Nie wieder stottern! – Die besten Therapien

Stottern heilbar?
Vier von fünf stotternden Kindern verlieren ihre Sprechstörung bis zur Pubertät © Fotolia

Es ist keine Krankheit und doch leiden betroffene Menschen sehr darunter: das Stottern. Mediziner suchen schon seit Jahrzehnten nach einer Erklärung für diese Sprechstörung – bisher vergeblich. Praxisvita hat für Sie die Hintergründe.

Ein stotternder Mensch stockt beim Sprechen. Ein normaler Redefluss – wie er für die meisten von uns selbstverständlich ist – fällt den Betroffenen sehr schwer. In Deutschland sind etwa 800.000 Menschen davon betroffen – Kinder fünfmal häufiger als Erwachsene.

Da Betroffene in ihrem sozialen Umfeld oft wie Sonderlinge behandelt werden und Stotterer sich selbst stark unter Druck setzen ‚normal’ zu sprechen, ist der Leidensdruck in psychischer Hinsicht sehr groß. Zudem zeigte eine Studie der Newcastle University Anfang 2014, dass stotternde Menschen von Arbeitgebern „routinemäßig diskriminiert werden.“

 

Kann man Stottern therapieren?

Auch wenn es mittlerweile einen lukrativen Markt für Stotter-Therapien gibt – von Hypnose über Sofortheilungen durch Kräutertränke bis hin zu Gentherapien ist alles dabei –, gelten vor allem zwei Behandlungsmethoden als seriös und vielversprechend.

Zum einen wäre da das sogenannte „Fluency Shaping“. Dabei erlernt der Stotterer durch beharrliches Üben auf seine Sprechweise einzuwirken. Genau genommen geht es dabei um spezielle Sprechtechniken (z.B. weicher Stimmeinsatz, Atemkontrolle oder Vokaldehnungen), mit denen eine Unterbrechung des Sprachflusses verhindert werden soll.

Eine andere Behandlungsform ist die sogenannte „Non-Avoidance-Therapy“ („Stottermodifikation“ oder „Blocklösetechnik“), bei der eine Unterbrechung des Sprechflusses – im Sinne der klassischen Sprachblockade – vom Betroffenen in kritischen Momenten wieder aufgebrochen werden kann. Im Grunde zielt diese Therapie darauf ab, die angstbesetzten Reaktionen der Stotterer auf die „Sprechunflüssigkeiten“ auszuräumen, damit sie selbstbewusster damit umgehen. Studien haben nämlich gezeigt, dass Maßnahmen, die die Angst des Betroffenen vor dem „Sprechscheitern“ verringern, auch dazu führen, dass sich der Sprachfluss verbessert.

 

Ist Stottern angeboren?

In der medizinischen Forschung unterscheidet man grob zwischen zwei Formen des Stotterns: Das idiopathische und das erworbene Stottern.

Angeboren ist das Stottern an sich nicht. Bei der idiopathischen Sprechstörung – aktuellen Studien zufolge zumindest teilweise genetisch bedingt – tritt das Stottern in Zusammenhang mit dem Spracherwerb auf. Die ersten Symptome zeigen sich immer vor dem 12. Lebensjahr (bei 50 Prozent der Betroffenen zwischen dem dritten und vierten und bei 90 Prozent vor dem sechsten Lebensjahr).

Etwa fünf Prozent der Kinder zeigen Symptome einer Sprechstörung, wobei Jungen doppelt so häufig betroffen sind wie Mädchen. Bei vier von fünf betroffenen Kindern verschwindet das Stottern bis zur Pubertät.

Von einem erworbenen Stottern sprechen Forscher, wenn die Sprechstörung nach einem psychischen oder körperlichen Trauma – z.B. ein Unfall – auftreten. In diesem Fall handelt es sich aus medizinischer Sicht aber nicht mehr um eine Sprechstörung im eigentlichen Sinn, sondern um eine echte Erkrankung des Nervensystems.

 

Wieso stottert man überhaupt?

Die genauen Ursachen für das idiopathische Stottern sind bis heute weitestgehend ungeklärt. Aktuelle Studien gehen allerdings davon aus, dass es sich um eine Kombination von genetischen und psychischen Faktoren handelt.

Auf eine erbliche Veranlagung, die zu einer Sprechstörung führt, deuten Untersuchungen hin, bei denen festgestellt wurde, dass im familiären Umfeld von stotternden Menschen die Wahrscheinlichkeit dreimal höher ist, dass auch Verwandte an der Sprechstörung leiden, als normal sprechende Menschen.

Psychische Faktoren hängen unter anderem mit dem enormen Leidensdruck der Betroffenen zusammen. So verkrampfen stotternde Menschen in Anbetracht ihrer Sprechstörung, was das Stottern wiederum verschlimmert.

Hamburg, 22. Oktober 2014

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.