps von der Kinderärztin
Expertin Dr. Hess: „Insbesondere bei Kindern mit ständig wiederkehrenden Infekten kann es dazu kommen, dass das Sekret dauerhaft im Mittelohr verbleibt. Ärzte sprechen von einem Seromukotympanon.“ © privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Wir alle haben immer mal wieder Schnupfen – Nase dicht, der Kopf schmerzt und auf den Ohren ist auch ein unangenehmer Druck, der nicht weggeht. Unsere Kleinen leiden noch viel häufiger darunter – Infekte der oberen Luftwege, mit allem, was dazugehört, beispielsweise treten Ohrenschmerzen bei Kindern sehr häufig auf.

 

Was Schnupfen mit den Ohren zu tun hat

Dass bei einem Schnupfen die Ohren mitbetroffen sein können, liegt daran, dass nicht nur die Schleimhaut in der Nase anschwillt und vermehrt Sekret absondert, sondern auch die Verbindung zwischen Nase und Ohr – die Tuba eustachii  – , die für die Belüftung des Mittelohres zuständig und mit Schleimhaut ausgekleidet ist. Somit können Sekrete nicht mehr oder nur in reduziertem Maße Richtung Nase abfließen, es kommt zu einem unangenehmem Druckgefühl sowie Ohrenschmerzen bei Kindern und manchmal sogar auch zu einer Entzündung des Mittelohres, weil die Keime aus der Nase bis dorthin wandern.

Erguss im Innenohr schränkt Hörvermögen bei Kindern ein
Ein Seromukotympanon führt zu Einschränkung des Hörvermögens. Hilft konservative Behandlung nicht, muss operiert werden, da sich sonst die Sprachentwicklung des Kindes verzögert© Shutterstock
 

Ohrenschmerzen bei Kindern: Warum treten sie so häufig auf?

Bei Kindern ist die Tuba eustachii enger und kürzer als bei Erwachsenen. So kann schon ein leichtes Anschwellen der Schleimhäute zu einem Verschluss der Belüftungsröhre führen. Weil die Tuba eustachii bei Kindern kürzer ist, haben Keime auch einen weniger langen Weg bis ins Mittelohr – was die häufigeren Mittelohrentzündungen bis zu einem gewissen Alter erklärt. Nach Abklingen des Infektes und Abschwellen der Schleimhäute im Nasen-Rachenbereich fließen auch die Sekrete aus dem Mittelohr normalerweise wieder ab und der infektbedingte Erguss verschwindet.

 

Seromukotympanon – wie Watte im Ohr

Insbesondere bei Kindern mit ständig wiederkehrenden Infekten kann es aber dazu kommen, dass das Sekret dauerhaft im Mittelohr verbleibt (Ärzte sprechen in diesem Fall von einem Seromukotympanon). Auffällige Vergrößerungen der Gaumenmandeln (sogenannte adenoide Vegetationen oder „Polypen“) erschweren den Abfluss zusätzlich und können trotz infektfreien Intervallen dazu führen, dass der Erguss nicht zurückgeht. Dann ist das Hörvermögen dauerhaft eingeschränkt. Mit einem Seromukotympanon im Mittelohr hört man wie durch Watte oder wie mit Wasser im Ohr.

Insbesondere bei kleinen Kindern droht durch das Seromukotympanon eine Sprachentwicklungsverzögerung, allerdings nicht gleich nach kurzer Zeit. Man gibt dem Seromukotympanon schon ein paar Wochen Zeit, mit konservativen (also nicht chirurgischen) Maßnahmen wieder abzuheilen, bevor aufgrund der möglichen dauerhaften Störung von Sprache und Wahrnehmung eine Operation gegen die Beschwerden wie Ohrenschmerzen bei Kindern empfohlen wird.

Seromukotympanon
Ist ein Seromukotympanon nachgewiesen, sollte mit Hilfe von abschwellenden Nasentropfen versucht werden, das Sekret aus dem Mittelohr wieder abfließen zu lassen© istock
 

Was lindert die Beschwerden bei einem Seromukotympanon?

Ist ein Seromukotympanon nachgewiesen, sollte mit Hilfe von abschwellenden Nasentropfen (bitte unbedingt die Altersangaben einhalten, sonst drohen schwere Nebenwirkungen!), Inhalationen mit Kochsalz, viel Flüssigkeit und je nach Alter auch dem Einsatz eines Nasenballons (damit kann das Kind anschaulich den „Druckausgleich“ üben, der die eustachische Röhre bei negativem Innendruck wieder öffnet) versucht werden, das Seromukotympanon aus dem Mittelohr wieder abfließen zu lassen. Die abschwellenden Nasentropfen sollten aber keinesfalls mehr als drei Mal täglich und ohne ärztliche Kontrolle über einen Zeitraum von über einer Woche angewendet werden, sonst droht eine Überdosierung, bzw. Schäden der Nasenschleimhaut.

 

Paukenröhrcheneinlage – wann muss das Ohr wirklich operiert werden?

Nützt dies alles nichts und ist das Hörvermögen über einen längeren Zeitraum deutlich eingeschränkt, muss über eine Paukenröhrcheneinlage nachgedacht werden, um die Ohrenschmerzen bei Kindern zu lidnern. Dadurch kann das Seromukotympanonim im Mittelohr abfließen, die Belüftung des Mittelohres wird wiederhergestellt und das Hörvermögen normalisiert sich.

In der Regel werden Röhrchen eingesetzt, die nach einigen Monaten von alleine rausfallen. Für die OP müssen die Kinder in eine kurze (maximal 30-minütige) Vollnarkose versetzt werden. Das Trommelfell wird eingeritzt, Sekret aus dem Mittelohr abgesaugt und das Röhrchen in den kleinen Schlitz im Trommelfell eingesetzt. Liegen Polypen vor, werden diese in der gleichen OP mit entfernt. Und keine Sorge, Nachblutungen, wie bei Mandelentfernungen, gibt es dabei eigentlich kaum und auch das Trommelfell nimmt durch die Röhrchen keinen dauerhaften Schaden.

 

Muss man Angst vor der Narkose haben?

Ebenso ist die Sorge vor der Vollnarkose unbegründet, wenngleich sehr verständlich. Die Narkosemittel, die verwendet werden, sind sehr gut verträglich und auf Größe und Gewicht des Kindes abgestimmt. Grundsätzlich sind – wenn eine OP wirklich notwendig ist – die Risiken einer Vollnarkose weitaus geringer, als dauerhaft das Hörvermögen Ihres Kindes zu riskieren und die dadurch resultierenden Probleme in Kauf zu nehmen.

Aber natürlich gilt: vorher müssen alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft und das Hörvermögen nachweislich eingeschränkt sein. Ihr Kinder- und auch der HNO-Arzt beraten Sie gerne.

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