Norovirus: Wie gefährlich ist er wirklich?

Dr. med. Nadine McGowan Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin

Was ist das eigentlich, ein Norovirus, und wie sehen die Norovirus-Symptome bei Ansteckung aus? Kann man etwas dagegen tun und wie lange ist man nach einer Infektion mit dem Norovirus ansteckend? Alle wichtigen Infos.

Der Norovirus ist für einen Großteil der Magen-Darm-Erkrankungen in den Wintermonaten verantwortlich. Er kommt zwar auch im Sommer vor, es gibt aber jährlich Krankheitshäufungen in den Monaten von Oktober bis März. Bei Erwachsenen können bis zu 50 Prozent aller nicht bakteriell verursachten Magen-Darminfekte auf den Norovirus zurückgeführt werden, bei Kindern bis zu 30 Prozent. Eine akute Infektion mit dem Norovirus unterliegt der Meldepflicht beim Gesundheitsamt.

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Welche Norovirus-Symptome zeigen sich nach Ansteckung?

Es gibt fünf verschiedene, für Menschen pathogene (krankheitsauslösende) Gruppen vom Norovirus, von denen die einzelnen Gruppen wiederum bis zu 20 Untergruppen beinhalten. So wird klar, warum man mehrfach am Norovirus erkranken kann: Da es so viele verschiedene Typen gibt, kann man kaum gegen alle eine Immunität aufbauen.

Eine Infektion mit dem Norovirus ist hoch ansteckend – man kann sich durch Viruspartikel, die an Händen oder Türklinken kleben anstecken und natürlich durch Erbrochenes oder Durchfall. Für eine Ansteckung mit dem Norovirus reicht es schon, kleinste Tröpfchen mit Viruspartikeln einzuatmen, zum Beispiel wenn sich jemand mit dem Norovirus erbricht.

Bereits zehn bis 100 Viren reichen aus, um sich anzustecken. Die Inkubationszeit beim Norovirus ist kurz: Sechs bis 50 Stunden nach Infektion zeigen sich Norovirus-Symptome – meist ganz plötzlich: starke Übelkeit, schwallartiges Erbrechen, heftige Durchfällen, Magen- und Bauchschmerzen. Fieber besteht meist nicht, dafür kann etwas erhöhte Temperatur zu den Norovirus-Symptomen gezählt werden.

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Was tun, wenn Kinder das Norovirus bekommen?

Da der Flüssigkeitsverlust durch die Norovirus-Symptome Erbrechen und Durchfall innerhalb kurzer Zeit sehr hoch sein kann, sind durch das Norovirus insbesondere Kleinkinder und ältere Menschen gefährdet, schnell zu dehydrieren (auszutrocknen). Nicht selten müssen sie für ein oder zwei Tage im Krankenhaus mit Infusionen behandelt werden. Tödlich ist das Norovirus nur in seltenen Fällen, etwa wenn innere Organe durch den starken Flüssigkeits- und Elektrolytverlust großen Schaden nehmen. Betroffen von einer tödlichen Norovirus-Ansteckung sind meist ältere und geschwächte Menschen mit Vorerkrankungen.

Gegen den Norovirus an sich kann man nichts tun. Es existieren keine besonderen Antivirusmittel, um ihn direkt zu bekämpfen. Wichtig für die Behandlung einer Norovirus-Infektion ist es, dass man den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust ausgleicht. Dafür stehen verschiedene Präparate wie zum Beispiel Oralpädon oder Elotrans zur Verfügung.

Wenn starkes Erbrechen besteht, sollte aber unbedingt darauf geachtet werden, dass immer nur kleine Mengen des Mittels, dafür aber häufiger verabreicht werden. Wenn man also beispielsweise alle zehn Minuten einen Esslöffel der Lösung zu sich nimmt oder seinem Kind gibt, wird der Magen zum einen jeweils mit nur wenig „Arbeit“ belastet und innerhalb von einer Stunde hat man 120 Milliliter Flüssigkeit wieder ersetzt.

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Was kann man beim Norovirus essen und trinken?

Eine echte Schonkost wie früher empfiehlt man bei Norovirus nicht mehr, mehrere Studien konnten zeigen, dass dies eher schlecht für die Regeneration der Darmflora ist. Natürlich ist es aber ratsam, mit fester Nahrung vorsichtig wieder zu beginnen, wenn die schlimmste Übelkeit vorüber ist.

Und was genau kann man beim Norovirus essen? Gut sind leicht verdauliche Lebensmittel wie trockenes Weißbrot, Salzstangen, gekochte Kartoffeln und Möhren oder eine leichte Brühe. Wenn das gut vertragen wurde, kann weiter gesteigert werden, bis schließlich selbst fettige Dinge wieder problemlos gegessen werden können. Lediglich mit Milchprodukten sollte man für ein paar Tage länger (vielleicht eine Woche) noch vorsichtig sein, denn einige Patienten haben nach einer Magen-Darm-Infektion eine vorübergehende Laktoseunverträglichkeit. Dann können sich von Milchprodukten kurzzeitig erneut Norovirus-Symptome wie Durchfall ankündigen, obwohl die Infektion eigentlich überstanden ist.

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Hygienemaßnahmen einhalten

Stark ansteckend bleibt ein Norovirus bis circa 48 Stunden nach dem letzten Erbrechen oder Durchfall. Allerdings können Viruspartikel mit dem Stuhl noch für ungefähr eine Woche ausgeschieden werden. Auf besondere Hygienemaßnahmen nach dem Toilettengang sollte in der Zeit noch geachtet werden: gründliches Händewaschen anschließend, am besten auch Händedesinfektion mit einem viruziden Desinfektionsmittel (die Apotheke kann diesbezüglich beraten). Ein Oberflächendesinfektionsmittel, mit dem man die Toilette ein sprühen oder abwischen kann, kann die Gefahr einer Ansteckung mit dem Norovirus ebenfalls mindern.

Quellen:
Norovirus-Gastroenteritis, in: Robert Koch-Institut
Noroviren, in: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Norovirus-Infektionen, in: Niedersächsisches Landesgesundheitsamt

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