Corona-Impfung für 80 Euro? Arzt soll in Scheune geimpft haben

Ines Fedder Medizinredakteurin

Ein Hausarzt in NRW soll mit Corona-Impfungen Kasse gemacht haben. Das Gesundheitsministerium spricht von einem „inakzeptablen Verhalten“. Wie der skandalöse Vorfall ans Licht kam.

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Inhalt
  1. Corona-Impfung gegen Geld: Arzt aus NRW impfte wohl 200 Firmenmitarbeiter
  2. Kuriose Impfaktion: Wurde die Impf-Reihenfolge eingehalten?
  3. Wie kam der Impfarzt überhaupt zu dem Impfstoff?
  4. Geld gegen Corona-Impfung: Gesundheitsministerium kritisiert Impfaktion

Eine Corona-Impfung für 80 Euro? Ein doch eher skandalöser Umstand, ist die Schutzimpfung gegen das gefährliche Coronavirus doch eigentlich umsonst. Zudem ist der Impfstoff in Deutschland immer noch ein doch eher seltenes Gut. Ein Hausarzt im nordrhein-westfälischen Hamminkeln soll sich laut Recherchen des „WDR“ diesen Vorteil zunutze gemacht haben und insgesamt 200 Firmenmitarbeiter gegen eine Gebühr von 80 Euro gegen Sars-CoV-2 geimpft haben.

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Corona-Impfung gegen Geld: Arzt aus NRW impfte wohl 200 Firmenmitarbeiter

Laut WDR-Informationen hat der Mediziner rund 200 Mitarbeiter von mehreren Firmen in eine Festscheune geladen. Pro Mitarbeiter sei dann für jede Impfung 80 Euro einkassiert worden. Der WDR berichtet, dass mindestens zwei Unternehmen an der Impfaktion beteiligt gewesen sein sollen. Der Westdeutsche Rundfunk zitiert aus der Einladung des Hausarztes: "Wir haben nun die Möglichkeit, Ihre Mitarbeiter (....) gegen Covid-19 zu impfen." Verimpft sei dabei das Vakzin des Herstellers AstraZeneca.

Zwar sei die Impfung selbst ausdrücklich umsonst, jedoch komme wegen Auslagen und Personalressourcen dennoch pro geimpfte Person 80 Euro als „Unkostenbeitrag“ hinzu. Von diesem Geld sei die Anmietung der Scheune und der Lohn für die rund 20 Mitarbeiter gezahlt worden, die bei der Impfaktion an einem Sonntag geholfen haben. 

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Kuriose Impfaktion: Wurde die Impf-Reihenfolge eingehalten?

Der WDR kontaktierte den Arzt, der auf Anfrage bestätigte, 200 Personen bei der Impfaktion immunisiert zu haben. Es seien sowohl Firmenmitarbeiter aus Unternehmen darunter gewesen, in denen er als Betriebsarzt tätig war, als auch eigene Patienten des Arztes. Die betroffenen Mitarbeiter seien angeblich dran gewesen mit dem Impfen, weil sie aus systemrelevanten Bereichen wie der Entsorgungswirtschaft und dem Transportwesen kämen, berichtet der WDR.

Der Kreis Wesel sehe das jedoch nicht so. „Anders als der Arzt angab, waren aus Sicht des Kreises Wesels Impfungen der Mitarbeiter dieser Firmen noch nicht vorgesehen“, berichtet der WDR. Der Arzt habe demnach „ohne vorherige Rücksprache mit dem Kreis“ die Impfaktion durchgeführt. 

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Wie kam der Impfarzt überhaupt zu dem Impfstoff?

Den Impfstoff erhielt der Mediziner vom Kreis Wesel. Der hatte den Hausärzten ein Sonderkontingent von 3.700 AstraZeneca-Impfdosen angeboten. Der Impfstoff sollte zwar ausdrücklich „schnell“ verimpft werden, jedoch müsse man sich dennoch an die offizielle Impfpriorisierung halten.

 

Geld gegen Corona-Impfung: Gesundheitsministerium kritisiert Impfaktion

Auch wenn der betroffene Arzt sich vermeintlich keiner Schuld bewusst sei, schließlich habe er immerhin 200 Menschen geimpft, kritisiert das NRW-Gesundheitsministerium die Impfaktion scharf. Geld für die Corona-Impfung zu nehmen, egal ob Unkosten oder nicht, sei „inakzeptabel“. Das Gesundheitsministerium prüfe nun, ob „berufsaufsichtsrechtliche“ Schritte eingeleitet werden können, so der WDR. Auch wegen der Nichteinhaltung der Impf-Reihenfolge drohen dem Arzt aus NRW Konsequenzen. 

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Eine Corona-Impfung für 80 Euro darf und kann in Zeiten von Impfstoff-Knappheit und steigenden Infektionszahlen kein Weg sein, sich eine frühere Impfung zu erschleichen. Besonders deshalb nicht, weil die Corona-Schutzimpfung ausdrücklich für alle Bürger kostenlos angeboten wird, auch wenn bei der Impf-Aktion Unkosten entstehen sollten.

Quelle:

Arzt impft Firmenmitarbeiter: Massive Kritik vom Ministerium, in: wdr.de

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