Ohr verstopft: Wie man das Ohr reinigt und welche Mittel helfen

Redaktion PraxisVITA

Ein leichter Druck auf dem Ohr, es juckt, drückt oder zieht? Alles hört sich dumpf an? Vielleicht ist das Ohr verstopft. Wir haben mit dem HNO-Arzt Dr. Ingo Teudt über Ursachen und Behandlungsmethoden von verstopften Ohren gesprochen.

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Inhalt
  1. Ohr wird meist durch Ohrenschmalz verstopft
  2. Verstopfte Ohren durch diese Auslöser
  3. Ohr verstopft und der Einsatz von Hausmitteln
  4. Verstopfte Ohren beim Arzt reinigen lassen
  5. Ohrenschmalz entfernen: So reinigen Sie Ihre Ohren richtig
  6. Ohr verstopft: Hilfe aus der Apotheke
 

Ohr wird meist durch Ohrenschmalz verstopft

Sehr häufig ist das Ohr verstopft, weil sich zu viel Ohrenschmalz (auch Cerumen genannt) im Gehörgang befindet und dort verklumpt. “Ohrenschmalz ist eine Mischung aus verschiedenen Bestandteilen. Körpereigen sind Fette und Enzyme aus Zelldrüsen im Gehörgang, den sogenannten Ceruminaldrüsen. Aber auch abgestoßene Hautschuppen und Zellen von Gehörgang und Trommelfell gehören dazu”, sagt Dr. Ingo Teudt. “Körperfremde Stoffe hingegen reichern sich durch Schmutz und Staub aus der Umwelt an. Bei weiten und geraden Gehörgängen kann sich das Ohr gut selbst reinigen. Bei engen und abgewinkelten Gehörgängen braucht es Hilfe”, so der HNO-Arzt. 

Dass wir Ohrenschmalz haben, ist also völlig normal und sogar wichtig für unsere Gesundheit. Er schützt vor Bakterien und befördert Schmutz aus den Ohren. Unsere Ohren besitzen demnach sehr gute Selbstreinigungskräfte. Dennoch kommt es häufig vor, dass zu viel Ohrenschmalz im Gehörgang verbleibt, sich dort ansammelt, diesen verstopft und in manchen Fällen sogar Ohrgeräusche auslöst.

Dass das Ohr verstopft, passiert meist durch den Einsatz von Wattestäbchen im Ohr, die den Schmalz nur noch tiefer ins Ohr drücken. Auch Ohrenstöpsel oder In-Ear-Kopfhörer können Schuld daran sein.

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Verstopfte Ohren durch diese Auslöser

In der Regel handelt es sich also meistens bloß um überschüssigen Ohrenschmalz, der den Gehörgang (teilweise) verschließt. Doch ist das Ohr verstopft, kann das noch viele andere Ursachen haben:

Ohrenschmalzpfropfen: Sie können entstehen, wenn das Ohr zu viel Ohrenschmalz herstellt. Außerdem kann auch die falsche Anwendung von Wattestäbchen Schuld an einer solchen Pfropfenbildung sein. Wird das Stäbchen nämlich in den Gehörgang eingeführt, passiert es oft, dass der Ohrenschmalz tiefer ins Ohr geschoben wird. Dort könnte sich dieser verdichten und ansammeln – ein Pfropf entsteht. Eine Ohrenspülung mit der Ohrendusche kann hier Abhilfe schaffen oder auch ein Ohrreinigungsspray. Besser ist es jedoch, einen HNO-Arzt aufzusuchen, der den Schmalz einfach absaugen kann.

Druck auf den Ohren: Ob im Flugzeug, im Fahrstuhl oder beim Tauchen – Druck auf den Ohren ist in den meisten Fällen harmlos und schnell durch Gegendruck zu beheben. Sollte der Ohrendruck jedoch zusammen mit anderen Symptomen wie Schwindelgefühl, Ohrenschmerzen, Hörverlust oder Ohrgeräuschen, wie z.B. einem dauerhaften Pfeifton auftreten, könnte es sich auch um eine Erkrankung handeln, wie z.B eine Erkältung, eine Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündung oder ein Tinnitus/Hörsturz.

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Wasser im Ohr: Beim Schwimmen, Baden oder Wassersport tritt häufig Wasser in die Ohren ein. Dort verursacht es Druck und ein lästiges Verstopfungsgefühl. Ohrenstöpsel können Wasser im Ohr wirksam vorbeugen.

Flüssigkeit im Ohr: Insbesondere bei einem Paukenerguss – einer Ansammlung von Flüssigkeit hinter dem Trommelfell – kommt es zu einer Ansammlung von Flüssigkeit im Ohr sowie Verstopfungsgefühlen. Ein Paukenerguss entsteht durch einen Unterdruck in der sogenannten Paukenhöhle, bei dem Sekret in der Mittelohrschleimhaut produziert und abgegeben wird. Oft ist ein Paukenerguss Begleiterscheinung einer Mittelohrentzündung. Dagegen können abschwellende Nasentropfen helfen.

Furunkel im Ohr: Pickel am oder im Ohr sind keine Seltenheit. Pickel und entzündete Haarfollikel können starke Schmerzen auslösen. Bei Anschwellen der betroffenen Stellen denken Betroffene häufig, dass ihr Ohr verstopft ist. Ein HNO-Fachartr kann eine Reinigung und Desinfektion des Gehörganges vornehmen. Manchmal muss auch ein kleiner Haarwurzelabszess mit der sterilen Nadel entlastet werden.

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Wenn das Ohr nach dem Schlafen verstopft ist

Gerade morgens nach dem Schlafen passiert es häufiger, dass ein Ohr verstopft ist. Wenn man die ganze Nacht auf einer Seite gelegen hat, kann sich dort der Ohrenschmalz "stauen". Auch das Gewebe ist durch den Druck auf das Ohr im Schlaf oft angeschwollen. Dann hilft zunächst Aufstehen und Bewegung. Wenn sich das Ohr im Laufe des Tages weiterhin verstopft anfühlt, können verschiedene Hausmittel helfen, den hartnäckigen Ohrenschmalz zu lösen.

 

Ohr verstopft und der Einsatz von Hausmitteln

Es gibt eine Reihe an natürlichen Heilmitteln, die bei leicht verstopften Ohren helfen können. Sollten sie nicht helfen, sollte man einen HNO-Arzt aufsuchen.“Häufig muss der eingetrocknete und dadurch sehr feste Ohrenschmalz angelöst werden”, erklärt Dr. Teudt. “Dazu eignen sich ein paar Tropfen Olivenöl oder eine warme Wanne. Anschließend kann man mit dem Duschstrahl (nicht Massagestrahl) versuchen, den Gehörgang frei zu spülen.” Mandel- oder Olivenöl (in Bio-Qualität) wirken fettlösend. Geben Sie ein paar Tropfen in das jeweilige Außenohr ein und warten Sie mindestens fünf Minuten. Dann gut mit lauwarmem Wasser ausspülen.

Auch Salzwasser kann die Verstopfung beheben. Dazu lösen Sie einen Teelöffel Salz in 100 Millilitern warmem Wasser auf. Einen Löffel davon geben Sie in das verstopfte Ohr. Bis zu 15 Minuten einwirken lassen und hinterher mit lauwarmen Wasser ausspülen.

Sollten Sie zusätzlich mit einer Erkältung zu tun haben, eignet sich auch ein Dampfbad als natürliches Heilmittel gegen die Ohrverstopfung. Geben Sie einen Esslöffel Kamillenblüten in das heiße Wasser (ca. 2 Liter). Hinterher spülen Sie das Ohr mit lauwarmem Wasser aus. Kamille löst den Ohrenschmalz, reinigt und wirkt zusätzlich antibakteriell.

Dr. Teudt warnt: “Von Ohrenkerzen, Stecknadeln, Ohrenkratzer und Schraubenziehern ist dringend abzuraten. Das Verletzungsrisiko des Mittelohres ist sehr hoch."

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Verstopfte Ohren beim Arzt reinigen lassen

Auch, wenn es viele Wege der Selbstbehandlung gibt: Am besten ist es, wenn Sie mit einer Ohrverstopfung den HNO-Facharzt besuchen. Dieser kann sich das Problem genauer anschauen und verfügt über besondere Methoden, mit denen er die Verstopfung lösen kann, dazu gehören etwa:

Spülen: Durch den Einsatz einer Spülapparatur befördert der Arzt lauwarmes Wasser ins Ohr, das löst den Pfropfen.

Absaugen: Mithilfe eines dünnen Ohrensaugers, der in den Gehörgang eingeführt wird, kann der Pfropfen abgesaugt werden.

Ohrenschmalz mechanisch entfernen: Der HNO-Arzt zieht den hartnäckigen Ohrenschmalzpfropfen mit einem speziellen Häkchen aus dem Ohr des Patienten.

 

Ohrenschmalz entfernen: So reinigen Sie Ihre Ohren richtig

Sie haben häufig mit verstopften Ohren durch verklumpten Ohrenschmalz zu kämpfen? Dann sollten Sie dem vorbeugen. Diese Tipps helfen Ihnen dabei, Ihre Ohren richtig zu reinigen und überschüssigen Ohrenschmalz zu entfernen:

In der Dusche: “Beim Duschen die Ohrmuschel fassen und nach hinten und oben ziehen. Dann mit dem Duschstrahl in den Gehörgang spülen und hinterher gut abtupfen”, sagt HNO-Arzt Dr. Teudt. Auch möglich: “Mit der Ecke eines Handtuchs in den Gehörgang gehen und trockensaugen.”

Keine Wattestäbchen: Nein, Wattestäbchen eignen sich entgegen vieler Meinungen nicht, um die Ohren zu reinigen. “Q-Tips nur vorsichtig im Eingang des Gehörgangs benutzen – in der Tiefe stopft man den Ohrenschmalz meistens nur weiter nach hinten und erreicht das Gegenteil”, sagt Dr. Teudt. Dringen Sie am besten nicht in den Gehörgang ein. Dabei könnten Sie auch das Trommelfell verletzen.

Schmutz sanft entfernen: Um Schmutz und überschüssigen Schmalz sanft aus der Ohrmuschel zu entfernen, nehmen Sie am besten ein weiches Baumwoll- oder Kosmetiktuch zur Hand, das Sie mit etwas lauwarmen Wasser befeuchten. Aber: Nur tupfen, nicht reiben.

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Ohr verstopft: Hilfe aus der Apotheke

In der Apotheke erhalten Sie zusätzlich Ohrentropfen oder Ohrensprays, die Ihnen bei der Reinigung der Ohren behilflich sein können. Diese Produkte weichen den verklumpten Ohrenschmalz im Außenohr auf und man kann die Substanz anschließend leicht mit einem Tuch entfernen. Apotheker beraten individuell, welches Präparat am besten geeignet ist. Ist das Ohr verstopft und lässt sich durch Hausmittel und Arzneimittel aus der Apotheke nicht befreien, sollten Sie den HNO-Arzt aufsuchen.

Unser Experte: Dr. med. Ingo Teudt, HNO-Arzt mit eigener Praxis in Hamburg-Altona.

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