Niederlande: Mit 18 automatisch Organspender

Verena Elson Medizinredakteurin
Organspendeausweis
Wird in Deutschland auch die sogenannte Widerspruchslösung eingeführt, ist der Organspendeausweis künftig überflüssig. Jeder Erwachsene ist dann automatisch Organspender – es sei denn, er widerspricht ausdrücklich © iStock/Martin-Lang

In den Niederlanden sind künftig alle Erwachsenen Organspender - außer, sie widersprechen ausdrücklich. Das hat der niederländische Senat am Dienstag beschlossen.

Mit einer knappen Mehrheit (38 Ja-Stimmen, 36 Nein-Stimmen) hat der Senat die Gesetzesreform angenommen. Bisher musste man sich in den Niederlanden aktiv registrieren lassen, um als Organspender in Frage zu kommen.

Doch das taten relativ wenige Niederländer - knapp 15 postmortale Organspenden jährlich kommen in den Niederlanden auf eine Million Einwohner. Zum Vergleich: In Spanien, dem Land mit der weltweit höchsten Rate an Organspendern wurden im Jahr 2017 46,9 Spendern pro eine Million Einwohner Organe entnommen.

Die niedrige Rate in den Niederlanden sorgte schon seit Jahren für Diskussionen um eine Gesetzesänderung. Mit ebenfalls knapper Mehrheit stimmte die zweite Kammer des Parlaments bereits im Herbst 2016 dem Entwurf zu. Mit dem Beschluss des Senats steht jetzt fest, dass die Reform kommt - wann genau, muss die Regierung in Den Haag entscheiden.

Ist das Gesetz in Kraft getreten, werden alle volljährigen Bürger in einem Brief gefragt, ob sie bereit sind, nach ihrem Tod Organe zu spenden. Jeder, der darauf nicht antwortet, wird automatisch als Spender gelistet.

 

Deutschland - weniger Organspender gibt es fast nirgendwo

Roland Kaiser
Schlager-Star Roland Kaiser erhielt 2010 eine Spenderlunge – zuvor hatte er zehn Jahre lang an der chronischen Lungenkrankheit COPD gelitten, bei der Lungengewebe irreparabel geschädigt wird © gettyimages/Christian Marquardt

Die Niederlande wechseln als 18. europäisches Land zur sogenannten Widerspruchslösung. Auch in Deutschland wird sie diskutiert. Hierzulande sind die Spenderzahlen noch niedriger als im Nachbarland - nur 9,3 Organspender kamen 2017 auf eine Million Einwohner.

Einen Grund dafür sehen Experten in den Skandalen bei der Organvergabe in verschiedenen deutschen Kliniken in den vergangenen Jahren. Dieser habe bei den Bürgern einen großen Vertrauensverlust in die Transplantationsmedizin bewirkt. Zu sehen ist das am jährlichen Rückgang der Organspenden: Während 2011 in Deutschland noch 1.200 Menschen nach ihrem Tod Organe spendeten, waren es 2014 schon nur noch 864 und 2017 lediglich 797.

Was genau bedeutet es, Organspender zu sein? Wann kommt eine Organspende in Frage und wie läuft sie ab? Ausführliche Informationen zur Organspende finden Sie auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Dort können Sie auch einen Organspendeausweis ausfüllen und ausdrucken.

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.