Ölziehen: Alles zur indischen Entschlackungsmethode

Bonnie Stenken
Ölziehen
Ölziehen wird seit Jahrtausenden als Heilmittel gegen verschiedene Krankheiten durchgeführt Foto:  photo_chaz/iStock

Ölziehen ist eine Entschlackungsmethode. Sie stammt von der über 3500 Jahre alten indischen Gesundheitslehre des Ayurveda. Aber wie funktioniert die Praktik?

Wir sind täglich unzähligen Viren und Bakterien ausgesetzt – auch im Mund. In der Mundhöhle bilden sich sogenannte Schlacken. Diese stammen aus Mineralstoffen und Spurenelementen und siedeln sich anschließend im Organismus als Säuren und Gifte an. Häufige Folgen sind Karies, Mundgeruch und Zahnfleischentzündungen.

Mit diesen Problemen plagten sich schon die Menschen im antiken Indien herum, weshalb sie Ölziehen als Hausmittel gegen die Beschwerden versuchten. Es soll, neben der positiven Wirkung auf Zähne und Zahnfleisch, auch Schmerzen, Migräne, Entzündungen, Hormonerkrankungen und Asthma lindern sowie den pH-Wert im Körper regulieren. Warum? Weil das Öl im Mund bewegt wird und auf diese Weise alle Schadstoffe an sich bindet, die anschließend ausgespuckt werden. Öl kommt in die kleinsten Zahnlücken, weshalb es so effektiv sein soll.

Wann sollte man Ölziehen?

Das morgendliche Ritual ist inzwischen auch bei uns angekommen. Allerdings sollte man sich 20 Minuten Zeit dafür nehmen. Ölziehen wird morgens vor dem Zähneputzen und auf nüchternen Magen praktiziert. Denn über Nacht sammeln sich die Giftstoffe und Bakterien im Mundraum.

 

So geht Ölziehen:

Mit einem Zungenschaber Beläge entfernen. Danach einen Esslöffel Öl für etwa 15 bis 20 Minuten ziehen, saugen, spülen und schlürfen. Die Bakterien werden erst nach dieser Dauer komplett entfernt. Wenn das Öl weiß-flüssig ist, kann es ausgespuckt werden. Anschließend einmal mit Wasser nachspülen (nicht schlucken) und die Zähne ganz normal putzen. Schon nach kurzer Zeit sollen Verbesserungen sicht- und spürbar sein.

 

Ölziehen: Diese Öle können Sie benutzen

Für das Ziehen von Öl können handelsübliche, kaltgepresste Oliven-, Sesam-, Kokos- oder Sonnenblumenöle verwendet werden. Achten Sie auf Bio-Qualität. Das Öl sollte nicht über 45 Grad erhitzt worden sein. So wird garantiert, dass alle Wirkstoffe erhalten bleiben. Alle Öle wirken entzündungshemmend, antibakteriell und entgiftend. Welches Öl Sie zum Ölziehen nehmen, ist Geschmackssache. Kokosöl wird häufig als angenehmer empfunden, als beispielsweise Oliven- und Sonnenblumenöl. Diese können zudem schneller ranzig werden.

Ölziehen
Ölziehen soll dabei helfen, Schlacken aus dem Mundraum zu entfernen © LuminaStock/iStock
 

Ölziehen: Das sagt die Wissenschaft zu der Entschlackungsmethode

Obwohl es viele Befürworter für das Ölziehen gibt, sind längst nicht alle Gesundheitsexperten überzeugt von der Methode. Sie bezweifeln, dass der Körper Hilfe dabei benötigt, die Schlacken aus dem Körper zu schwemmen. Der Körper sei ihnen zufolge in der Lage, Schadstoffe selbstständig auszuspülen. Bisher gibt es keine aussagekräftigen wissenschaftlichen Studien, die eine positive Wirkung von Ölziehen belegen. Allerdings gibt es ebenso wenig Belege für eventuelle Folgeschäden. Daher kann Ölziehen in der Regel bedenkenlos praktiziert werden.


Menschen mit Amalgam-Füllungen in den Zähnen sollten jedoch ihren Arzt vorher fragen. Kritiker merken an, dass sich durch das Ölziehen Quecksilber aus den Amalgam-Plomben lösen kann und das dann austretende Nervengift nicht mit dem Ausspülen vollkommen ausgeschieden wird.

 

Video: Hausmittel für weiße Zähne

 
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