Nierenschäden durch EMS-Training?

Verena Elson Medizinredakteurin
Eine Frau macht EMS-Training
Auch wenn es verlockend klingt, den guten Vorsatz, mehr Sport zu treiben, in 20 Minuten abzuhaken – der neue Fitness-Trend EMS ist mit Vorsicht zu genießen © iStock/VITAL_ML

Es klingt so gut: 20 Minuten Training pro Woche und das Gewissen ist beruhigt, der Körper schlank und straff. Nicht weniger verspricht das sogenannte EMS-Training – doch das Workout mit Stromschlägen kann gefährlich werden, warnen Experten.

Beim sogenannten EMS-Training tragen Sportler einen speziellen Anzug, über den während der Fitnessübungen leichte Stromschläge in die Muskeln geleitet werden. Der Trainer reguliert die Stromintensität für die einzelnen Körperregionen über ein Kontrollpanel. Das Ziel: Das Training durch die elektrische Muskelstimulation effektiver zu machen – schon 20 Minuten pro Woche reichen aus.

 

EMS nicht als Breitensport geeignet

Im Hochleistungssport und in der Physiotherapie wird EMS bereits seit Jahren zum Muskelaufbau nach einer OP oder längerer Bettlägerigkeit eingesetzt. Inzwischen hat sich die Methode allerdings zum Trend in Fitnessstudios entwickelt – viele Menschen nutzen sie, um bei ihrem wöchentlichen Sportprogramm Zeit zu sparen.

Doch das breite Angebot an EMS-Training sehen Experten kritisch. „Während Ärzte und Physiotherapeuten in dieser Methode ausgebildet wurden, ist das Personal in Fitnessstudios aber oft nicht ausreichend geschult, um die Belastung richtig einzuschätzen“, so Prof. Dr. Stefan Knecht, Chefarzt der Klinik für Neurologie, St. Mauritius Therapieklinik, Meerbusch und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN).

 

Geringer Trainingsaufwand ist „tückisch“

„Der geringe Aufwand ist tückisch und kann dazu verleiten, häufiger oder ausgiebiger zu trainieren als empfohlen“, sagt Knecht. „Das EMS-Training sollte höchstens ein- bis maximal zweimal pro Woche absolviert werden.“

Wird das Training zu intensiv durchgeführt, können gravierende körperliche Schäden die Folge sein: Ein zu intensives Krafttraining führt zu einer erhöhten Ausschüttung der sogenannten Creatin-Kinase (CK). Aufgabe dieses Enzyms ist es, die Muskeln mit Energie zu versorgen. Doch wird zu viel davon ausgeschüttet – beim EMS-Training ist der CK-Anstieg bis zu 18-mal höher als beim herkömmlichen Fitnesstraining – können im Einzelfall Nierenschäden entstehen.

 

Stromintensität muss stimmen

Gefährlich wird das EMS-Training, wenn jemand den Stromregler unkritisch nach oben dreht. „Geschultes Personal muss die Stromintensität überwachen und die Trainer müssen auf die Gefahr des Übertrainierens hinweisen“, betont Knecht. Wichtig ist außerdem ausreichendes Trinken – auch wenn die Trainingseinheiten nur kurz sind.

Fazit ist die Erkenntnis, dass es wohl doch nicht so einfach ist, sein wöchentliches Sportpensum schnell und ohne viel Aufwand abzuhaken: „Das EMS-Training ist nicht geeignet, um bequem und ohne Anstrengung in Form zu kommen, denn der Trainingseffekt ist nicht bewiesen und bei falscher Anwendung ist die Methode sogar riskant“, so der DGKN-Pressesprecher. Stattdessen empfiehlt er reguläres Fitnesstraining – das sei effektiver und sicherer.

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