Ohrenschmalz

Redaktion PraxisVITA

Ohrenschmalz zu entfernen, ist für viele Menschen selbstverständlich. Doch bei der klebrigen Masse handelt es sich keineswegs um Schmutz. Ohrenschmalz schützt vor Infektionen und pflegt die Ohren. Und gesunde Ohren reinigen sich ganz von selbst!

Junge Frau reinigt sich die Ohren mit Wattestäbchen
Die Ohren mit Wattestäbchen reinigen? Das sollten Sie lieber lassen Foto:  Antonio Diaz/iStock
Inhalt
  1. Was ist Ohrenschmalz?
  2. So reinigen sich die Ohren selbst
  3. So entsteht ein Ohrenschmalz-Pfropf
  4. Diese Beschwerden gibt es
  5. Ohren richtig reinigen
  6. Wann ein Besuch beim Ohrenarzt sinnvoll ist
 

Was ist Ohrenschmalz?

Ohrenschmalz, in der Fachsprache auch „Cerumen“ genannt, ist vielen Menschen unangenehm. Denn die braun-gelbe Masse, die im Gehörgang und den Ohrmuscheln zu finden ist, sieht alles andere als schön aus. Doch der vermeintliche Schmutz ist wichtig, denn er hält die Ohren gesund.

Ohrenschmalz setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen: Drüsen in der Haut des äußeren Gehörganges – also dem Abschnitt zwischen der Ohrmuschel und dem Trommelfell – sondern Talg und anderes Sekret ab, das sich zusammen mit abgestoßenen Hautschuppen wie ein Schutzfilm auf die Hautoberfläche im Gehörgang legt. In dieser Schutzschicht sind Fettsäuren sowie Alkohole und sogenannte Lysozyme enthalten. Diese besonderen Eiweiße kommen beispielsweise auch in anderen Körperflüssigkeiten wie Speichel, Schweiß, Nasensekret oder Tränenflüssigkeit vor. Lysozyme wirken antibakteriell, denn sie lösen die Zellwände von Bakterien auf und töten sie auf diese Weise ab.

Warum Ohrenschmalz zweifach schützt

Wegen seines sauren ph-Werts und des hohen Fettanteils erfüllt Ohrenschmalz zwei wichtige Funktionen: Es pflegt die empfindliche Haut des äußeren Gehörganges und schützt sie sowohl vor dem Austrocknen als auch vor zu viel Feuchtigkeit. Zum anderen verhindert Ohrenschmalz das Eindringen von Krankheitserregern wie Bakterien und Pilzen, die die Ohren krank machen können (z. B. indem sie eine Gehörgangsentzündung auslösen).

Ohrenschmalz ist nicht gleich Ohrenschmalz

Manche Menschen haben viel Ohrenschmalz, manche weniger. Wie viel davon ein Ohr produziert, ist von Mensch zu Mensch verschieden und hat nichts mit der Hygiene zu tun. Oft haben auch äußere Faktoren oder das Alter einen Einfluss darauf. Zudem gibt es Unterschiede im Aussehen und in der Beschaffenheit von Ohrenschmalz. Asiaten etwa haben gräuliches und eher trockenes Ohrenschmalz, bei Europäern und Schwarzafrikanern ist es dagegen eher feucht-klebrig und hat eine helle bis dunkelbraune Farbe.

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So reinigen sich die Ohren selbst

Neben der Pflege und dem Schutz vor Krankheitserregern hat Ohrenschmalz eine weitere wichtige Funktion: die Selbstreinigung der Ohren. Schmutz- oder Staubteilchen sowie abgestorbene Hautschuppen werden zusammen mit dem Ohrenschmalz durch die Flimmerbewegungen winziger Härchen, die in der Haut des Gehörgangs sitzen, nach außen in Richtung der Ohrmuschel transportiert. Bewegungen des Unterkiefers (z. B. beim Kauen oder Sprechen) unterstützen diesen Vorgang. Gesunde Ohren brauchen also keine besonderen Reinigungsmaßnahmen von außen.

Wenn Ohrenschmalz Probleme macht

Manchmal sammelt sich so viel Ohrenschmalz an, dass es den Gehörgang verstopft. Das kann zu Hörproblemen und anderen Beschwerden führen. In diesem Fall hilft am besten der Besuch beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Er kann den sogenannten Ohrenschmalz-Pfropf meist schnell und sicher wieder entfernen.

 

So entsteht ein Ohrenschmalz-Pfropf

Manchmal funktioniert die Selbstreinigung der Ohren nicht mehr ausreichend. Bei alten Menschen zum Beispiel schrumpfen die Ohrenschmalzdrüsen und geben weniger Sekret ab. Dadurch wird das Ohrenschmalz sehr trocken und kann nicht mehr so gut nach außen bewegt werden – ein Ohrenschmalz-Pfropf entsteht, der den Gehörgang verstopft. Mitunter bildet sich der sogenannte Ceruminalpfropf (oder Cerumen obturans) aber auch, wenn die Ohren zu viel Ohrenschmalz produzieren oder bestimmte anatomische Veränderungen des Gehörgangs (z. B. zu eng) den Abtransport von Ohrenschmalz erschweren. Was viele nicht wissen: Auch eine falsche Ohrhygiene (z. B. die Reinigung mit Wattestäbchen) oder Hörgeräte und sogenannte In-Ear-Kopfhörer können die Ursache dafür sein, dass sich zu viel Ohrenschmalz ansammelt.

 

Diese Beschwerden gibt es

Ein Ohrenschmalz-Pfropf äußert sich vor allem dadurch, dass betroffene Menschen plötzlich schlecht hören. Denn der Ohrenschmalz-Pfropf stört den Weitertransport der Schallwellen zum Trommelfell. Typisch ist auch ein dumpfes oder unangenehmes Druckgefühl im Ohr, wenn der Pfropf am Trommelfell klebt. Mitunter kommt es zu Juckreiz, Schwindel, Ohrenschmerzen oder störenden Ohrgeräuschen (Tinnitus).

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Ohrenschmalz-Pfropf niemals selbst entfernen

Versuchen Sie niemals, einen Ohrenschmalz-Pfropf selber zu entfernen – etwa mit einem Löffelstiel, einer Pinzette oder gar mit der Munddusche. Das kann zu Verletzungen an der Haut des Gehörgangs und am Trommelfell führen. Krankheitserreger können dann leichter eindringen und mitunter schmerzhafte Ohrentzündungen auslösen.

Am besten ist es, zu einem Hals-Nasen-Ohrenarzt zu gehen – vor allem, wenn der Ohrenschmalz-Pfropf Probleme wie Ohrenschmerzen oder Hörverlust verursacht. Es gibt verschiedene Methoden, Ohrenschmalz fachmännisch zu beseitigen. Wichtig bei allen Maßnahmen ist, dass das Trommelfell unverletzt ist und keine Gehörgangsentzündung vorliegt.

Ohrspülung:

Dazu verwendet der Arzt eine spezielle Ohrspritze und körperwarmes Wasser. Wie bei einer Ohrspiegelung zieht er die Ohrmuschel nach hinten oben, sodass der Gehörgang gestreckt ist. Dann richtet er den Wasserstrahl gegen die hintere, obere Gehörgangswand. Durch die Wärme des Wassers und den Druck des Wasserstrahls soll sich der Ohrenschmalz-Pfropf lösen.

Absaugen:

Mithilfe eines speziellen Saugers kann der Arzt den Ohrenschmalz-Pfropf auch ohne Wasserspritze lösen, indem er ihn einfach absaugt. Manchmal kombiniert er auch beide Methoden, indem er das Ohrenschmalz mit der Ohrspülung löst und danach absaugt.

Mechanische Entfernung:

Mit speziellen Geräten, den sogenannten Ohrküretten, kann der Arzt das Ohrenschmalz auch per Hand herausschälen. Sowohl beim Absaugen als auch beim Herausschälen von Ohrenschmalz per Hand kontrolliert der Arzt mithilfe eines Ohrmikroskops, dass dabei keine Verletzungen entstehen.

Aufweichen:

Manchmal sitzt der Ohrenschmalz-Pfropf sehr fest. Dann kommen zuerst sogenannte Cerumenolytika in Tropfenform oder als Spray zum Einsatz. Sie enthalten zum Beispiel Öle, die das Ohrenschmalz gleitfähiger machen sollen sowie andere Stoffe, die den Pfropf aufweichen.

 

Ohren richtig reinigen

Um Ohrenschmalz zu entfernen, braucht es nicht viel. Denn gesunde Ohren reinigen sich von selbst. Vor allem gilt: Finger weg von Wattestäbchen! Sie können das Innere des Ohrs verletzen und das Entstehen von schmerzhaften Ohrentzündungen fördern.

Gesunde Ohren reinigen sich von selbst. Sie transportieren überschüssiges Ohrenschmalz, Schmutz, Staub und abgestorbene Hautschüppchen nach außen in Richtung Ohrmuschel. Sammelt sich dort Ohrenschmalz an, kann man es bedenkenlos entfernen. Das funktioniert am besten mit einem feuchten Wattepad oder einem feuchten Waschlappen. Dabei gilt: Nicht weiter als bis zur Öffnung des Gehörgangs reinigen! Eine andere Methode zur Ohrreinigung ist, beim Duschen oder Haarewaschen etwas lauwarmes Wasser in die Ohren laufen zu lassen. Zusätzlich Seife oder Shampoo zu verwenden, ist aber nicht nötig. Denn die darin enthaltenen Stoffe können den Säureschutzmantel der empfindlichen Gehörgangshaut aus dem Gleichgewicht bringen und das Entstehen von Entzündungen oder Allergien fördern.

Egal, mit welcher der beiden beschriebenen Methode man seine Ohren reinigt: Wichtig ist, sie anschließend gut abzutrocknen, zum Beispiel mit einem sauberen Handtuchzipfel. Denn Wasser weicht die Haut im Gehörgang auf und verändert das leicht saure Milieu im Inneren des Ohrs. Krankheitserreger können dann leichter eindringen und zum Beispiel Entzündungen auslösen.

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Warum Wattestäbchen ungeeignet sind

Wattestäbchen sind beliebt, weil man damit besonders tief ins Ohrinnere vordringen kann. Leider sind Wattestäbchen aber völlig ungeeignet, um die Ohren von Ohrenschmalz zu befreien. Das hat verschiedene Gründe:

  • Der harte Innenteil der Stäbchen kann die Haut des Gehörgangs oder auch das empfindliche Trommelfell reizen oder gar verletzen.
  • Der mechanische Reiz beim Reinigen kann dazu führen, dass die Drüsen der Gehörgangshaut immer mehr Ohrenschmalz bilden.
  • Auch mit Wattestäbchen kann man nur einen Teil des Ohrenschmalzes entfernen. Den Rest dagegen schiebt man immer tiefer in den Gehörgang hinein. Mit der Zeit trocknen diese Ohrenschmalz-Reste ein und verhärten sich. Vor allem nach dem Baden oder Duschen kann es dann sein, dass diese Reste durch das eingedrungene Wasser aufquellen und den Gehörgang verstopfen. Übrigens: Auch Hörgeräte, sogenannte In-Ear-Kopfhörer und Ohrenstöpsel zum Schutz vor Lärm oder Wasser können bei regelmäßigem Gebrauch dazu führen, dass sich Ohrenschmalz ansammelt und ein sogenannter Ohrenschmalz-Pfropf entsteht.

Finger weg von Ohrkerzen

Sogenannte Ohrkerzen kommen vor allem in der Alternativ- oder Komplementärmedizin zum Einsatz, um Ohrenschmalz zu entfernen. Ohrkerzen sind hohle Stäbchen, die im Wesentlichen aus Baumwolle oder Hanf und Bienenwachs bestehen. Sie haben keinen Docht. Ohrkerzen werden in das betroffene Ohr gesteckt und dann am anderen Ende angezündet. Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis für die Wirksamkeit von Ohrenkerzen. Bei der Anwendung kann es allerdings zu ernsten Verletzungen kommen, wie etwa Verbrennungen der Ohrmuschel oder des Gehörgangs, Gehörgangsverschluss durch Bienenwachs oder Verletzungen des Trommelfells. Mediziner raten daher davon ab, einen Ohrenschmalz-Pfropf mit Ohrkerzen behandeln zu lassen.

 

Wann ein Besuch beim Ohrenarzt sinnvoll ist

Es gibt Menschen, die von Natur aus einfach sehr viel Ohrenschmalz produzieren. Das ist nicht schlimm. In diesem Fall sollte man seine Ohren regelmäßig untersuchen lassen. HNO-Ärzte empfehlen eine vierteljährliche Kontrolle. Auch Menschen, die ein Hörgerät tragen, sollten regelmäßig abklären lassen, ob sich zu viel Ohrenschmalz angesammelt hat.

Ein Besuch beim Ohrenarzt ist zudem immer dann wichtig, wenn Beschwerden auftreten. Symptome wie Ohrenschmerzen, Ohrgeräusche oder plötzlicher Hörverlust können nicht nur auf einen harmlosen Ohrenschmalz-Pfropf hinweisen. Mitunter stecken dahinter auch Krankheiten wie eine Mittelohr- oder Gehörgangsentzündung.

Quellen:

  1. Arnold W, Ganzer U: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Georg-Thieme-Verlag 2011
  2. Reiß M: Facharztwissen HNO-Heilkunde: Differenzierte Diagnostik und Therapie. Springer Verlag 2009
  3. Mayer F, Mayer E: Ohrenschmalz. Cerumen entfernen – wenn, dann mit Gefühl. Der Allgemeinarzt, 2017; 39 (11) Seite 20-24
  4. American Academy of Otolaryngology - Head and Neck-Surgery: Clinical Practice Guideline (Update): Earwax (Cerumen Impaction). First Published January 3, 2017. https://doi.org/10.1177/0194599816671491
  5. US Food and Drug Administration (FDA). Don’t get burned: Stay away from ear candles 07.01.2015.
  6. Wright T. Ear wax. BMJ Clin Evid 2015
  7. Dalgleish M, Hart L: Ohrkerzentherapie: was sie ist - wie sie wirkt - wo sie hilft. Georg-Thieme-Verlag 2008
  8. HNO-Ärzte im Netz (www.hno-aerzte-im-netz.de, Abruf 29.01.2019)
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