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Ohren spülen: Was bewirkt eine Ohrenspülung?

Michelle Kröger

Wenn der Selbstreinigungsmechanismus der Ohren gestört ist oder sich ein Pfropfen aus Ohrenschmalz im Gehörgang festgesetzt hat, kann eine Spülung der Ohren helfen. Diese sollte immer von einem HNO-Arzt durchgeführt werden. Ansonsten droht eine hohe Verletzungsgefahr. Wir sagen Ihnen, was eine Ohrenspülung ist und worauf Sie besonders achten sollten. Der Hamburger HNO-Arzt Dr. Ingo Teudt hat uns Fragen zum Thema beantwortet.

Spritze mit Flüssigkeit wird ins Ohr gehalten
Die Ohren dürfen nicht in Eigenregie gespült werden. Eine professionelle Ohrenspülung wird mit körpertemperiertem Wasser beim HNO-Arzt durchgeführt Foto:  Obencem
Inhalt
  1. Was ist eine Ohrspülung und wozu ist sie gut?
  2. Wo sollte ich eine Ohrenspülung durchführen?
  3. Ohren selber spülen – keine gute Idee
 

Was ist eine Ohrspülung und wozu ist sie gut?

Normalerweise ist es nicht nötig, die Ohren zu spülen. Warum nicht? Die Ohren besitzen einen wertvollen Selbstreinigungsmechanismus. Der von vielen ungeliebte Ohrenschmalz (auch: Cerumen) spielt dabei eine große Rolle. Er wird tief im Inneren des Gehörganges produziert und schiebt sich nach und nach hinaus. Auf seinem Weg nimmt er (abgestorbene) Haut- und Schmutzpartikel mit. Ohrenschmalz schützt unsere Ohren also vor Bakterien und hält sie rein.

“Ohrenschmalz besteht aus körpereigenen und körperfremden Bestandteilen”, erläutert Dr. Ingo Teudt. “Körpereigen sind etwa Fette und Enzyme aus Zelldrüsen im Gehörgang (den Ceruminaldrüsen) sowie abgestoßene Hautschuppen und Zellen von Gehörgang und Trommelfell. Körperfremde Stoffe reichern sich durch Schmutz und Staub aus der Umwelt an.” Bei weiten und geraden Gehörgängen könne sich das Ohr laut dem HNO-Arzt gut selbst reinigen. Bei engen und abgewinkelten Gehörgängen brauche es Hilfe.

Was bringt sie also, die Ohrenspülung? Es gibt Menschen, bei denen dieser Schutzmechanismus nicht richtig funktioniert. Die Folge: Ohrenschmalz sammelt sich im Gehörgang an und verstopft ihn – es bildet sich eine Art Pfropf. Zu den möglichen Symptomen gehören: Druckgefühl, Juckreiz, Schwerhörigkeit, Ohrgeräusche oder Tinnitus. In diesem Fall ist es sinnvoll, eine Ohrspülung vorzunehmen. “Eine professionelle Ohrenspülung wird mit körpertemperierten Wasser beim Ohrenarzt, manchmal auch Hausarzt, durchgeführt. Mit ihr werden Ohrenschmalz oder Fremdkörper wie Sand- und Bausstellenstaub entfernt um Entzündungen vorzubeugen”, sagt Dr. Teudt. Dazu wird beim Arzt eine Ohrspülapparatur verwendet.

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Dabei wird der Ohrenschmalz im Gehörgang mit lauwarmem Wasser aufgeweicht und entfernt. Durch den Wasserdruck wird der feste Pfropf wirksam gelöst und der Ohrenschmalz kann hinterher leichter entfernt werden. Eine Ohrenspülung ist also eine besonders gründliche (oder besser: die gründlichste!) Methode, um den Gehörgang zu reinigen.

 

Wo sollte ich eine Ohrenspülung durchführen?

Egal welchen Experten Sie fragen, dieser wird Ihnen immer zu einem Besuch bei einem HNO-Facharzt raten, wenn es sich ums Thema Ohrenspülen dreht. Denn wird diese Behandlung falsch durchgeführt, kann das Trommelfell durch den Wasserdruck erheblich verletzt werden. Zudem wirkt sich eine zu hohe Wassertemperatur negativ auf das im Ohr sitzende Gleichgewichtsorgan aus. Es ist nur erlaubt eine Ohrenspülung vorzunehmen, solange Gehörgänge und Trommelfelle infektionsfrei, unversehrt und nicht vorgeschädigt sind. Dies kann jedoch nur ein HNO-Arzt bei einer Untersuchung feststellen, bevor er die Ohren spült. Nach der Spülung führt er eine Abschlussuntersuchung durch, bei der er kontrolliert, ob das Spülen eine Verletzung hervorgerufen hat. Eventuelle Schädigungen können so umgehend begutachtet und behandelt werden.

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Zu Hause können Sie zunächst versuchen, die Blockade beim Duschen zu lösen: “Beim Duschen die Ohrmuschel fassen und nach hinten oben ziehen, dann mit dem Duschstrahl in den Gehörgang spülen. Hinterher gut abtupfen”, sagt Dr. Teudt.

 

Ohren selber spülen – keine gute Idee

Die Ohren dürfen nicht in Eigenregie gespült werden. Es besteht ein zu hohes Verletzungsrisiko. Zwar kann man sich im Internet vielerlei Zubehör wie Ohrenspritzen, Schläuche etc. bestellen, doch all das kann erheblichen Schaden anrichten. Das Vorgehen sollte in jedem Fall einem HNO-Facharzt überlassen werden. Nur er kann eine mikroskopische Kontrolle durchführen – und diese ist sehr wichtig. Nur der Arzt kann mit einem Ohrenmikroskop sehen, ob etwas im Inneren des Ohres festhängt. Alles andere kann die Ohren zerstören. Der Experte rät: „Niemand sollte eine Ohrenspülung selbst durchführen. Das ist Sache des Arztes, keiner sollte sich selber manipulieren. Die Verletzungsgefahr ist zu groß“, so Teudt. 

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