Östrogen: Alles über das weibliche Geschlechtshormon

Michelle Kröger

Das weibliche Geschlechtshormon Östrogen ist unerlässlich für die Frau. Es spielt eine zentrale Rolle für den Menstruationszyklus und während der Schwangerschaft. Ist der Östrogenspiegel zu niedrig, können starke Nebenwirkungen auftreten. Doch auch für Männer kann ein Östrogenmangel schwerwiegende Folgen haben.

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Östrogenmangel kann die Gesundheit schwer beeinträchtigen Foto:  iStock/Anastasiia Gorshkova
Inhalt
  1. Was ist Östrogen?
  2. So wichtig sind Östrogene für den Körper
  3. Östrogenspiegel im Check: Was ist normal?
  4. Östrogenmangel: Symptome und Behandlung
  5. Hormonersatztherapie: Vor- und Nachteile
  6. Schonende Therapie durch östrogenreiche Ernährung
 

Was ist Östrogen?

Östrogene (auch: Estrogene) sind weibliche Geschlechtshormone. Unterschieden werden sie in drei verschiedene Arten:

  • Östradiol
  • Östron
  • Östriol

Östradiol gilt auch als das “Hauptöstrogen”. Neben den anderen beiden Arten übernimmt es neben geschlechtsspezifischen Funktionen auch systemisch wichtige Aufgaben für den gesamten Körper.

Produziert werden Östrogene bei der Frau vor allem in den Eierstöcken, außerdem in der Plazenta und der Nebennierenrinde. Sie steuern den Menstruationszyklus der Frau, sind während der Schwangerschaft von großer Bedeutung und tragen zum Stoffwechsel und zur Knochenbildung bei. In geringen Mengen sind sie auch für den männlichen Organismus unerlässlich.

 

So wichtig sind Östrogene für den Körper

Eine der Hauptaufgaben des Östrogens im weiblichen Körper ist die Steuerung des Menstruationszyklus. Das Geschlechtshormon sorgt dafür, dass Follikel in den Eierstöcken heranreifen. Darüber hinaus verändert sich unter dem Einfluss von Östrogen die Durchlässigkeit der Schleimhaut im Gebärmutterhals, sodass zum Zeitpunkt des Eisprungs Spermien hindurch gelassen werden.

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Außerdem sind Östrogene für die Ausbildung und Erhaltung der sekundären weiblichen Geschlechtsmerkmale zuständig. So fördern sie das Wachstum der Brüste, den Aufbau der Milchdrüsen sowie die Ausbildung der Gebärmutter.

Zu den zentralen Aufgaben, die Östrogene im menschlichen Körper begünstigen, zählt der Stoffwechsel. Sie steigern beispielsweise die Durchblutung, fördern  Wassereinlagerungen im Körper, unterstützen die Produktion von Eiweißen und führen zu einem Anstieg von Triglyzeriden und Cholesterin. Auch bei Männern sind Östrogene am Fettstoffwechsel und anderen Stoffwechselprozessen beteiligt. Zudem gelten sie als wichtiger Stimulus der männlichen Sexualität.

 

Östrogenspiegel im Check: Was ist normal?

Um all diese Funktionen im menschlichen Körper erfüllen zu können, muss ein gewisser Östrogenspiegel gehalten werden. Dieser ist bei Frauen generell höher als bei Männern. Im Verlauf des Monatszyklus variieren die Östrogenwerte einer Frau allerdings stark. So werden die Werte je nach Zyklusphase unterschiedlich bewertet.

  • Erste Zyklushälfte (Tag 1 bis 14): Die Blutserum-Konzentration des Östradiols beträgt 25 bis  95 ng/l.
  • Tag des Eisprungs (ca. Tag 14): Die Blutserum-Konzentration des Östradiols liegt bei 75 bis 570 ng/l.
  • Zweiten Zyklushälfte (Tag 15 bis 28): Die Blutserum-Konzentration des Östradiols fällt ab auf 60 bis 250 ng/l.

Wie oben aufgeführt, steigt der Östrogenspiegel, vor allem der Wert des Östradiols, in der ersten Zyklushälfte an. Kurz vor dem Eisprung wird dieser Anstieg extrem. Dies löst ebenfalls einen rasanten Anstieg des  luteinisierenden Hormons (LH) aus, das letztendlich der Auslöser für den Eisprung ist. Schon zu diesem Zeitpunkt nimmt die Östrogenkonzentration wieder ab.

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Auch in der Schwangerschaft steigen die Östrogenwerte stark an. In dieser Zeit werden die beiden Östrogene Östradiol und Östriol hauptsächlich von der Plazenta hergestellt. Zum Ende der Schwangerschaft erreicht der Östrogenspiegel sein Maximum. Im Gegensatz zur Schwangerschaft sinken die Östrogenwerte mit Beginn der Wechseljahre unter 45 ng/l.

Bei Männern liegt die Östradiolkonzentration normalerweise zwischen 12 und 42 ng/l, bei jungen und Mädchen vor Eintritt der Pubertät unter 30 ng/l.

 

Östrogenmangel: Symptome und Behandlung

Häufigster Grund für Östrogenmangel bei Frauen sind die Wechseljahre und das Eintreten der Menopause. Dies ist keinesfalls ein krankheitsbedingter Mangel, sondern ein ganz natürlicher Prozess. Nimmt die Hormonproduktion zu schnell ab oder unterliegt starken Schwankungen, kann es zu körperlichen Beschwerden und Beeinträchtigungen kommen.

Doch auch bei jungen Frauen können Mangelerscheinungen auftreten. Hier liegt meist die Ursache in einer gestörten Hormonproduktion bzw. Regulierung des Hormonhaushaltes. Folgende Symptome können auf einen Östrogenmangel hinweisen:

  • Hitzewallungen und Schweißausbrüche
  • Schlafstörungen
  • Schwindel
  • Herzklopfen
  • Depression
  • Gewichtszunahme
  • Trockene Haut
  • Verstärkter Haarwuchs im Gesicht
  • Unregelmäßige Zyklen
  • Libidoverlust
  • Unerfüllter Kinderwunsch
  • Osteoporose (brüchige Knochen)

Vor allem Beschwerden wie  Depression und Gewichtszunahme sind auch bei Männern nicht zu unterschätzen. Denn wie Forscher der Harvard Medical School festgestellt haben, führt eine Verringerung der Östrogenkonzentration im Körper auch bei dem männlichen Geschlecht zu einer Gewichtszunahme, so wie es bei Frauen in den Wechseljahren geschieht. Auch für die Libido des Mannes werden beide Geschlechtshormone, Testosteron und Östrogen, im Körper gebraucht.

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Bemerken Sie mehrere der oben genannten Nebenwirkungen, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen. Gynäkologische Untersuchung und Blutuntersuchungen mit Bestimmung des Östrogenspiegels können weiteren Aufschluss über ein mögliches Krankheitsbild geben.

Erhalten Sie die Diagnose Östrogenmangel, können zwei Behandlungsmethoden gewählt werden. Ein starker Östrogenmangel wird in der Regel mit Hormonpräparaten in Tablettenform behandelt. Dies Art der Therapie sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Liegt nur ein leichter Mangel vor, können auch Pflanzenpräparate helfen.

 

Hormonersatztherapie: Vor- und Nachteile

Wichtig ist bei der Behandlung mit Östrogen Tabletten, dass das “Hauptöstrogen” Östradiol sehr schnell in der Leber abgebaut wird. Daher eignet es sich nicht zur Einnahme als Tablette. Aus diesem Grund sind auch die Östrogene der Antibabypille etwas anders aufgebaut als die natürlichen Hormone.

Allgemein stehen für die Hormonersatztherapie verschieden Präparate zur Auswahl. Alle sollen die Beschwerden eines Östrogenmangels lindern bzw. ganz verschwinden lassen und somit die Lebensqualität erhöhen.

  • Östrogenpräparate
  • Östrogen-Gestagen-Präparate
  • Tibolon-Präparate

Durch reine Östrogenpräparate können Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut entstehen (Endometrium). Aus diesen kann sich anschließend Endometrium- oder Gebärmutterkörperkrebs entwickeln. Aus diesem Grund kommen reine Östrogen Tabletten nur bei Frauen zur Anwendung, deren Gebärmutter entfernt wurde.

Bei Östrogen-Gestagen-Präparaten setzen diese Wucherungen aus. Sie werden in den meisten Fällen eines starken Östrogenmangels verschrieben. Im Rahmen der Hormonersatztherapie können Östrogen-Gestagen-Präparate den Beschwerden, die mit der Abnahme von Hormonen einhergehen, entgegenwirken.

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Tibolon-Präparate werden in Deutschland eher selten eingesetzt. Sie sollen eine geringere Wirkung als Östrogen-Gestagen-Präparate, dafür aber mehr Nebenwirkungen haben. Wobei bei allen Formen der Hormonersatztherapie Nebenwirkungen auftreten können.

Aus diesem Grund ist die Einnahme künstlich hergestellter Hormone allgemein sehr umstritten. Unter anderem können ein erhöhtes Risiko für Thrombose, Brustkrebs und Schlaganfall die Folge sein.

In den Wechseljahren bei nicht allzu starken Beschwerden setzten deswegen zunehmend mehr Frauen auf natürliche Behandlungsmethoden wie Pflanzenpräparate, die im Gegensatz zu synthetischen Hormonen wesentlich weniger Nebenwirkungen aufweisen.

 

Schonende Therapie durch östrogenreiche Ernährung

Natürliches Östrogen ist die Alternative zur Hormontherapie. Diese sieben Lebensmittel sind besonders reich an Östrogen:

  • Traubensilberkerze: Die Traubensilberkerze enthält Phytohormone, die dem körpereigenen Östrogen ähnlich sind. Sie wirkt regulierend auf den weiblichen Hormonhaushalt und lindert Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und Depression. Bei jüngeren Frauen wird die Heilpflanze auch bei Menstruationsproblemen eingesetzt. Traubensilberkerze ist als Teemischung, Filmtabletten oder Kapseln in der Apotheke erhältlich.
  • Mönchspfeffer: Mönchspfeffer wird nicht nur bei Wechseljahresbeschwerden, sondern auch zur natürlichen Steigerung der Fruchtbarkeit bei Frauen mit Kinderwunsch eingesetzt. Die Pflanze wirkt regulierend auf den gesamten Hormonhaushalt und setzt das Glückshormon Dopamin frei, welches die Stimmung aufhellt. Mönchspfeffer gibt es in Kapselform und in Teemischungen, die neben Mönchspfeffersamen häufig auch Frauenmantelkraut oder Johanniskraut enthalten.
  • Johanniskraut: Bei Depressionen in den Wechseljahren kann Johanniskraut helfen. Bei leichten bis mittelschweren Verstimmungen können Extrakte aus der Heilpflanze ähnlich wirksam sein wie chemische Antidepressiva. Eine erhöhte Dosis sollte allerdings nur in Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden, da das Heilkraut in Kombination mit anderen Wirkstoffen auch negative Auswirkungen zum Beispiel auf die Effektivität hormonregulierender Medikamente wie die Antibabypille haben kann.

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  • Hopfen: Hopfen hilft gegen Hitzewallungen, denn die Inhaltsstoffe von Bier sorgen dafür, dass der Östrogenspiegel steigt. Außerdem wird Hopfen eine beruhigende Wirkung zugesprochen. Aus medizinischer Sicht eignen sich Hopfentee und Hopfenextrakt-Präparate in Kapselform aus der Apotheken.
  • Soja: Studien zeigen, dass auch Soja Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche lindern kann. Die positive Wirkung von Soja ist auf die in der Pflanze enthaltenen Isoflavone zurückzuführen. Diese Phytoöstrogene können sich positiv auf die Herz-Kreislauf-Funktionen auswirken. Wer regelmäßig Sojaprodukte wie Sojadrinks, Sojajoghurt, Tofu oder Tempeh konsumiert, kann so einen Östrogenmangel auf natürliche Weise ausgleichen.
  • Leinsamen, Sonnenblumen- und Kürbiskerne: Klein, aber fein – Leinsamen sind reich an Lignanen. Diese sind dem körpereigenen Östrogen sehr ähnlich, gleichen einen möglichen Mangel aus und wirken zudem zellschützend. Als Topping auf Müsli, in Suppen oder Salaten eignen sie sich hervorragend, genauso wie Sonnenblumen- und Kürbiskerne oder Sesam.
  • Trockenfrüchte: Getrocknete Früchte enthalten nicht nur Phytoöstrogene, sondern sind auch noch reich an Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen. Sie sorgen somit für ein Wohlfühlgefühl bei Östrogenmangel – als gesunder Snack zwischendurch, als Zugabe zu Quark oder Müsli oder als Zuckerersatz beim Backen.

Quellen:

  • Hormone bei der Frau (am 03.01.2020), in: hormonzentrum-an-der-oper.de
  • Not Just Testosterone (2017), in: hms.harvard.edu
  • Barbara Bodner-Adler, Journal für Urologie und Urogynäkologie/Österreich volume 26, S. 66–68 (2019), Urogynäkologie und Hormone

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