Night-Eating-Syndrom: Warum muss ich nachts essen?

Das Night-Eating-Syndrom kann die Lebensqualität der Betroffenen enorm einschränken. Woher kommt die Essstörung und was hilft gegen den nächtlichen Hunger?

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Menschen mit dem sogenannten Night-Eating-Syndrom haben regelmäßig spätabends oder nachts Hunger, der sie nicht (wieder) einschlafen lässt, bevor sie gegessen haben. Begleitet von massiven Ein- und Durchschlafproblemen kann die Essstörung für Betroffene zu einer großen Belastung werden. 

Es gibt keine verlässlichen Zahlen zur Verbreitung des Night-Eating-Syndroms, Schätzungen belaufen sich auf ein bis zwei Prozent der Bevölkerung.

Night-Eating-Syndrom: Symptome der Essstörung

Im Wesentlichen ist das Essverhalten der Betroffenen im Vergleich zu dem von gesunden Menschen nach hinten verschoben: Sie essen in der ersten Tageshälfte auffallend wenig, in der zweiten dafür auffallend viel. Insgesamt nehmen sie nicht zwangsläufig mehr Kalorien zu sich als Menschen ohne diese Essstörung.

Am Night-Eating-Syndrom leidet, wer einen wesentlichen Teil seiner täglichen Nahrungsaufnahme nachts zu sich nimmt – laut Definition mindestens 25 Prozent von dem, was er oder sie üblicherweise pro Tag verzehrt.

In der Regel sind die nächtlichen Mahlzeiten kohlenhydratreich. Die Betroffenen stehen teilweise mehrmals in der Nacht auf, um zu essen – vorher können sie nicht wieder einschlafen. Weitere Symptome des Night-Eating-Syndroms sind:

  • Schlafstörungen (Ein- und Durchschlafstörungen)
  • Appetitlosigkeit am Morgen
  • Schlechte Stimmung (vor allem abends)
  • Depressionen oder Ängste
  • Allgemein verminderte Lebensqualität
  • Sorge um das Gewicht oder die Figur
  • Stress und Anspannung

Woher kommt der Drang, nachts zu essen?

Die Ursachen des Night-Eating-Syndroms sind noch nicht endgültig geklärt, auf diesem Gebiet ist noch weitere Forschung notwendig. Es gibt verschiedene Theorien – vermutlich liegt die Ursache in einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Folgende Ursachen sind denkbar:

  • Genetische Ursachen: Das Night-Eating-Syndrom tritt familiär gehäuft auf. Darum gehen Mediziner:innen davon aus, dass es eine erbliche Komponente gibt. Vermutet wird, dass dem Syndrom eine Mutation in dem Gen PER1 zugrunde liegt. Dieses Gen ist dafür zuständig, die Hunger- und Essenszeiten dem täglichen Schlaf-Wach-Rhythmus anzupassen.  
  • Fehlregulation des Melatoninspiegels: Es gibt Hinweise darauf, dass hinter dem Syndrom eine Fehlregulation des Melatoninspiegels steckt. Das Hormon Melatonin fungiert als „Zeitgeber“ des Organismus: Bei Dunkelheit wird es vermehrt ausgeschüttet und sorgt dafür, dass wir schläfrig werden. Licht hemmt hingegen seine Ausschüttung. Ist der Melatoninspiegel zu hoch oder zu niedrig, kann der Biorhythmus durcheinandergeraten.
  • Appetitanregendes Hormon: Auch das sogenannte Ghrelin ist vermutlich an der Entstehung des Syndroms beteiligt. Dieses Hormon wirkt appetitanregend. Bei Betroffenen ist der Ghrelinspiegel nachts deutlich höher als bei Personen, die nicht an dem Syndrom leiden.

Viele Betroffene sind zudem übergewichtig. Übergewicht ist allerdings keine Voraussetzungen, das Night-Eating-Syndrom zu entwickeln. Es gibt auch normalgewichtige Betroffene. Besteht bereits Übergewicht, kann es durch das Syndrom jedoch verschlimmert werden – unter anderem durch die Schlafstörungen.

Night-Eating-Syndrom-Therapie: Was hilft gegen Hunger in der Nacht?

Zur Behandlung des Night-Eating-Syndroms werden verschiedene Psychopharmaka eingesetzt, beispielsweise Antidepressiva. Außerdem gibt es folgende Therapiemöglichkeiten – welche am besten passt, sollte individuell mit der Ärztin oder dem Arzt abgestimmt werden:  

  • Verhaltenstherapie (um den Organismus auf andere Essenszeiten „umzuprogrammieren“)
  • Lichttherapie
  • Entspannungsübungen (z.B. progressive Muskelrelaxation)
  • Psychotherapie
  • Ernährungsberatung

Häufig nachts Hunger: Wann zum Arzt?

Generell sollten sich alle Betroffenen Hilfe suchen, wenn sie ihre Lebensqualität durch die Essstörung eingeschränkt sehen. Es gibt gute Gründe, den Arztbesuch nicht lange aufzuschieben: Denn eine frühe Therapie kann beim Night-Eating-Syndrom helfen, Wohlbefinden und Lebensqualität schnell wieder zu steigern.

Quellen:

Night-Eating-Syndrom: Mehr als eine schlechte Angewohnheit, in: aerzteblatt.de

What Is Night Eating Syndrome?, in: webmd.com

O’Reardon, John P., Andrew Peshek, and Kelly C. Allison. (2005): Night Eating Syndrome, in: CNS drugs

Genes discovered linking circadian clock with eating schedule, in: salk.edu